Montag, August 14, 2006

What about the band? Maceo Parker – Domicil Dortmund – 9. August 2006

(Foto folgt demnächst) Die nächste Altherrenveranstaltung. Der Altersdurchschnitt so um die Mitte vierzig. Bis kurz vor Konzertbeginn kann man sich mühelos in die erste Reihe mogeln. Neben mir zwei Damen weit über fünfzig, eingezwängt in knappe Klamotten für Zwanzigjährige. Die Dellen ihrer nackten Oberarme reiben sich an meinem Prince-T-Shirt, auf das mich ein glatzköpfiger Typ, der auf dem Rand der Bühne sitzt und sich eine raucht, anspricht. Ob ich denn auf der Tour gewesen sei. Wir kommen ins Gespräch, verplaudern uns nett die Zeit. Um kurz nach halb neun wird es dunkel. Eine papageigrün gekleidete Dame tritt ans Mikro, erzählt irgendwas mit „funky“, man kann sie kaum verstehen. Ihr greller Dress passt auch überhaupt nicht zu den maßgeschneiderten Anzügen der Musiker, die nun auf die Bühne treten. Ein dicker Bassist schlägt den Groove vor, in den sich nach und nach alle einfinden. Der grüne Papagei krächzt munter seinen Sermon weiter, der irgendwann mal, endlich, mit „MACEO“ endet – und da steht er auch schon, dieser ältere smart lächelnde Herr mit seinem Maßanzug, der coolen Sonnenbrille und dem goldblitzenden Saxofon in der Hand. Über alles, was jetzt folgt, wurde schon tausendmal geschrieben, und es ist ein Leichtes, sich aus dem unerschöpflichen Repertoire von Phrasen und Gemeinplätzen, die es zu Maceo Parker live gibt, zu bedienen. Einer dieser Sätze stammt von ihm selbst: "Two Percent Jazz and 98 Percent Funky Stuff!" – und das trifft natürlich auch auf den Abend im Domicil zu. Will sagen: Wer zu einem Maceo-Parker-Konzet geht, weiß, was ihn erwartet, der will auch nichts anderes sehen und hören: All die Großtaten, die der Grandseigneur im Laufe der Jahre uns schon vorgeblasen hat, natürlich viel James Brown, zwischendurch ein par Solo-Sachen oder ein Rap vom Sohn Corey Parker. Und weil uns Maceo nicht die ganze Zeit einen blasen kann, singt er auch, z.B. eine Ballade von Ray Charles, oder fordert das Publikum immer wieder dazu auf, nicht nur ihn alleine zu ehren: „What about the band?“ – noch so eine Phrase, die es am Merchandise-Stand sogar als T-Shirt gibt. Zu Recht, denn die „Band“ ist natürlich weltklasse: stets zu Diensten, aber auch antreibend, setzt sie Pointen und Akzente und vereinigt doch alles zu einem einzigen, unwiderstehlichen Groove. Wenn ich nun Greg Boyer stellvertretend für die anderen hervorhebe, dann nur, weil er direkt vor mir stand und weil er sich angesichts meines T-Shirts und meiner Huldigungen das ein oder andere süffisante Lächeln nicht verkneifen konnte. Macht nix, ich wollte halt nicht anders, als mich wie ein pubertierender Teenager freuen, der mit seinen Helden mal Tuchfühlung halten darf. Eine Erwartung wurde übrigens doch nicht erfüllt: Inklusive Zugabe spielte die Band nur zwei Stunden und fünfzig Minuten. Ein Maceo-Konzert, das unter der Drei-Stunden-Marke bleibt? Das war wirklich ungewöhnlich.

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