Sonntag, Dezember 30, 2007

The Last Days Of Disco

Hier noch schnell ein Lebenszeichen, bevor das Jahr zuende geht. Zuletzt hat ja leider die Schreibfaulheit gesiegt, macht aber nix, hab ich wenigstens einen guten Vorsatz für 2008. Immerhin habe ich zwei halbe Texte im Kopf und das nächste Tied-To-The-90's-Album steht auch schon fest. Es wird also auch in Zukunft gute Gründe geben, um auf der Guten Seite zu sein. Ach so, zu Silvester lege ich in der Goldkante auf. Dabei werde ich zum allerletzten Mal alte Disco-Hits spielen, danach wird es Zeit für was Neues. So was in der Art hat Prince ja auch kurz vor seinen "21 Nights In London" erzählt, und er wird es ebenso wenig durchhalten wie ich. Außerdem an den Plattentellern: TP und N, TK aber leider nicht. Frl. W. wird auch kommen, ferner haben SF, LN, TT, SD, MK, DN, B, V und nicht zu vergessen A ihr Kommen zugesagt. Und wer weiß, möglicherweise kann ich noch SMR und ihre Party-Bagage dazu überreden, die ersten Stunden des Jahres im hübschesten Ambiente der Stadt zu verbringen. Wer gerne zu "I Got A Man" von Positive K tanzt, sollte sich das nicht entgehen lassen.

Sonntag, Dezember 23, 2007

The Beginning Before The End

Zu Weihnachten gibt es bekanntlich viele Überraschungen. Und weil das so ist, wollen sich Frl. W. und der Don bei Ihrer Musikauswahl noch nicht festlegen. Besinnlich bis tanzbar, verschmust und popo-wackelig, mitsingend oder melancholisch: alles scheint möglich. Fest steht aber: Sie bringen doppelt geschenkte oder zu gut gemeinte Gaben mit und packen diese in die große Tauschkiste. Wer mag, tauscht mit. Publikumsbescherung!

Mittwoch, 26. Dezember 2007. Goldkante. Bochum, Herner Str. 13, Ab 21 Uhr.

Donnerstag, Dezember 13, 2007

Lichtschutzfaktor Leidenschaft - Rykarda Parasol

Ein strenger Blick wie Faye in „Bonnie and Clyde“, eine Stimme, die dunkle Erinnerungen an Patti Smith weckt und ein Nachname, der so viel wie „Sonnenschirm“ bedeutet: Bei Rykarda Parasol wird das Dräuende, Abgründige und Dunkle zum Programm und zum wertvollen Pfand, mit dem sich die fille noire aus San Francisco in die Riege bemerkenswerter Debütantinnen gewuchert hat.

"Our Hearts First Meet" heißt ihr erstes Album, nachdem 2003 bereits die EP "Here She Comes" erschienen war. Fünfzehn rätselhafte Folk-Songs, die schwere Titel tragen, etwa "How Does A Woman Fall" oder "Lonesome Place"; in denen verzweifelte Sätze fallen wie "The sky has gone black on us / Don’t you weep" oder "I made a decision when nothing was good / And I knew I would lose". Worte also, die immer wieder auf das Abgründige unter der ansehnlichen Oberfläche verweisen, auf die dunklen Strähnen zwischen dem gefärbten Blond. Es geht um Hereinfälle, verschmähte Liebe und Einsamkeit. Nur selten dringt durch den Sonnenschutz Licht an diese Lyrik. Dennoch glimmt in Rykarda Parasols Musik die Leidenschaft, denn es sind gerade die obskuren Stellen, von denen eine eigentümliche Anziehungskraft ausgeht. So mancher Hörer wird sich im Geiste in jene verrauchte Bar sehnen, wo man zwischen Girls und Gangstern einen Gin nach dem anderen herunterkippt, während aus der Juke-Box abwechselnd „Hannah Leah“ und „Candy Gold“ quäken.

Natürlich hat dieses Setting düsterer Motive auch etwas Kalkuliertes, bleibt in seinem Charakter aber stets würdevoll und glänzt vor allem durch Stil. Und wenn die Musik den Hörer so erwischt wie auf "Our Hearts First Meet", ist Stil ein willkommener Attraktivitäts-Bonus. Das nächste Album von Rykarda Parasol hat hoffentlich einen ähnlich hohen Lichtschutzfaktor. Der blasse Teint steht ihr nämlich vorzüglich. (Foto Credits www.XavierGomez.com © 2007)

Dienstag, November 27, 2007

Mittwoch, November 21, 2007

Sonntag, November 18, 2007

Portishead - Dummy (1994)

Halbzeit bei „Tied To The 90’s“: Irgendwann 1994 zu Besuch in fremden Wohnzimmern. Mein Gastgeber meinte es gut mit mir, als er mir „Dummy“ vorspielte. Kennst Du das noch nicht? Ist doch gerade in aller Munde. Ne, kannte ich noch nicht. Wie ein ungestümer Hund an der Leine zog die Musik sogleich an meiner Aufmerksamkeit. Unser Gespräch war unwichtig geworden, und ich empfand das Mitteilungssbedürfnis meines Gegenübers eher als lästig, weil es mich vom Hören ablenkte. Es hat etwas Beunruhigendes, aber auch Tröstliches, dass Musik mitunter mehr wiegt als ein Mensch.

Sampling ist eine nicht zu unterschätzende Kunst. Man mag meinen, jeder Trottel wäre dazu in der Lage, doch nur wenigen gelingt es, aus Schnipseln etwas zu erschaffen, das über die Summe der einzelnen Teile hinausweist. Portishead zeigen dieses Können ein ganzes Album lang. Jagen spukende Geister durch „Mysterons“, bauen Kulissen für Gangsterfilme in „Sour Times“ oder haben in „Wandering Star“ für die Vergänglichkeit der Liebe nur ein trauriges Scratchen übrig. Am deutlichsten zeigt sich die Stärke der Neuformulierungen im direkten Vergleich, und zwar in der Bearbeitung von „Ike’s Rap“: Tricky macht aus dem Sample nichts Zwingendes, spricht ein paar Lyrics drüber, lässt aber ansonsten alles wie er es vorfindet (auf „Maxinquaye“); Portishead setzen es dagegen als Fundament für Beth Gibbons' inständiges Pochen auf die Einlösung des Fraulichen ein („Glory Box“). Wenn man sich im Jahre 2007 also ein neues Album aus South West England wünscht, sollte man seine Hoffnungen in die richtige Stadt tragen.

Mein Lieblingsstück auf „Dummy“ ist übrigens „Roads“. Beth Gibbons in dem Live-Video dazu zu sehen, weckt Erinnerungen an das Portishead-Konzert in Düsseldorf Anno 98. Die halbe Million Klicks bei Youtube beweisen, dass ich nicht der einzige bin, dem es gefällt. Und das vorschnelle Grölen aus dem Publikum beweist, dass es am Ende immer jemanden geben wird, der nicht die Klappe halten kann, wenn andere lieber der Musik lauschen wollen.


Montag, November 12, 2007

Bran Van 3000 - Call Me

Die 90er waren fast vorbei, ich dachte schon, da käme nichts mehr, doch dann kamen Bran Van 3000 und retteten, was es noch zu retten gab. Aber dazu bei anderer Gelegenheit mehr. Ich habe noch gar nichts zu "Call Me" geschrieben, dem ersten Lebenszeichen vom mehr oder weniger losen kanadisachen Musikerkollektiv um James Di Salvio seit gut sechs Jahren. Dabei ist diese Neuigkeit inwzischen bereits keine mehr. Das Stück hat den schönsten Anfang, den Bran Van bisher vollbracht haben, noch schöner als der von "Astounded", wo man in punkto Spannungssteigerung bereits konkurrenzlos gut war. Tja, und dann...dann kommt ein Refrain, der vielleicht einen Tick zu gefällig agiert und zuletzt eine Art Reggae-Break, das mich nach dem ersten Hören sehr empört hat, weil er so gar nicht zu der zuvor aufgebauten Stimmung passen wollte. Inzwischen bin ich etwas versöhnlicher gestimmt, schließlich haben Bran Van 3000 schon immer großen Spaß am Aufbrechen von Gewohnheiten gehabt. Vielleicht kriegen sie mich auf meine alten Tage sogar noch zum Kiffen. Ich freue mich auf Rosé.


Dienstag, November 06, 2007

Prince Fans United


via

PRESS RELEASE - FOR IMMEDIATE RELEASE

November 5, 2007

PRINCE FANS FIGHT BACK AGAINST ATTACKS

In an extraordinary, but not unfamiliar move, the rock legend Prince is using an army of lawyers to launch attacks on his own fans.

Several of the largest web communities dedicated to the artist have received notices to cease and desist all use of photographs, images, lyrics, album covers and anything linked to Prince's likeness.

It is our opnion that these threats are not made in an attempt to enforce valid copyright as Prince alleges in his threats, rather we believe they are attempts to stifle all critical commentary about Prince. We strongly believe that such actions are in violation of the freedom of speech and should not be allowed. Prince claims that fansites are not allowed to present any artwork with Prince's likeness, to the extreme that he has demanded removal of fan's own photographs of their Prince inspired tattoos and their vehicles displaying Prince inspired license plates.

Prince's representatives have requested that the fansites provide them with "substantive details of the means by which you [the fansites] propose to compensate our clients [Paisley Park Enterprises, NPG Records and Anschutz Entertainment Group (AEG)] for damages..."

The owners of the three largest fansites supporting Prince: www.housequake.com, www.princefams.com and www.prince.org have come together to fight back to what amounts to an injustice to the fansites and the very fans who have supported Prince's career, many since the very beginning nearly thirty years ago.

It is their hope that Prince will reconsider his position and allow these fansites to continue their existence without constant threats from Prince and his attorneys. Should this not be possible, the fansites are fully prepared to defend their position in the proper court of law, as well as fully prosecute any claims to which they are justly entitled.

The owners of housequake.com, princefams.com and prince.org acknowledge that, while Prince is entitled to control of his copyrights, it should be within the law. The law clearly provides for displaying of images of a celebrity's likeness for newsworthy events or matters that are considered to be public interest. All three websites feel that the photographs and/or likeness displayed on their websites clearly fall within the public interest category. Additionally, the use of photographs is legal based on the fair use doctrine, i.e. the displaying of album cover art, or the collage headers created by website members using a variety of different photographs.

For housequake.com: Aaron A. Sikkink and Karyn Avera
For princefams.com: Endre Adolfsen and Jonathan Nice
For prince.org: Ben Margolin

For more information, please contact the Prince Fans United Group spokesperson:
Karyn Avera at:pfu@housequake.com.

Sonntag, November 04, 2007

When Someone Great Is Gone

Sonntag, Oktober 28, 2007

Johann Johannsson: Englabörn

Es gibt nicht viele Alben, die in gerade mal 5 Jahren bereits zum Klassiker gedeihen. Englabörn, dem 2002 erschienenen Debüt des isländischen Tonkünstlers Johann Johansson, ist dies ohne großen Promotionsrummel gelungen. Die Nachfrage nach diesem sehr schnell vergriffenen und ursprünglich als Vertonung eines gleichnamigen Films gedachten Werk war so beachtlich, dass es nun eine Neuauflage erfährt. Zu Recht, denn die schlafwandlerische Sicherheit, mit welcher Englabörn eine Richtwerte setzende Symbiose von Mensch und Maschine erschaffen hat, kann gar nicht genug gewürdigt werden. Hier kommt zusammen, was eigentlich nicht zusammen gehört: Computer-Voices und orchestrale Akustik formulieren eine Neu-Definition des Humanoiden. R2-D2 gesellt sich zu einem Streichquartett, vor dessen natürlichem Klangkörper er aus blecherner Brust ein lateinisches Gedicht anstimmt. Es sind starke Kontraste, mit denen die Musik ihre Zuhörerschaft in einen unausweichlichen Bann zieht. Derart sprachlose Gesichter dürfte man zuletzt bei Konzerten von Johannssons Landsmännern Sigur Rós aufgesetzt haben. Noch gehen uns diese Melodien viel zu nahe, doch in 15 Jahren wird man zurückschauen und in einem Stück wie „Odi et Amo“ das Wegweisende erkennen. Der Autor dieser Zeilen bittet übrigens mit Nachdruck, man möge ihn zu gegebener Zeit an seine Worte erinnern.

Freitag, Oktober 19, 2007

Die Universal Tellerwender...in der Speisekammer

"Wir alle spielen Theater“. Das wusste bekanntlich schon Erving Goffman. „Und wir spielen alle guten Lieder“, so die Antwort vom Frl. W. und meiner Wenigkeit. Soll heißen: Im Anschluss an die Uraufführung des Theaterstücks „Trotzdem“ (zu sehen in den Bochumer Kammerspielen) findet morgen in der Speisekammer eine Premieren-Party statt, zu der wir den musikalischen Überbau liefern. „Wir drehen wirklich Teller, wir tun nicht so“ (frei nach den Sternen). Irgendwie muss man sich ja sein Abendessen verdienen. Sehr attraktive Schauspielerinnen und Schauspieler sollen auch kommen. Wurde uns jedenfalls so gesagt. Und wenn nicht, dann könnt ihr ja kommen. Die Premieren-Party ist nämlich offen für alle und der Eintritt ist frei. Die Party, also, für alle Starlets und solche, die es werden wollen. Here we go:


Die Universal Tellerwender
Speisekammer Bochum (Kammerspiele / Schauspielhaus)
Königsallee 15
44789 Bochum
Samstag, 20. Oktober 2007
So ab 22 Uhr (das wissen wir selber nicht so genau)
Ihr wisst bescheid!

Donnerstag, Oktober 18, 2007

Travis – E-Werk Köln – 17. Oktober 2007

Travis waren mal wichtig. Mit „The Man Who“ hatten Sie 1999 eine Platte allein für mich und mein Leben gemacht. So schien es mir zu jener Zeit zumindest, denn jedes Wort und jeder Ton in Liedern wie „Writing To Reach You“ oder „Driftwood“ traf einen Nerv in meiner damals unruhig vor sich her stolpernden Gemütslage. „The Invisible Band“ fand ich 2001 noch ganz hübsch, mit „12 Memories“ konnte ich jedoch gar nichts mehr anfangen und vom aktuellen Album wusste ich bis vor kurzem nicht einmal, dass es überhaupt erschienen war. Travis waren im Laufe der Zeit irgendwie egal geworden, viel zu sehr „Tied To The 90’s“ (ja, ich weiß, dass ich an der Rubrik mal weiterschreiben muss) und viel zu stark an Erlebnissen gebunden, mit denen ich längst abgeschlossen hatte, als dass sie noch aktuelle Relevanz für sich hätten beanspruchen können. Meine Erwartungen waren also nicht besonders hoch als mich ein Freund anrief und mir eine Karte fürs Travis-Konzert im E-Werk anbot, die er noch übrig hatte.

Ich wurde äußerst positiv überrascht. Nicht weil die neuen Songs mich überrollt hätten, sondern weil es einfach unmöglich ist, Travis schlecht zu finden: Selten so im allerbesten Sinne sympathische, spielfreudige und humorvolle Musiker gesehen. Gerade die Kategorie „Humor“ ist ja eine große Unbekannte bei den ansonsten bedeutungsschweren Gesten der The-Bands dieser Welt. Und ich würde freiwillig für den Rest meines Lebens Fran Healys spitze Kopfstimme in „Closer“ über mich ergehen lassen, wenn ich dafür nie wieder die Schwiegermutter-Beschwörungen von James Blunt hören müsste (an dieser Stelle gebe ich gerne zu, dass meine James-Blunt-Abneigung immer absurdere Züge annimmt). Außerdem hatten Travis einen lustigen schwedischen Gast-Pianisten namens Claus dabei, der von den noch lustigeren Fans frenetisch abgefeiert wurde. Scheint so ne Art Running-Gag auf Travis-Konzerten zu sein. Das Stadion-Geklatsche zwischendurch braucht natürlich kein Mensch und Travis sind jetzt auch nicht urplötzlich wieder Gott weiß wie wichtig geworden. Aber sie sind nicht mehr egal. In „The Boy With No Name“ werde ich jedenfalls mal reinhören.

Dienstag, Oktober 09, 2007

The World Is Everything: David Sylvian - Köln - 8. Oktober 2007

November 1993 – Il duomo di Firenze. Oktober 2007 – Der Kölner Dom. Fast 14 Jahre zwischen zwei Konzerten, zwischen zwei sich aus dem Phlegma des Daseins erhebenden Monolithen. Zwei mal einfach losgefahren, ohne zu wissen, ob die Richtung stimmt. Beide Male sicher angekommen. Das Andenken daran für die Memoiren eines Herzblutenden aufbewahrt. Im Theater am Tanzbrunnen gediegenes Sitzen in zweiter Reihe. „What A Wonderful World“ zum pünktlichen Auftakt. Von der Bühne kommt kaum eine Begrüßung. Statt dessen Distanz elegant. Das Außen kehrt sich nach Innen. Was zählt sind kleine Gesten und sparsame Mimik, die erst nach und nach immer großzügigere Lächeln austeilt. Keine Faust, die sich reckt, keine Hand, die beschwört; dennoch wird jeder hier im Saal im Innersten berührt. Sylvians Stimme dringt an Orte vor, die selten zuvor ein Mensch gezeigt bekam. Unbeirrbar rüttelt sie am Ich, tritt Erschütterungen los und strömt als gleißendes Glück zurück an die brüchig gewordene Oberfläche. Es gibt noch Hoffnung, so lange ein einziges Musikstück ein halbes Leben in Frage stellen kann. There's a fire in the forest / It's taking down some trees / When things are overwhelming / I let them be / […] There is always sunshine / Far above the grey sky / I know that I will find it / Yes, I will try. Die Musiker, darunter Steve Jansen, spielen in punktgenauer Erhabenheit und unantastbarer Traurigkeit: Brilliant Trees, Ghosts, Every Colour You Are – die alten Bekannten von einst ins neue Licht gerückt, nur anhand der Worte wieder erkannt, während die neueren Nine-Horses-Stücke längst zu vertrauten Weggefährten geworden sind. Noch zwei stille Zugaben und ein ruhiges Lächeln. Wanderlust zum Schluss: And deliverance has many faces / But grace is an acquaintance of mine. Das ist die Freiheit, die! Ich! Meine!

Donnerstag, September 27, 2007

Jack Peñate - Torn On The Platform

Ska ist ja sonst nicht so mein Ding. Nein, das ist maßlos untertrieben, ich finde Ska unangenehmer als Hämorrhoiden. Um so verwunderlicher, dass mich "Torn On The Platform" sofort für sich eingenommen hat. Ska nur als Destillat neben anderen, das lasse ich mir gerne gefallen, vor allem, wenn dazu so ein schnurrig-originelles Video serviert wird. Außerdem hat Jack Peñate ein vielversprechendes Liebeslied für den bevorstehenden Winters geschrieben: My Yvonne! Auch das ist maßlos untertrieben: Ein schöneres Liebeslied werden wir in diesem Jahr wohl nicht mehr zu hören bekommen! Bitte auf seiner Myspace-Seite unbedingt nachhören, ob ich recht habe.

Donnerstag, September 20, 2007

In eigener Sache. Donna Regina - More

Wer zuletzt in einer mittelgroßen Stadt im Ruhrgebiet regelmäßig ins Kino ging, bekam in schöner Wiederkehr Donna Reginas How Beautiful zu hören. Ein lokaler Energieanbieter hatte offensichtlich Geschmack bewiesen und seine Werbebotschaft mit der hübschesten Musik, die man dafür hätte aussuchen können, unterlegt. Nicht zum ersten Mal war eine PR-Abteilung aufmerksam gewesen: Bereits vor Jahren hatte der Spot eines Autoherstellers den Klangwelten aus Köln große Popularität in Japan beschert.

Auch auf More, dem mittlerweile 10. Album von Donna Regina, finden sich einige Stücke, die wie geschaffen für die Untermalung von bewegten Bildern sind. Das liegt an den vielen offenen Andeutungen von musikalischen Motiven, die weiten Raum für Assoziationen lassen. Und an der sanften Verzagtheit der Stimme von Regina Janssen, die ihre Geschichten dagegen perspektivisch absteckt und die Welt stets nur in Ausschnitten besingt. Good Morning Day etwa bietet durch seine einminütige Prägnanz die ideal begrenzte Projektionsfläche für die eigene Erinnerung an verharschte Tage, auf denen man mal wieder ausgerutscht ist. Heart Oh Heart wiederum kartographiert in epischer Breite nie gesehene Traumlandschaften, während sich Dream On als heimlicher Hit des Albums empfiehlt. Und im Titelstück gleitet ein elektrisiertes Glockenspiel über sich nur gemächlich entwickelndes Schlagwerk – das musikalische Pendant zu der Einsicht, dass man vom Leben immer mehr erwartet als es zu geben bereit ist.

So liefern die zehn Stücke auf More Mini-Soundtracks zu ungefähren Ortschaften, die ihre aparte Schönheit erst im Auge des Betrachters vollends entfalten und deren Eigenart der Hörer durch seinen Besuch immer auch ein kleines bisschen mitgestaltet. More gibt einem die Eintrittskarte zum eigenen Kopfkino in die Hand. Es wäre demnach nicht verwunderlich, wenn sich die nächste große Kampagne wieder bei Donna Regina bedienen würde. Die beste Werbung hat das Duo jedenfalls in eigener Sache gemacht. More

Dienstag, September 11, 2007

The Sinner And The Saint - R.I.P. St. Thomas

15. April 2002: Im Duisburger Hundertmeister waren alle Stuhlreihen bis auf den letzten Platz besetzt. An jenem Abend sollte das Publikum das seltene Glück eines durchweg homogenen, ergreifenden und vor Schönheit Gänsehaut bereitenden Konzerts von Lambchop erleben. Zuvor musste ein Mann allein den Weg zu den großen Gefühlen ebnen: Saint Thomas. Ein scheuer Witzbold, der mit seiner Gitarre und vor allem mit seinen sympathisch-ulkigen Zwischenansagen den ganzen Saal im Handumdrehen für sich eingenommen hat. Seine Lieder und sein Wesen waren es, die uns die Poren öffneten, sie reinigten, in einer Art Vorwäsche, vom Schmutz des Alltags, den er nur zu gut zu kennen schien. Nun ist Saint Thomas tot. Nach jenem Konzert hatte es kaum noch Begegnungen mit ihm oder mit seiner Musik gegeben, hier und da mal ein Song auf einem Mixtape, "Let's Grow Together" mal als CD vom Wühltisch. Aber mehr hatte er auch nicht gebraucht, um in Erinnerung zu bleiben. Danke dafür. Danke für jenen Abend. Rest In Peace.

Sonntag, September 09, 2007

Josh Rouse – Country Mouse, City House

„Country Mouse, City House“ ist das mittlerweile siebte Album des aus Nebraska stammenden und aktuell in Valencia lebenden Sängers – und wie jeder seiner Vorgänger hätte es auch in den 70ern erscheinen können. Denn das ist das Jahrzehnt, an dem Rouses Songwriting und Arrangements geschult sind. Vor allem am Pop wie man ihn vor 30 Jahren mochte. In einer besseren Welt wären Songs wie „Sweetie“, „Italian Dry Ice“ oder „London Bridge“ Vier-Minuten-Super-Novas am sonst spärlich beleuchteten Hitparaden-Himmel. Stattdessen verstecken sie sich als funkelnde Kleinode, nach denen sich zu suchen lohnt. Dabei bleibt die Musik auf „Country Mouse, City House“ überwiegend verhalten, ja bescheiden, und nur selten wird’s mal etwas flotter wie in „Nice To Fit In“. So bietet das Album neun kleine Abschiede vom Sommer, „something with more of a “wintry” feel“, wie Rouse selbst sagt. Musik also, die in eine alte Zeit zurück und in eine neue herüber trägt. Wann wird’s mal wieder richtig Winter? Reinhören.

Montag, August 27, 2007

Hanns-Josef Ortheil – Die große Liebe

Am Donnerstag legte Lars mir einen Stapel Versuchsformulare auf den Tisch. Scherversuche. Dies bedeutet Versuchsmaterial einbauen, Messinstrumente einstellen, Gerät starten. Warten. Es dauert etwa 30 bis 60 Minuten bis etwas passiert. Dann müssen zunächst nach 1, 3, 5, 7, 10, dann alle 5 Minuten die entsprechenden Werte abgelesen und in ein Protokoll eingetragen werden. Der Versuch läuft eine Stunde. Was ich damit sagen will: ca. 2 Stunden habe ich nicht viel mehr zu tun, als auf eine Maschine zu starren, darauf zu warten dass etwas passiert und wenn etwas passiert, ein paar Werte abzulesen. Und weil ich diese Zeitverschwendung zum Kotzen finde, lese ich nebenher Bücher. Zuletzt waren das z. B.: Alex Capus "Glaubst du, daß es Liebe war?", Alain Claude Sulzer "Annas Maske" und Jonathan Franzen "Die 27ste Stadt".

Und just am Donnerstag hatte ich kein Buch dabei. Verdammter Mist, dachte ich, und schob den Versuch auf. In der Mittagspause lief ich zu Schaten im Unicenter. Ich blätterte durch die Neuerscheinungen und stieß auf "Das Verlangen nach Liebe" von Hanns-Josef Ortheil. Der Klappentext klingt gut, dachte ich, doch so ein Hardcover ist mir zu teuer. Aber da stand auch: „Nach „Die große Liebe“ hat Hanns-Josef Ortheil einen neuen Liebesroman geschrieben.“ Ich suchte nach diesem Vorgänger unter den Taschenbüchern und fand es tatsächlich. Auf dem Umschlag wird der unbarmherzige Denis Scheck zitiert, der selten ein Buch nicht in die Tonne befördert – ich nahm es mit.

Italiener in Deutschland und Deutsche in Italien, das ist immer noch ein Modethema in der deutschen Unterhaltungsliteratur und ich gebe zu, ich habe über Jan Weilers Antonio geschmunzelt. Doch so langsam geht mir der x-te Aufguss dieses Themas auf den Keks. Warum aber dann dieses Buch, in dem es genau darum geht, dass ein Deutscher für 10 Tage nach Italien fährt? Weil es ganz anders ist, weil es um die große, ernsthafte, tiefe Liebe geht, um das Meer, ums Essen, um Traditionen. Der Ich-Erzähler, ein Münchner Redakteur, will einen Film über das Meer drehen und fährt dafür nach San Benedetto. Er war nicht mehr verliebt, seit er mit 17 seine damalige Freundin mit ihrem Musiklehrer beim Cunnilingus erwischte. Daraufhin hatte er sich in kurze Affären gestürzt, hatte nur noch Interesse an Sex, nicht aber an der Liebe. Nun begegnet sie ihm doch noch, und zu sehen wie er sie festzuhalten versucht ist weder kitschig noch abgeschmackt. Fast kommt es mir vor, es ist der Rhythmus der Meeresbrandung, der ihn gefangen hält und in dem er erzählt. Und ich bin mir bis zum letzten Satz nicht sicher: kommt sie?


Anm. der Redaktion: Das mit dem Cunnilingus hab ich nur geschrieben, weil der Blog wegen des Sommerlochs neue Leser braucht. So etwas würde ich doch sonst nie in den Mund nehmen!

Mittwoch, August 22, 2007

Lucio Battisti - La Canzone del Sole

Ich melde mich mal für ein paar Tage ab (nicht, dass es vorher hier besonders aufgefallen wäre, dass ich noch da bin). Kann den Regen einfach nicht mehr ertragen, also geht es in Richtung Sonne. Passend dazu die "Canzone del Sole" von Lucio Battisti. Frl. W., übernehmen Sie, derweil.

Freitag, August 10, 2007

The Afghan Whigs – Gentlemen (1993)

Hier also, in dem Land, von dem Du glaubtest, es kenne keine gute Musik, liefen im TV, viel zu spät, immer wieder dieselben drei Videos. Eines hieß „Disarm“, das andere hast Du vergessen, das dritte war „Debonair“ von den Afghan Whigs. Wie oft hast Du ihr, in der Via Santa Maria, im Geiste diese Worte vorgesungen:

Hear me now and don't forget
I'm not the man my actions would suggest
A little boy, I'm tied to you
I fell apart
That's what I always do

Und Dich aber tatsächlich nie getraut. Du feiger Hund in love hast Dich lieber lächerlich gemacht und Dich im Dreck aus Selbstmitleid gewälzt. Aber immerhin, da war die Musik, wenn Du entlang der schiefen Schatten um den Turm gestreunt bist oder Deine verzweifelte Lache von der Brücke auf die Züge sprang. „'Cause it don't bleed and it don't breathe / It's locked its jaws and now it's swallowing / It's in our heart / It's in our head / It's in our love / Baby it's in our bed”. Die Seuche griff gnadenlos um sich, alles war von deinen kranken Gefühlen befallen. Aber, da war die Musik, das einzige, was noch etwas zählte und so sehr du sie auch bespucktest, sie war immun gegen jede Attacke, sie dröhnte groß und mächtig über die Piazze, über die Corsi, bis in die kleinsten Vicoli war sie zu hören und wenn dir auch sonst nichts von jenen Tagen geblieben ist, so doch die Erinnerung an deinen Daumen, wie er auf Play drückte, damit du den Text von „If I Were Going“ auswendig lerntest, damit dir was zu sagen blieb, wenn du dir selbst beim Gang zu den eignen Worten mal wieder im Wege stehen solltest. Und wenn auch das nichts half, dann skipptest du eben vor bis zum letzten Lied, dem Schlussgebet ohne Worte, das hatte keine Worte, das brauchte keine Worte. Es war nur Musik.

Montag, Juli 30, 2007

Stadtgespräch

Die erste offizielle Ankündigung war wenige Tage alt, da kratzte das Frl. W. den Bochumer Stadtspiegel vom Treppenhausboden und machte mich auf einen Artikel aufmerksam, den ich, zumindest in Auszügen, der geschätzten Guten-Leserschaft nicht vorenthalten möchte. Auf S. 3 findet sich dort unter der bezeichnenden Überschrift "Unsere Gäste sind talentiert und wir haben jetzt den Beweis in der Hand" (es ging um das Oberthema "Heart Of Gold" - Die Goldkanten-CD) folgender Passus:


Ich bin begeistert! Und gehe davon aus, dass das nun immer so gut klappt: Also, ich schreibe hier was über die Prince-Party im Juni 2008 und ein paar Tage später steht das dann in der Zeitung, ja? Über diesen Artikel hier möchte ich übermorgen bitte etwas in der WAZ lesen. Und danach können gerne SZ, FR, TAZ, FAZ, Intro, Spex und meinetwegen auch der Musikexpress folgen. Aber bitte ab der nächsten Ausgabe die Nennung des "Guten"-Links nicht vergessen. Schließlich hätte auch ich gerne mal so viele Leser wie der Stadtspiegel.

Freitag, Juli 27, 2007

Joey Goebel – Vincent II

Lieblingsmusiker: Jay-Jay Johanson
Lieblingsserie: Grey’s Anatomy
Lieblingsfilm: Secretary

Einer, der es selbst als Künstler nicht geschafft hat, der vor sich hinschimpft über die Radiomusik, die so schlecht ist und sich trotzdem gut verkauft und tot gespielt wird, bekommt einen geheimen Job. Er soll einen Jungen mit großem sprachlichen und musikalischen Talent zur Seite stehen, damit dieser Songs, Fernsehserien und Filmdrehbücher schreibt. Die Theorie dahinter besagt, dass nur ein leidender Künstler die Inspiration für wirklich große Kunst besitzt. Also quält der Agent seinen Schützling Vincent, den er längst liebt wie einen Sohn, indem er seinen Hund vergiftet, seine Freundinnen vertreibt, ihm Krankheiten anhängt. Und Vincent schreibt künstlerisch wertvoll und sehr erfolgreich bis zum Zusammenbruch.

Joey Goebel beschreibt seine Figuren überaus eindrücklich, er bindet sie mir quasi aufs Herz, damit ich mit ihnen leide, kämpfe, liebe, mit ihnen die Hoffnung verliere und am Ende doch erlöst werde. In „Vincent“ zeigt er reichlich Herzblut für Musik, Film und Fernsehen, mit großen Idealen, mit Abscheu für den Schund der überall gespielt wird und dem dazugehören Kommerz und verliert trotzdem nicht die Hoffnung auf Besserung. Dieses Buch ist eine Ode an Freundschaft und Liebe (zu sich selbst und anderen) oder doch an das Leiden?

Joey Goebel – Vincent I

Lieblingsmusiker: Prince
Lieblingsserie: Die Waltons
Lieblingsfilm: Magnolia

Immer wieder hat sich die Literatur am Gegensatz zwischen Kunst und Leben gerieben. Hat ihre Helden in die Welt geschickt, damit die sich die „Hörner ablaufen“, meist auch, um ihre ideellen Lebensträume an der Prosa der Verhältnisse scheitern zu lassen. Die Künstlerfigur ist nach diesem Verständnis eine, die nicht mehr ungebrochen in ihrer Umgebung aufgehen kann. Sie hat ihrem Künstlerstatus weitestgehend zu entsagen, um in der Gesellschaft zu reüssieren, um in ihr einen sinnvollen Platz einnehmen zu können. Die Bewahrung des Künstlertums gelingt dann nur noch um den Preis des Leidens. Das Leiden wird aus dieser traditionalistischen Sicht zur Voraussetzung künstlerischen Schaffens, ja es macht ihr eigentliches Wesen aus. Genau an dieser Stelle setzt der Autor Joey Goebel seinen Vincent in die Welt, ein geniales Wunderkind, dessen vielfältige Begabungen in seiner trostlosen, bildungsfeindlichen Umgebung kläglich vernachlässigt würden, wäre da nicht Harlan. Harlan arbeitet im Auftrag von „New Renaissance“, einem Unternehmen, das der todkranke und nahezu allmächtig gezeichnete Medienherrscher Foster Lipowitz neu ins Leben gerufen hat. Mit „New Renaissance“ soll das schlechte Gewissen von Lipowitz reingewaschen und eine durch Mainstreamprodukte weichgespülte Kultur- und Unterhaltungsindustrie wieder mit hochwertigen Gütern versorgt werden. Harlan nimmt also Einfluss auf die künstlerische Produktivität des kleinen Genies, indem er dessen Leben zum Leiden macht. Er tötet Vincents geliebten Hund, bezahlt seine Mutter dafür, dass sie sich davonmacht und verleitet die wenigen Frauen, die sich für Vincent interessieren, ihn zu quälen und schließlich zu verlassen. Als Vincents „Manager“ erzielt Harlan damit das von „New Renaissance“ gewünschte Ergebnis: Vincents fortwährende Leiden inspirieren ihn zu immer neuen hochwertigen Kunstwerken. Zwei zutiefst moralische Fragen werden hier aufgeworfen, aus denen der Roman seine ganze Spannkraft bezieht: Zum einen: Ist es legitim einen (künstlerisch hochbegabten) Menschen leiden zu lassen, wenn davon die Allgemeinheit profitiert? Und zum anderen: Kann (und soll!) einer Gesellschaft, in welcher der „Erfolg“ von Kunst vom Grad ihrer Belanglosigkeit abhängt, überhaupt noch geholfen werden? Ob der Roman diese Fragen zu genüge (und eindeutig) beantwortet, ob diese Fragestellung überhaupt so selbstverständlich und zulässig ist, soll jeder Leser für sich selber entscheiden. Harlan zumindest entscheidet sich am Ende für eine Auflösung. Bis dahin durchläuft er mit Vincent 12 Stationen einer Leidensgeschichte, die jeweils mit dem Namen einer Frau betitelt sind. Ob Rachel oder Norma Jean, jeder Kummer bekommt so eine konkrete Überschrift. Die Kunst, das Leiden und das Ewig Weibliche: Alles also wie gehabt.

Mittwoch, Juli 25, 2007

Ein Jahr - Es geht voran!

Leise, von mir selbst erst im letzten Moment bemerkt, feiert "nur die guten" in diesen Tagen sein Einjähriges. Im Juli 2006 wäre ich ehrlich gesagt sehr vorsichtig mit Aussagen zur Lebensdauer dieses "Projekts" gewesen. Inzwischen hat sich die Mischung aus virtueller Aufmerksamkeitsdefizitbeseitigung, Selbstbeschäftigungstherapie, Prince-Artikel raushauen, die sonst und auch hier eh keiner lesen mag und Bumsgeschichten-Sucher-Verarsche aber derart in meinem Freizeitverhalten etabliert, dass ich ohne nun auch nicht mehr mag. A propos "Bumsgeschichten": Mit 125 Hits nach wie vor der beliebteste Suchmaschinen-Referrer, über den sich auf diese Seite verirrt wurde. Weit abgeschlagen dahinter folgen "Pop Goes My Heart" und "Prince Planet Earth Kritik" mit jeweils 14 Suchenden. Um den Traffic hier zu erhöhen, sollte ich öfters so Wörter wie "Penis" oder "Vagina" in meine Texte einbauen. Oder vielleicht noch besser "Pimmel", "Arsch" und "Ficken"? Gebt der gierigen Google-Krake das, was sie am liebsten frisst. Mal sehen was die Statistiken in einem Jahr dazu sagen.

Wie wird "nur die guten 2.0." in Zukunft aussehen? Den schicken Pusteblumen- Hintergrund gibt es ja schon länger (Copyright und Dank geht an Frl. W.!), das nächste "Tied To The 90's"-Album steht ebenfalls fest, also muss mal wieder was Neues her, die Internet-Meute lechzt nunmal nach heißem Scheiß. Frl. W. und ich werden demnächst in der Rubrik "Das literarische Duett" unabhängig voneinander (d.h. ohne Absprache untereinander) Buchbesprechungen raushauen. Los geht es mit Joey Goebels "Vincent". Die "Duett"-Geschichte ist beliebig erweiterbar, sowohl was den Inhalt als auch die Form angeht (natürlich können nicht nur Bücher, sondern auch Platten, Filme usw. auf diese Art besprochen werden und es muss auch nicht beim "Duett" bleiben: Eine Multi-User-Rubrik wäre denkbar, also eine Erweiterung zum Terzett, Quartett oder whatever; wer sich also berufen fühlt, was zum "Vincent" zu schreiben, der möge laut aufschreien). Und schließlich gibt es da noch "Prince - A Celebration" - eine Party zum 50. Geburtstag von Prince, die am 7. Juni 2008 in der Goldkante stattfinden wird. Wobei ich noch nicht sicher bin, ob ich den riesigen Marketing-Elefanten dazu allein auf dieser Seite herumtrampeln lasse oder lieber etwas Eigen(ständig)es aufmache. Oder überhaupt gar nichts mache. Dann kommt keine Sau, Frl. W. müsste sich an dem Abend all die vielen Prince-Lieder alleine anhören und würde sich bitter mit einem Tocotronic-Abend rächen. Soweit, liebe treue "Guten"-LeserInnen, dürfen wir es nicht kommen lassen. Also den 7. Juni 2008 bitte jetzt schon mal vormerken.

Mittwoch, Juli 18, 2007

Friendly Fires

Eine (späte) Neuentdeckung, die ich mal wieder "Up From The Underground" verdanke (einer Sendung, der man eigentlich nicht genug huldigen kann!): Friendly Fires klingen wie die hibbeligen Kinder von James Murphy, haben ein bisschen zu viel The Rapture gehört und waren bestimmt auch schon mal mit Jamie Lidell einen trinken. Keine Ahnung, wer von den drei Typen auf den Bandfotos der Bassist ist. Er ist jedenfalls Schuld an den fortwährenden Krämpfen in meinem rechten großen Zeh, welche durch einwöchiges Dauerwippen vor allem zu "Photobooth" verschuldet worden sind. Aber auch die anderen Songs auf Friendly Fires' Myspace-Seite sorgen für unkontrollierbare Muskelzuckungen. Wer am Samstag in die Goldkante kommt, kriegt davon ein paar Elektro-Schoks ab, versprochen!

Mittwoch, Juli 11, 2007

Prince - Planet Earth

Er kann es noch: Großtaten wie "Chelsea Rodgers" schreiben. Die einem die Füße auf dem Tanzflur heißbrutzeln und von der ersten bis zur letzten Sekunde mitreißen. Er schafft ihn erneut, den eleganten Spagat zwischen kalkuliertem Bombast und kindlicher Verspieltheit in "Planet Earth". Er hatte sie also doch noch, die Nummer von Wendy & Lisa, die ihre unverkennbare Prägung im Titelstück oder in "Lion Of Judah" hinterlassen. So gleichgültig kann mich kein James Blunt-Song werden lassen, als dass ich nicht blind jeden einzelnen Akkord benennen könnte, den die beiden hier gegriffen haben. Da braucht es keine Liner-Notes. Er schüttelt sie immer noch aus dem Ärmel, Beischlaf-Hintergrund-Klassiker wie "Somewhere Here On Earth" oder Penis-Posen a la "Mr.Goodnight", auch wenn kaum ein Jehova das bezeugen mag. Und ja, leider sind ihm auch die Banalitäten nicht ausgegangen, ein Lied, das mit der Zeile "The Main Problem With War Is That Nobody Wins" anfängt, kann ich jedenfalls nicht ernst nehmen. Die Schweinerock-Single "Guitar" macht es auch nicht besser, wenngleich das musikalisch ähnlich speckig daher stiefelnde "The One U Wanna C" sich inzwischen unbarmherzig in meine Gehörwindungen geritten hat. Letzgenanntes sollte sich Stitch Jones unbedingt anhören, könnte ihm gefallen. Kann man nämlich prima auch das Lasso zu schwingen. Fazit? Fragt mich in einem Jahr nochmal. Das schöne an den meisten Prince-Platten ist ja, dass sie mit der Zeit ihre Bedeutung ändern - und die hier hat auf jeden Fall das Zeug zum Grower.

Sonntag, Juli 08, 2007

Planet Earth und so weiter...

Alle Songs vom neuen Prince-Album "Planet Earth" kursieren inwzischen in den Weiten des Netzes und liegen bereits auf meiner Festplatte. Bevor ich hier zur ausführlichen Kritik aushole, muss ich mir das Ganze noch ein paar Mal anhören. Was allerdings jetzt schon feststeht: WENDY UND LISA SIND MIT DABEI! Und ich muss mich entscheiden, ob ich auf der nächsten Auflegeparty "Mr. Goodnight" oder "Chelsea Rodgers" spielen werde. Vermutlich beides. Mehr demnächst auf der guten Seite.

Montag, Juli 02, 2007

Arrested Development – 3 Years, 5 Months And 2 Days In The Life Of…(1992)

Zugegeben, diesmal habe ich mich sehr schwer getan. Aus der Rückschau, dieser ständig in Richtung Erkenntnisgewinn rückenden Beobachterposition, fallen mir mindestens 5 andere Alben ein, die ich genauso gut (oder vielleicht sogar noch eher) zum „Album des Jahres 1992“ hätte küren können. Doch wenn ich mein Ich von vor 15 Jahren befrage, wenn ich wissen will, was es damals ständig, ja über die Grenzen des Erträglichen hinaus gehört und für eine Offenbarung gehalten hat, dann kann es nur eine Antwort geben: „3 Years, 5 Months And 2 Days In The Life Of…“ Die „D.A.I.S.Y. Age“ von De La Soul lag da bereits einige Jahre zurück und war das letzte, was mich jenseits vom Schwere-Hoden-Hip-Hop beeindrucken konnte. Dann kam erst einmal eine ganze Weile nichts, bis da auf einmal diese zunächst etwas suspekt wirkende Hippie-Hop- Kommune auftaucht, was von Spirit und Politics erzählt und obendrein „Alphabet St.“, Sly Stone, Minne Riperton und den ollen Dylan samplet. Da konnte entweder nur grober Unfug oder was Verrückt-Geniales bei rauskommen. Ich entscheide mich für letzteres und merke beim Hören, wie mich „Mama’s Always On Stage“ oder „Fishin“ 4 Religion“ immer noch begeistern und dass ich „People Everyday“ oder „Tennessee eigentlich mal wieder zum Auflegen einpacken könnte. Schließlich erinnere ich mich auch daran, was für ein bewegendes Liebeslied „Natural“ ist. Neben den großen Hits ging es damals leider etwas unter, aber mit seiner warmen Earth Wind & Fire-Dramatik hat es mich immerhin mit einem neuen Genre, dem der „Tanz-Ballade“, bekannt gemacht. Und Earth Wind & Fire überhaupt erst nahe gebracht. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. Offizielle Seite und Myspace nicht vergessen.

Dienstag, Juni 26, 2007

DJ wider Willi

Dons Disco setzt sich in Bewegung: Am Samstag bin ich Teil eines seinesgleichen suchenden juvenilen Slacker-Szene- Happenings und werde allein durch meine Anwesenheit das Durchschnittsalter gnadenlos um mindestens zwei Jahre nach oben hauen. Dass ich als einer der DJs auf dem stylischen Flyer stehe, habe ich übrigens erst im Nachhinein erfahren, was ich wiederum sehr lustig finde. Hätte ich etwas mehr (oder überhaupt) Zeit für eine Zusage gehabt, so hätte ich mir vielleicht noch einen klangvolleren DJ-Namen geben können. Schließlich geht der Don nicht jeden Tag auf Achse. Meine oberflächlich-ungestüme Recherche in der mobilen Disco-Szene hat übrigens ergeben, dass sich ungefähr jeder zweite Discjockey dort "DJ Willi" nennt. Aber so hieß ja nicht einmal mein Opa, das ist eines Dons nicht würdig. Was soll's, jetzt ist es ja eh zu spät. Aus Sicherheitsgründen werde ich auf Lieder, die älter als 5 Wochen sind, wohl lieber verzichten. Kann ohnehin froh sein, wenn ich aus der Bronx unter den Recklinghäuser Stadtteilen wieder lebend rauskomme. Bis dahin.

Dienstag, Juni 19, 2007

Digitalism - Idealism

Irgendwo im Referenzgewitter zwischen Daft Punk und MSTRKFT entlädt sich "Idealism" von Digitalism. Wo "Human After All" jedoch den traurigen Abstieg in die Kirmes-Liga bezeugte und MSTRKFT die Nachhaltigkeit abgeht, da fegen Digitalism die Massen von den Straßen in die Clubs, auf dass die Party niemals enden möge. Songs wie "Zdarlight", "I Want I Want", "Digitalism in Kairo" oder "Pogo" gießen Öl ins Feuer einer jeden Tanzveranstaltung. Wobei die Titel eigentlich unwichtig sind, auch im Shuffle-Modus würde der Player hier einen Zappel-Garanten nach dem anderen ausspucken. Den Nachweis eines "Klassikers" muss die Zeit noch erbringen, aber eine Jahreszeit lang werde ich sicher großen Spaß daran haben. Give this -ism a chance.

Mittwoch, Juni 13, 2007

Tanzmusik und Tralala - 15. Juni 2007

Der Don spielt einen Abend lang Musik mit sehr viel Groove drin. Jede Menge Boogie, ein bisschen Disco und andere sehr gute Rhythmus-Lieder. Als spezieller Gast ist Frl. W. dabei, die bekanntlich ein sicheres Händchen für feine Electro-Licks und erste Sahne Schüttel-Pop hat. Wer dazu tanzt, wird den Rest seines Lebens glücklicher sein, jeden Tag im Lotto gewinnen und sich nie wieder schlechte Platten kaufen. Groove On Down!

Tanzmusik und Tralala
Gute Rhythmus-Lieder mit dem Don
Spezieller Gast: Frl. W.
Freitag, 15. Juni 2007
Ab 21.30 Uhr in der Goldkante

Sonntag, Juni 10, 2007

Tigercity

Was passiert eigentlich, wenn man den ganzen Tag Musik von Talking Heads, Daft Punk, The Cars, Prefab Sprout, Earth Wind & Fire, Roxy Music, Kraftwerk, Steely Dan und Hall & Oates auf sich wirken lässt, dann das Falsett in Höhen schraubt, in denen selbst so Berufs-Kieksern wie den Scissor Sisters oder Mika der Atem stockt und dann auch noch in der Lage ist, Pop-Songs zu schreiben, die so klingen, als hätte man von '86 bis '88 nichts anderes hören wollen? Dann kommt so ein charmant-teuflischer Ohrwurm wie "Other Girls" von Tigercity dabei raus. Tigercity kommen aus Brooklyn, sind zu viert und machen seit 2004 Musik. Aber sowas interessiert ja höchstens mich und Leute, die tatsächlich noch ab und zu den Musikexpress lesen. Viel wichtiger ist natürlich, dass ich endlich meinen Sommerhit gefunden habe, als ich die Hoffnung darauf fast schon aufgegeben wollte. Heißer Scheiß! Bitte unbedingt reinhören.

Samstag, Juni 02, 2007

Raise The Roof

Raise The Roof

Freitag, Juni 01, 2007

Planet Earth und so

FIRST SINGLE FROM "PLANET EARTH," PRINCE’S NEW UNRELEASED ALBUM, AVAILABLE Now – FREE and exclusively – from verizon wireless. - via.

Ganz ehrlich: Mir geht es auf den Sack, dass der Künstler nicht mehr zu seinem Publikum, sondern das Publikum zum Künstler kommen soll. Mir geht es auf den Sack, wenn ich irgendeine drahtlose Verbindung eingehen muss, um die neue Single vom Künstler hören zu können. Mir ging schon das Elvis-Las-Vegas-Gehabe vom Künstler auf den Sack, aber vor allem ärgert es mich zu sehen, wie der Künstler immer weniger als Musiker und immer mehr als Geschäftsmann auftritt. Schließlich gehe ich mir selber am meisten auf den Sack, weil ich das Porträt des Künstlers als alter Mann wohl zu sehr als Dorian-Gray- Bildnis zeichne, gleich noch die "Sign O' The Times auflege und nach dem "Vor-zwanzig-Jahren -war-alles-Besser"- Gejammere, das mir dabei ganz sicher durchs Gemüt saust, so vergeblich schlagen werde wie nach jener dicken lästigen Fliege, die mich neulich beim Stuhlgang so genervt hat.

Mittwoch, Mai 30, 2007

Massive Attack - Blue Lines (1991)

Ich schicke voraus, dass ich diese Platte erst ein Jahr nach ihrem Erscheinen entdeckt habe. 1992 – eine Zeit, in der ich noch von einem Werdegang auf den Spuren von John Peel und Alan Bangs träumte und in meiner Geburtsstadt Radiosendungen mit ulkigen Titeln produzierte. Als es zu irgendeiner dieser Sendungen mal wieder um die Musikauswahl ging, warf irgendjemand „Blue Lines“ von Massive Attack auf den Tisch. Das nüchterne Cover-Design weckte meine Neugier auf diese mir bis dato völlig unbekannte Band, also rein damit in den CD-Player. Was dann passierte, hat vielleicht nicht mein Leben verändert, aber tiefe Abdrücke hinterlassen, die heute noch zu sehen sind. Mir hat nicht so sehr die Musik an sich den Atem geraubt – die ich beim ersten Hören ohnehin nicht in ihrer gesamten Kraft verstanden habe –, sondern die Ungeheuerlichkeit, dass hier etwas geschaffen wurde, das es eigentlich nicht geben konnte. Die drei vier Musik-Seelen, die bis zu jenem Moment autark in meiner Brust schlugen, hatten sich auf dieser Platte heimlich getroffen, um gemeinsam einen neuen Sound zu erfinden. Ein Sound, der für meinen kompletten damaligen Klang-Kosmos, für charmenten Pop, krude Samples, ruppigen Rap und William DeVaughn gleichermaßen Platz hatte. Der Emotionen einzufangen verstand, von deren Existenz mir vorher niemand etwas berichtet hatte. Da gab es düstere Geborgenheit (Safe From Harm), gelangweilte Liebesschwere (One Love) und eines der besten Cover aller Zeiten und der nächsten 63 Äonen (Be Thankful For What You’ve Got – Und jetzt alle: Diamond in the back, sunroof top / Diggin' the scene with a gangsta lean). Über „Unfinished Sympathy“ haben sich vermutlich schon Myriaden von Musikjournalisten die Finger wund geschrieben. Wohl, weil auch hier mit lässiger Geste scheinbar gegensätzliche Bewegungen in eine Richtung gelenkt werden und ein warmer Streicher-Teppich sicher die auf ihm herumzappelnden Rhythmen übers Arrangement trägt. Für mich ist „Unfinished Sympathy“ übrigens undenkbar ohne den schnittlosen Übergang ins massige „Daydreaming“, so wie es als symbiotisches Ganzes auch untrennbar zum schnittlosen Video gehört. Bitte einmal klicken und ausgiebig seiner Schönheit huldigen.

Donnerstag, Mai 24, 2007

Blumfeld – Bochum – 17. Mai 2007


Wo kommen all die grauen Herren her?
Ich schau nach vorne auf den Typ,
Er segnet und er kann nicht mehr
Wo ist der blonde Jochen ill?
Ich weiß nicht, warum ich lebe,
Nur, dass ich nicht pfeifen will.
Da steht er nun und sieht unten die Menschen
Und fragt sich wohl, was kann ich tun?
Ich kanns nicht fassen
Er kanns nicht lassen,
Noch auch die letzte Schrulle als ein Stück vom Selbst zu sehen.

Wo kommen all die lauten Gröler her?
Der ganze Mob dreht sich im Kreis
Ich seh mich um und will auch noch mehr
Wann geht die weiße Lampe an?
Arbeit morgen, Schlafengehen,
Mensch, Jochen! Das macht jetzt keinen Sinn!
Dann steh ich auf und gehe bald nach Hause
Und frage mich, was soll ich tun
Ich will mich hassen
Und kanns nicht lassen
In allen Blumfeld-Platten immer auch mich selbst zu sehen.

Freitag, Mai 18, 2007

Kathy Diamond - Miss Diamond To You

Heißer Anwärter auf die Tanzplatte des Jahres. Hat den Spirit von Disco, die Tiefe von House und die Sprödikgeit von New York Noise. Kathys toughe Stimme schmiegt sich perfekt in die sichere Hand von Maurice Fulton, die mal wieder an den richtigen Reglern gedreht hat. Die außergewöhnliche Produktion vertraut voll und ganz auf wumpernde Bässe, die so ziemlich jedem Stück einen treibenden Unterbau verpassen und in ihrer Minimalistik stark an den frühen Knochenfunk von ESG erinnern. "Between The Lines", "The Moment", "Another Life" und vor allem "All Woman" sind die Club-Hits, die George Clinton zwar niemals mehr schreiben wird, die ich aber ab sofort im Standardrepertoire eines jeden Disco-DJs hören möchte. Imperativ: Halt's Maul, ich will tanzen!

Mittwoch, Mai 09, 2007

21 Nights In London

Sogar im Orangennetz hat es sich schon herumgesprochen: Prince wird 21 Nächte lang in London spielen. Sonst nirgends in Europa, jedenfalls nicht in diesem Jahr. Das ist dann bestimmt ein Rekord oder so und die wohl monozentristischste "Tour" aller Zeiten. Las Vegas oder London, Hauptsache Monetarien. Man mag sich (ein weiteres Mal) fragen, ob Prince nun komplett durchgedreht ist. Meiner Meinung nach hat er, im Gegenteil, mal wieder bewiesen, dass er ein cleverer Marketing-Fuchs ist, der sich effektvoll in Szene zu setzen weiß. Ich gehe aber trotzdem nicht hin, sondern rufe statt dessen an dieser Stelle zur ent-globalisierten Gegenoffensive auf: Unter dem Banner von "One Nite In Wattenscheid" mögen sich all jene eintragen, die Prince nicht in Britannien, sondern vor der eigenen Haustür sehen wollen. Sollten mehr als 3121 Unterschriften zusammenkommen, werde ich diese in Form einer Petition und mit breiter Rückendeckung von "Nur Die Guten" an den Meister persönlich weitergeben. Machen wir ihm also ein Angebot, das er nicht ablehnen kann! http://www.3121.com/

Samstag, Mai 05, 2007

World Party - Goodbye Jumbo (1990)

Mit dieser Platte fingen für mich die 90er an. Ich meine das völlig ernst. Nicht ein Erinnerungsversatzstück aus der eigenen Biographie, nicht irgendeine Abi-Anekdote, ja nicht einmal ein Mädchen steht am Anfang jenes Jahrzehnts. Es war diese Platte. Die erste, die mir seinerzeit wirklich etwas bedeutet hat. „World Party“ hieß das Soloprojekt von Karl Wallinger, auf das ich nur deswegen gestoßen bin, weil ich mit 18/19 noch ein kleines bisschen Hippie war und die Waterboys sehr mochte. „When The Rainbow Comes“ lief in irgendeiner 90er-Nacht im Radio – das erste Stück, das von „Goodbye Jumbo“ an mein Ohr drang (seither haben Lieder, die eingefadet werden, bekanntlich bei mir einen Stein im Brett). Sollte ich in diesem Leben noch mal eine Radiosendung produzieren, so werde ich „When The Rainbow Comes“ in Dauerrotation spielen. Am liebsten würde ich ja jeden, der das hier liest ans Bett fesseln und vor die Wahl stellen entweder sofort Sex mit mir zu haben oder sich fünfmal hintereinander „When The Rainbow Comes“ anzuhören. Zumindest letzteres würde er nicht bereuen (warum schreibe ich hier eigentlich immer „er“?). Wobei ich in meiner Schwärmerei mal wieder ungerecht urteile, denn jedes einzelne Stück auf „Goodbye Jumbo“ ist ein Ereignis (dies scheint mit den 90ern verloren gegangen: allein schon „Album“ als Konzept wirkt nunmehr obsolet, ganz zu schweigen von dem Anspruch, sich mit ausnahmslos jedem Song der Ewigkeit empfehlen zu wollen – der Popsong im Zeitalter seiner uneingeschränkten Verfügbarkeit). Der fiebrige Einstieg mit „Is It Too Late?“, die Riesenhits und Urahnen des Brit-Pops „Way Down Now“ und „Put The Message In The Box“, das in anmutiger Larmoyanz zerfließende „Ain’t Gonna Come Til I’m Ready“ oder die tatsächlich etwas hippieske Hymnik von „Take It Up“. Jeder Track ein Volltreffer! Ach ja, wer glaubt, er hätte noch nie was von Karl Wallinger gehört, der durchforste mal die heimische Sammlung nach Robbies „She’s The One“. Im Original auf World Partys „Egyptology“ zu finden. Und wer sich jetzt nicht sofort nach „Goodbye Jumbo“ die Finger wundgoogelt, wikipediert oder soulseekt, bis die Polizei kommt, der soll auf ewig verflucht sein und bis zum Ende aller Tage nur noch Platten von Damon Albarn vorgespielt bekommen.

Samstag, April 28, 2007

Feist - The Reminder

Lesli Landoki wird wohl nie wieder auflegen - Leslie Feist wird hoffentlich auf ewig Platten machen. Und mit ihren ungezählten Gastauftritten - Broken Social Scene, Mocky, Peaches usw. - die Komplettisten dieser Welt auf Trab halten. "Let It Die" hatte seinerzeit den Werbespothit und ein launig-lustiges Bee-Gees-Cover, The Reminder wartet dagegen mit den charmanteren Videos auf. "Kann die Frau eigentlich alles?" - fragt man sich angesichts genreübergreifender Versiertheit im Gesang und Vielschichtigkeit in den Kompositionen. Zumindest kann diese Stimme alle möglichen Stimmungen einfangen, allen voran die der sinnlichen Sadness - so gehört in dem rührenden "So Sorry". Wenige andere Künstler hätten sich getraut, so ein Stück als Einstieg zu wählen. Und nur noch Sophie Ellis Bextor kriegt so eine aparte Eleganz beim One-Two-Three-Four-Handclapping hin. Aber seht und hört selbst.

Freitag, April 20, 2007

D'Angelo - Really Love

Neues vom Meister des Repititiven. Hat ja auch lang genug gedauert. Bei D'Angelo ist der Song nichts und das Arrangement alles. Gesang, Text, Licks, alles nimmt sich zurück, um den Groove so unwiderstehlich wie möglich aussehen zu lassen. Ich schätze, D'Angelo braucht für seine Platten ewig, weil er so lange an einem Rhythmus herumprogrammiert bis er absolut natürlich und aus sich selbst geboren klingt. So als wäre er auf der Suche nach einem Beweis für Autopoiesis in der Musik. Mit "Really Love" ist er nahe dran. Ich freue mich auf mehr.

Dienstag, April 17, 2007

Tied To The 90's

Um die Guten-Seite nicht völlig zu vernachlässigen und um mich selber unter Schreibdruck zu setzen, kündige ich hiermit die Einführung der neuen Rubrik "Tied To The 90's" an. Darin werde ich in unregelmäßigen Abständen (ha ha, der eigenen Faulheit also doch noch ein Hintertürchen aufgelassen!) die zehn besten Alben der 90er vorstellen. Also von 1990 bis 1999 nur die Guten. Oder so ähnlich. Ich weiß übrigens selber noch nicht so genau, welche Alben das eigentlich sein sollen. Muss ich mir mal Gedanken zu machen. Das Album des Jahres 1990 hab ich aber schon, lasst Euch überraschen. Derweil könnte Frl. W. hier ja mal wieder was schreiben.

Freitag, April 06, 2007

1967 – Pop – 2007

31. März 2007. Im Zwischenfall zuletzt 89 oder 90 gewesen. Damals immer nur wegen der Gruftie-Mädchen in Strapsen hingegangen, wegen der Musik, die mich nicht die Bohne interessiert hat, bestimmt nicht. Kaum eine Erinnerung daran gerettet. Heute also die Pop 2007. Als Don über die Gästeliste rein und gleich hoch. Nachdem der Saal sich gefüllt hat, spricht Mike Litt einleitende Worte und erzählt was von „bester Band der Welt aus Hamburg“. Mike Litt ist zwar ein großer Sympathieträger, aber diese Aussage kann er so nicht gewollt haben. Denn die Lehmitz Hausband eiert musikalisch irgendwo zwischen Die Happy und Suderwicher Schweineball herum. Das ist viel gruseliger als die Gruftie-Mädchen in Strapsen, die ich spätestens an dieser Stelle zu vermissen beginne. Jürgen Boebers-Süßmann liest als erster aus „Skandal im Sperrbezirk“, was klingt wie die passenden WAZ-Artikel zur Lehmitz Hausband. Die sollten sich mal zusammentun. Mir kommt Canettis „Masse und Macht“ in den Sinn, der Zustand der Entladung als befreiender Akt, als das Publikum unvermittelt die „Dallas“-Titelmelodie oder irgendwelche Gassenhauer aus den 70ern anstimmt. Dazwischen haut die Lehmitz Hausband immer wieder auch die leisesten Anflüge von Subkultur-Gefühlen gnadenlos zu Schrott. Zweiter Leser ist der zauselige Klaus Fiehe. Seine Radiostimme und die brillanten Fauser-Texte sind der erste Lichtblick an diesem Abend. LEBENdIGITAL fand ich nicht so schlecht wie manch anderer (und allemal besser als die „Hausband“). Ihre Videoprojektionen bekommen von mir das Prädikat „durchaus sehenswert“. Als schließlich der körperlich sichtlich angeschlagene Wolfgang Welt mit seinem Beutel auf die Bühne tritt, wirkt es, als hätte er seine Texte eben erst bei Aldi eingekauft. Als kinky Kronzeuge der verschwendeten Jugend seiner Zuhörerschaft sollte er uns an diesem Abend historische Sätze wie „schon halb drei und immer noch nix zu ficken“ oder „damals durfte man noch Neger sagen“ ins kollektive Gedächtnis meißeln. Dabei setzt er seinen phlegmatischen Bewegungen ein unglaubliches Lesetempo entgegen. Mindestens jeder dritte Satz wird von ihm zernuschelt, und gerade das ist seine Marke, wäre es anders, hätte es nicht halb so viel Unterhaltungswert. Welt geht durch seinen Tunnel am Ende des Lichts und schafft leider nur zwei als zu kurz empfundene Lesungen. Danach kündigt Mike Litt an, die „Hausband“ würde nun endlich mal durchspielen, womit er den Stöpsel aus der Wanne zieht und die Gäste mit dem Strudel nach unten rutschen. Henry boxt im TV um Millionen, Klaus Fiehe verstört die Gäste mit elitärem Folk-Einstieg und obskurem Zeitlupen-Dancehall, eine Stunde lang seiner Zeit voraus. Mike Litt ist zu guter Letzt besoffen genug, um dem Mob doch noch Stonsche Satisfaction zu geben. Hört nicht immer denselben Scheiß, denke ich, bevor es nach Hause geht. Zurück zu „Ficken, Musik und Arbeit“. Um mehr geht’s halt nicht. Diese Erkenntnis auszuhalten, ist nicht leicht, doch es gelingt an diesem Abend der gelebten Extreme. Bitte mehr davon.

Mittwoch, März 28, 2007

Out Of The Woods

Seit heute liegt es also – einen Tag vor dem offiziellen Release in Deutschland, Import sei Dank – auf meinem Plattenteller. Das sehnlichst erwartete neue Album von Tracey Thorn. Kribbelige Spannung rieselte mir durch Daumen und Zeigefinger, als ich die Nadel in die Rille setzte. Es fällt mir schwer, diesen Moment nicht als „erhaben“ zu idealisieren, sei’s drum, all die Tonnen verschlungener Musik haben meine Sinneswahrnehmungen jedenfalls nicht abstumpfen können. „Here It Comes Again“ gab es ja bereits als Kostprobe auf Myspace zu hören, ein ungewöhnlich verhaltener Einstieg, der klingt, als sei er in einer Kapelle mit hohen Decken aufgenommen worden. Darauf folgt „A-Z", im Tempo nur wenig schneller und mit geheimnisvollem in die Jetztzeit gerettetem 80er-Synthiemotiv. An der 80er Richtschnur hangelt sich auch Singleauskoppelung „It’s All True“ entlang (übrigens mitgeschrieben und -produziert von keinem Geringeren als Metro Areas Darshan Jesrani), auch diese jedoch nicht ein bloßes Retro-Statement, sondern als geschichts- und selbstbewusste Unabhängigkeitserklärung vorgetragen. Über jedes einzelne Lied könnte ich einen kleinen Roman schreiben, ich beschränke mich auf kurze Spotlights: das gefällige „Falling Of A Log“ wird auch euch nicht mehr loslassen, habt ihr es erst einmal gehört; dann mein persönlicher Überhit und demnächst hoffentlich als Single zum Remixen zu haben: „Grand Canyon“ (bitte einmal am Tag Huldigungsverbeugungen in Richtung Portugal für Alex Santos); wie schafft Tracey es eigentlich immer wieder aufs Neue, die Standards für traurige Verlustgeschichten neu zu definieren? „By Piccadilly Station I Sit Down And Wait“ zeigt, wie man das macht. Und schließlich doch ein zuversichtlicher Ausblick in „Raise The Roof“, das Tracey selbst als „a kind of shimmery piece of Scritti Politti-style pop“ treffend beschreibt. Hat hier irgendjemand tatsächlich eine objektive Kritik erwartet? Der hat sie doch nicht alle.

Dienstag, März 20, 2007

Chronicles Of Every Diva - Köln - 14. März 2007

Die anfängliche Unentschlossenheit überwunden, das teure Ticket in der Tasche und dann doch wieder Skepsis beim Betreten des Yard Clubs. Denn die tollen Diven will niemand sehen. Vom E-Werk direkt in dieses kleine Kabuff verlegt, nicht einmal für die benachbarte Kantine haben die Ticketverkäufe gereicht. Noch tiefer werden die Furchen in meiner Stirn angesichts des aufgeschlagenen Publikums: Vor mir in vorderster Reihe ein Menorca-Urlaubspärchen, das locker als meine Eltern durchgehen würde. Ein Blick über die Reihen hinter mir bestätigt alle Befürchtungen: Wer hier hingekommen ist, hat „The Glamorous Life“ seinerzeit mit Mitte Zwanzig gekauft. Hör auf zu meckern, Don. Eng ist es hier und heiß. Um kurz nach 21 Uhr ebnet sich ein breitschultriger Security-Typ mit böse-einschüchterndem Bulldoggenblick den Weg durch die Menge bis zur Treppe, die auf die winzige Bühne führt. Die Diven müssen sich in Ermangelung eines Backstage-Raums ihren Weg von der Damentoilette durch die Menge bis zu ihren Instrumenten bahnen. Mit den alten Heldinnen auf Tuchfühlung. Rhonda Smith, Kat Dyson, Cassandra O’Neil und schließlich Sheila herself stellen sich in einer Reihe auf. Sheila ist zusammen mit ihrem Publikum sichtlich gealtert, kann sich aber immer noch ohne lächerlich zu wirken in einen atemberaubend knappen Rock zwängen. Sie schaut ein wenig schlecht gelaunt drein. Ein „Chronicles Of Every Diva“-Solo wird kurz angestimmt, dann macht Sheila das, was sie sicherlich am besten kann, sie setzt sich hinter ihr Schlagzeug und haut alles kurz und klein, was immer sich ihr aus der langen Geschichte von Soul, Latin und Funk in den Weg stellt. So drischt sie auf uns ein, wir wollen das so und freuen uns, dass wir nach der langen Zeit endlich mal wieder ordentlich verhauen werden. Die anderen Gespielinnen dürfen natürlich auch zeigen, was sie können, bekommen ausgiebige Soli, wobei jeder Griff und jede Note so tight sitzen wie die Strumpfhosen, die sie an den Beinen tragen. Größte Sensation des Abends ist zweifelsohne Special Guest Candy Dulfer. Ihr „Sax-A-Go-Go“ bringt die alternden Knochen im Saal zum klappern, dass es eine Wonne ist. Von nun an bleibt alles in Bewegung, ein Knüller folgt dem nächsten, auch die neuen Songs des noch nicht veröffentlichten COED-Albums überraschen positiv. Dann die Zugabe, auf die alle gewartet haben: The Glamorous Life mit einer Beserker-Sheila, die im stehen ihre Percussions malträtiert. Das war’s dann aber auch. Eineinhalb Stunden Konzert war mir viel zu kurz. Und auf Shakira nebenan in der Kantinen-Disco hatte ich keine Lust. Meine Hüften lügen nämlich nicht, sie schmerzen ein bisschen. Also ging es gleich heim mit der Hoffnung, bis zum nächsten Sheila-Konzert nicht noch einmal 18 Jahre warten zu müssen...

Freitag, März 16, 2007

Pop! Goes My Heart

Auch wenn die Feuilleton-feste Leserschaft dieser Seite die gepuderte Nase rümpfen wird: Über Hugh Grant und Drew Barrymore in "Music & Lyrics" kann man herzlich lachen, wenn man will. Sicher, der ein oder andere Gag liegt etwas flach, das Happy End ist abgedroschen und allein die deutsche Titelwahl ("Mitten ins Herz - Ein Song für Dich") ziemlich daneben. Wenn es aber schon mal Zuckerwattekino sein soll, dann bitte so etwas. Und bitte mehr unglaublich lustige Wham!-Verarsche-Videos (aus unerfindlichen Gründen funktioniert das Einbinden aus Youtube gerade nicht, also bitte rüberklicken). Ich werde dann mal den Pop!-Hüftschwung üben und ihn beim nächsten Discobesuch vor größerem Publikum zum besten geben.

Mittwoch, März 14, 2007

Sound Of Silver

"Losing My Edge" - Das war seinerzeit das Manifest des ortlosen Alt-Hipsters: Mit jenseits der Dreißig längst zu uncool für feuchte Mädchenschlüpferträume, mit einer Haltung wiederum zu nerdig, um als Produzent von Britney in Frage zu kommen. James Murphy dropte all die Namen bevor es jemand anders tat, sprang mitten rein in den Zyklon der eigenen Zerfaserung an den Rändern der Subkultur, wohl wissend, dass die „Kids From Behind“ schon darauf warteten, ihn abzulösen. Aber er, der Hipster, war dabei, hat alles schon gesehen, vor allen anderen, und eigentlich seien die „better-looking people with better ideas and more talent“ ja auch wirklich nett. James Murphy hat nun erneut bewiesen, dass er ein kluger Mann ist: Er weiß um das große Dilemma, mit dem das Pop-Produkt nicht erst seit Web 2.0. zu kämpfen hat: Seine immer gieriger zehrende Vergänglichkeit durch die Diskursgewalt von Tauschbörsen. Warum also das neue Album von LCD Soundsystem nicht gleich komplett bei Myspace reinstellen? Warum also nicht schon mal Remixe raushauen, noch bevor man „Sound Of Silver“ offiziell im Laden kaufen kann? Und damit die Übeholtheit als Prinzip setzen? Ja, James Murphy ist ein kluger Mann. Denn er hat ein Album gemacht, das größer ist als sein Vorgänger. Beängstigend groß. Weiß jemand, ob es noch Karten für das Konzert im Stollwerck gibt?

Mittwoch, März 07, 2007

The Family. Feb. 10, 2007

Reunion-Wahn auch im Prince-Camp. Ihr drittes Konzert in 20 Jahren geben "The Family", jene Band, für deren sagenumwobenes erstes und einziges Album man bei ebay astronomische Beträge zahlen muss (zumindest, wenn man die CD haben möchte) und die ich hier bereits mal, äh, erwähnt hatte. Ein Lied von The Family kennt jeder, der das hier liest: nämlich das Original von "Nothing Compares 2 U". Das "Family"-Album genießt in Fankreisen und inzwischen auch darüber hinaus einen etwas verklärten, aber irgendwie auch berechtigten Kultstatus, vermutlich, weil es besser ist, als vieles, was Prince selbst in letzter Zeit so zustande gebracht hat. Mir altem Sack ging jedenfalls ein kleines bisschen das Herz auf, als ich keinen geringeren als Questlove die einleitenden Worte zur Roots Jam Show sprechen sah und hörte. The Family will auch in Europa touren, ich werde da sein. Myspace

Samstag, März 03, 2007

Grand Canyon...

...und "Here It Comes Again" heißen die beiden Songs, welche man aus Tracey Thorns neuem Soloalbum "Out Of The Woods" nun hören kann. Über zwanzig Jahre sind seit "A Distant Shore" vergangen, fast acht Jahre liegt die Veröffentlichung des letzten EBTG-Albums zurück. Besonders "Grand Canyon" lässt keinen Zweifel, wie schmerzlich ich diese einzigartige Stimme vermisst habe. Niemand sonst bekommt beim Singen diese verführerische Traurigkeit, diese bedingungslose Sehnsucht nach Vergänglichkeit hin. Niemand! Eine eigene, sehr ansprechend inszenierte Webseite hat Tracey nun auch. Ich werde nichts downloaden, ich werde mir "Out Of The Woods" nicht irgendwo besorgen, sondern brav den offiziellen Release abwarten (hier in Deutschland übrigens erst am 30. März, während der Rest der Welt bereits am 5. beglückt wird. Aber nein, ich warte, und strecke hiermit einen dicken FUCK-Finger in Richtung Virgin Germany aus, ihr seid heiße Anwärter auf Dons Deppen, Arschlecken!). Egal, alles wird gut: "Step Out Of The Woods Into The Light / Everybody Loves You Here". Man möge außerdem Traceys Aufforderung nachkommen: "go on, buy a copy, if only to keep Razorlight at a safe distance from the charts". Amen.

Freitag, März 02, 2007

Cold War Kids – Tell Me In The Morning

Während das neue Maximo Park-Album ziemlich „lame“ (so die aktuell meistgebrauchte Pejoration im Musikjournalisten-Jargon) klingt, zeigen die Cold War Kids wie man echte Hits schreibt. Andernorts liest man zwar, es handele sich bei „Robbers & Cowards“ um ein „sperrige[s] Album“, das ist natürlich nicht falsch, aber es gilt ganz sicher nicht für Knaller wie „Hang Me Up To Dry“, „Red Wine, Success!“ oder eben „Tell Me In The Morning“. Nathan Willetts leicht hysterischer Gesang, ein geradezu weihevoller Refrain und ein komplexes, aber durchaus tanzbares Rhythmus-Gefüge machen Letztgenanntes zum Lied für den großen Augenblick. „Tell Me In The Morning“ wird vermutlich nicht so ein Indiesco-Durchstarter wie seinerseits „Apply Some Pressure“ oder „Going Missing“, aber das ist vielleicht auch besser so. Bleibt die Hoffnung größer, auch das Folgealbum zu „Robbers & Cowards“ möge was hergeben. Reinhören.

Freitag, Februar 23, 2007

Common – Be (Intro)

Scheinbar gedankenlos zupft ein akustischer Bass an einer Jazz-Improvisation herum. Aus der zunächst losen Folge von Anschlägen schält sich langsam Sinn heraus, ein Thema aus vier Noten ist geboren, wird zur Melodie, die Melodie wiederum steigert ihre Anspannung durch Wiederholung, und dann, auf dem Höhepunkt, rums, fällt dieses unglaubliche Sample aus „Mother Nature“ von Albert Jones über alles her, die Brust im neuen Groove-Panzer ganz weit rausgestreckt. Commons sechstes Album aus dem Jahre 2005 beginnt mit einem Geniestreich – und zugleich mit einer hingerotzten Unverschämtheit! Denn der „chosen one from the land of the frozen sun“ lässt mitten im Intro alles stehen und liegen und schert sich einen Dreck darum, dass andere aus diesen vielleicht zwei Minuten Überwältigung ein ganzes Musikerleben bestritten hätten. Das Lied ist viel zu kurz, verdammt noch mal! Common verzichtet auf die Hip-Hop-Hymne, die er mit links hätte erschaffen können, und unterwirft sich der simplen Logik, die ihm der Titel vorgibt: The present is a gift and I just wanna BE. Reinhören.

Freitag, Februar 16, 2007

Stranger Than Fiction

Es ist der Schriftsteller, der seinen Stoff (er)findet und seine fiktiven Figuren ins Leben holt. Sollte man meinen. Doch was, wenn es den Protagonisten des kurz vor der Vollendung stehenden Romans tatsächlich gibt, wenn sein unspektakulär daherplätscherndes Leben nicht etwa eine originäre Schöpfung, sondern real ist? Und eine Stimme in seinem Kopf, die Stimme der Autorin, ihm obendrein ankündigt, von seinem Tod erzählen zu wollen? Dann muss die Figur ihre Schöpferin finden, um das Schlimmste zu verhindern; dann sind die Grenzen zwischen fiktiver und realer Welt völlig offen und nur ein Film kann solch eine Situation noch retten, wenn sich daran eine wunderbar verzwickte Komödie aufhängt. Wobei die Kategorie „Komödie“ zu kurz greift. Stranger Than Fiction ist mehr, viel mehr. Tiefe wird erzeugt, indem üblicherweise der Literatur(deutung) vorbehaltene Fragen eine ironische Brechung mit filmischen Mitteln erfahren. Oder anders gesagt: Die Aufgaben, mit denen wir im Deutschunterricht früher gequält wurden, sind hier ad absurdum geführt und produzieren dadurch subtile Lacher (die Beziehung des Erzählers zu seiner Figur, die Analyse des Handlungsverlaufs, schreiben Sie ein alternatives Ende!). Stark auch das erstklassige Schauspieler-Ensemble und eine geschmackssicher ausgewählte Musik. Sogar das Happy End ist eine Bereicherung. „Stranger Than Fiction“ macht den Zuschauer im besten Sinne besoffen und ein kleines bisschen glücklicher. Nur zwei Wünsche hat er bei mir offen gelassen: Ich hätte gerne eine Nacht mit Maggie Gyllenhaal verbracht und außerdem den Song „The Book I Write“ von den großartigen Spoon noch einmal gehört. Na ja, zumindest Letzteres kann auf die Schnelle erfüllt werden.

Montag, Februar 12, 2007

The Decemberists – The Crane Wife

„And I am nothing of a builder / But here I dreamt I was an architect / And I built this balustrade / To keep you home, to keep you safe / From the outside world“. Mit diesen Worten tauchten The Decemberists vor ein paar Jahren an meinem Aufmerksamkeitshorizont auf – und sind seither dort geblieben: Immer etwas zu weit weg, um sie richtig sehen zu können, aber immer auch unbestimmt präsent. Gestern bekam ich „The Crane Wife“ in die Finger und habe beim Dauerrotationshören festgestellt, wie sich die Band inzwischen kaum einen Zentimeter bewegt hat, ich jedoch mit Riesenschritten auf sie zugegangen bin. „And I will hang my head, hang my head low“ heißt es zu Beginn in "The Crane Wife 3", und trotz dieses Knacks im Leben schlenkert die Musik so unerschrocken unbeschwert daher, dass man auch dann bei ihr bleibt, wenn Colin Meloy sich zwischendurch in ausschweifenden Folk-Epen zu verhaspeln droht. Schließlich hat man noch den „Summersong“, „O Valencia!“ oder „The Perfect Crime 2“ – Lieder, die alles andere verzeihen lassen, leise Hits ohne Hype (und dass die Abfolge der Crane-Wife-Teile bewusst durcheinander gewürfelt wurde, finde ich sehr sympathisch). Heute Abend spielen The Decemberists im Kölner Prime Club. Ich wäre gerne dort gewesen. So oder so bin ich froh, sie mal wieder getroffen haben. Reinhören.

Dienstag, Februar 06, 2007

Come Wander With Me

Ich weiß, ich sollte hier endlich mal wieder was schreiben. In den zwei Wochen meiner Abwesenheit sind mir ca. 10 halbe Texte eingefallen, von denen ich mindestens die Hälfte komplett wieder vergessen habe. Vielleicht werde ich was davon doch noch für die Nachwelt retten können, wer kann das schon sagen. Was mir aber trotz Schreibfaulheit und Ablenkung durch Dinge, die mich im Moment mehr beschäftigen, zum Glück nicht abhanden gekommen ist: Die Fähigkeit, mich vom Fleck weg unsterblich in Lieder zu verlieben. Hier eine kleine Filmsequenz aus der amerikanischen Fernsehserie "The Twilight Zone" aus dem Jahre 1964. Bonnie Beecher, übrigens seinerzeit mal Ex-Girlfriend vom ollen Dylan, singt "Come Wander With Me". Geschrieben hat das Lied Jeff Alexander. Es ist auf der einen oder anderen Sammlung in voller Länge zu finden und einfach nur seufz.

Dienstag, Januar 23, 2007

Wolke / Kristofer Aström / Maria Taylor am 19.01.2007 in Essen

Freitagabend. Wahrscheinlich sind es mal wieder die Hormone, die mir zu schaffen machen: sensibel, empfindlich, gereizt. Irgendwann sitze ich in diesem Kinderkino im JZE und warte auf die Dinge, die da kommen. Zuerst kommen Wolke und ich werde ruhiger, lehne mich zurück und schließe die Augen. Ich liebe die Stimme vom Wolke-Sänger, aber sehe ich ihn da auf der Bühne stehen, muss ich lachen: Er ist immer gut gekleidet, ich möchte sagen lässig-elegant und wahrscheinlich in den angesagten Marken, aber er sieht dabei so unsicher aus, weiß manchmal nicht wohin mit seinen Händen und mit den Füßen, dabei ist die Musik so schön und würde für sich selbst sprechen, säße er einfach auf einem Hocker und ließe das Entertainen sein. Dennoch bin ich einmal mehr gerührt und dann holt er zunächst Herrn Aström auf die Bühne, der ihn bei der Queen-Adaption „Ich will mich befreien“ unterstützt, und später singt Frau Taylor mit ihm „Wir werden immer jünger“. Ich schmelze dahin. Nach einer kurzen Pause steigt Kristofer Aström mit seiner Gitarre auf die Bühne. Seine Lieder klingen ein bisschen nach weiten Landschaften, Wut, Trauer und Verzweiflung. Mein Englisch ist schlecht, aber manchmal erzählen einem auch die Töne, um was es geht. Ein paar ältere Sachen kenne ich und die lassen kleine Filme vor meinen Augen ablaufen, von Mixtapes und Autofahrten. Kristofer erzählt vom Trinken und ein Glas Wein steht immer griffbereit. Auch er bittet seine Kollegen Maria und Oliver zu sich auf die Bühne und ich seufze ergriffen.

Maria Taylor macht zusammen mit ihrem Bruder und einem anderen Herrn den Headliner des Abends und ich glaube, sie fühlt sich ein bisschen sicherer, wenn sie sich hinter ihrer Gitarre verstecken kann. Ihre Stimme ist wunderbar, klar und sicher und ihre Lieder süß, melancholisch und trotzdem bestimmt. Aber man muss zuhören und es braucht Ruhe für diese Musik, und ich bin dankbar für den Rahmen, den das Kinderkino im JZE dafür bietet.

Nach den Zugaben gibt es einen wundervollen Abschied: alle Musiker des Abends stehen gemeinsam auf der Bühne und interpretieren „Time after Time“. Dass sie den Text ablesen müssen, macht das ganze nur unterhaltsamer.

Ein sehr angenehmer Abend. Ich verlasse Essen beschwingt, zufrieden und glücklich. Was will man mehr?

Montag, Januar 22, 2007

Neu auf der guten Seite

"Nur die Guten" mausert sich langsam aber sicher zum Multi-User-Blog. Von nun an ist der Don nicht mehr allein, er hat Verstärkung bekommen vom Frl. W. Endlich wird hier mal nicht immer nur über Prince geschrieben. Und wer weiß, vielleicht wird es in Zukunft noch mehr Menschen geben, welche in schlechten Zeiten die Guten-Botschaft hochhalten möchten.

Freitag, Januar 19, 2007

Jen Gloeckner - Only 1

Myspace nervt: Es hat veraltete Funktionen, es ist virenanfällig, es ist mitunter elendig langsam und sehr oft bekommt man beim Laden der Seiten irgendwelche obskuren Fehlermeldungen. Es bietet jedoch für musikinteressierte Menschen eine ihresgleichen suchende Plattform für die Entdeckung neuer (und alter) Musik. Von der Möglichkeit des Stöberns mache auch ich hin und wieder Gebrauch. Vor einiger Zeit bin ich dabei auf Jen Gloeckner gestoßen (um genau zu sein, ist Jen Gloeckner auf mich gestoßen, so was kann einem bei Myspace nämlich auch passieren). Beim Aufschlagen ihrer Seite lief sofort „Only 1“ los. Es ist schon seltsam: Manchmal braucht Musik viele Anläufe, bis sie es schafft, mich zu begeistern, manchmal reicht eine Note, um die Haare auf meiner Haut in eine senkrechte Position zu manövrieren. Jen Gloeckner hat dies mit stilvoll inszenierter Stille geschafft. Sanfte Pausen, feine Verzögerungen, zarter Gesang – all dies dient der Schaffung von musikalischer Suspense, der zumindest ich mich nicht entziehen kann. Überhaupt der Gesang: Eine Vielstimmigkeit, die in ihrem ätherischen Arrangement stark an die Cocteau Twins erinnert. Was machen die eigentlich gerade? Über deren Insel-Album "Four-Calendar Café" sollte ich auch mal was schreiben.

Donnerstag, Januar 11, 2007

Everything But The Girl

Alle kennen "Missing", doch haben Tracey Thorn und Benn Watt im Laufe der Jahre einen erstaunlichen Entwicklungsgang zurückgelegt, den man nicht auf den einen großen Hit reduzieren sollte. Um mir selbst die Wartezeit auf Taceys Soloalbum zu verkürzen, habe ich nun einen ollen Text von mir aus der Versenkung geholt und ihn für diese Seite ein wenig überarbeitet. Die folgende "Diskographie" ist im Prinzip immer noch aktuell, es hat seither kein neues Everything but the girl-Album gegeben, lediglich eine Remix-Compilation („Adapt Or Die“).


EDEN (1984) - Das frühe Meisterwerk. Traceys Stimme klingt hier noch viel dunkler als auf späteren Platten. Sie hält die damals sehr angesagte melancholische Leichtigkeit aus Pop, Jazz und Swing zusammen. Paradebeispiele dafür (und Höhepunkte der Platte) sind "Each And Everyone" und "Bittersweet".

LOVE NOT MONEY (1985) - Die eher schwache Fortsetzung von Eden. Bis auf "When All's Well" konnte ich diesem Album kaum besondere Momente abgewinnen.

BABY, THE STARS SHINE BRIGHT (1986) - Ein Schritt weg vom nachdenklichen "Ich trinke nachts um 3 Whiskey an der Bar"-Sound, hin zum Angriff auf die Hitparaden. Und dennoch stimmt hier fast alles. "Cross My Heart" und "Come On Home" beweisen das.

IDLEWILD (1988) - "Love Is Here Where I Live" ist zum sterben schön - ein Muss für jedes Tape, mit dem man seine Liebe für den/die EmpfängerIn bekunden möchte. Und auf "The Night I Heard Caruso Sing" beweist Benn Watt, dass auch er singen kann. Dazwischen leider etwas zu viel seichter Plastik-Pop.

THE LANGUAGE OF LIFE (1990) - Mit dieser Platte bin ich im Zwiespalt. Eigentlich ist sie zu glatt, eigentlich sind die Kompositionen zu Nichtssagend - und dennoch lege ich sie immer wieder gerne auf. Muss ich mir Sorgen um mich machen, wenn ich dem simplen, berechnenden Charme von "Driving" und "Take Me" immer wieder erliege? Oder habe ich in jungen Jahren doch zu viele Schnulzen gesehen?

WORLDWIDE (1991) - Das ist der wahre Pop. "Old Friends", "Understanding", "Frozen River" - alles Melodien für Millionen. Zeitloser und kantiger als der Vorgänger und dabei doch auch anmutiger.

ACOUSTIC (1992)- Tracey und Ben unplugged im Studio mit unglaublichen Covern von "Time After Time", Elvis Costellos "Alison" und Tom Waits "Downtown Train". Diese Platte ist nicht mehr so leicht zu bekommen, also unbedingt kaufen, wenn ihr sie seht.

ESSENCE AND RARE 82-92 (1992) - Wie der Titel schon vermuten lässt, schwer ranzukommen bzw. leider sehr teuer. Darum nie gekauft...

AMPLIFIED HEART (1994). Der Klassiker. Jedes Lied geht direkt ins Herz. Wem bei "Two Star" nicht die Tränen kommen, der hat kein Herz, wer bei "Rollercoaster" nicht mitsingen möchte, sollte sich einen Termin beim Arzt geben lassen. Eine weitere Perle ist die Originalversion von "Missing", noch nicht von Tod Terry zum Tanzhit gemixt.

WALKING WOUNDED (1996) - Aus ganz persönlichen Gründen mein Lieblingsalbum. Kein "richtiges" Drum'n'Bass-Album, das aber den besten D&B-Track aller Zeiten zu bieten hat: Before Today. Es vollzieht den letzten Schritt der Band hin zum Club-Act und lässt die Vergangenheit nur noch in den melancholisch-verspielten Melodien erahnen.

TEMPERAMENTAL (1999) – Der gelungene, aber dennoch mit einigen Schwachstellen behaftete Wille, das mit "Missing" und "Walking Wounded" neugierig gewordene Club-Publikum fester an sich zu binden ("Lullaby Of Clubland"). Arschwackelgarantie auf "Five Fathoms" und dem Titellied.


Ebenfalls unvergessen bleiben Traceys Auftritte bei The Style Council (The Paris Match) und Massive Attack (auf Protection). Hier kann man sich in ihre Stimme verlieben, sofern man das nicht schon vorher getan hat. Unbedingt erwähnen solle man auch Traceys Soloalbum (A Distant Shore) und natürlich ihre „erste“ Band, die Marine Girls. Auch von Ben Watt gibt es ein Solo-Frühwerk (North Marine Drive), inzwischen ist er als gefragter DJ unterwegs und Betreiber des Elektro-Labels Buzzin’ Fly.

Samstag, Januar 06, 2007

C.O.E.D.

Sheila E. habe ich zuletzt auf der „Lovesexy“-Tour im September 1988 in der Dortmunder Westfalenhalle live spielen sehen. Am 14. März 2007 wird sie bei der Veranstaltung „Chronicles Of Every Diva“ im Kölner E-Werk auftreten. Allein die achtzehneinhalb Jahre Wartezeit wären ja Grund genug, da mal vorbeizuschauen. Und wenn man dann noch die Namen der anderen für den Abend angekündigten Diven liest – Cassandra O’Neal, Rhonda Smith oder, wow!, Candy Dulfer – so wäre man wohl schön blöd, wenn man sich diese vermutlich einmalige Gelegenheit entgehen lassen würde. Und doch zögere ich: 41,90 € ist ein stolzer Ticketpreis, den ich mir zurzeit eigentlich nicht leisten kann. Außerdem waren die letzten beiden Sheila-E.-Alben „Writes Of Passage“ und „Heaven“, mal ganz ehrlich, sterbenslangweilig (wenn ich noch ehrlicher sein soll, hatte bereits „Sex Cymbal“ anno 1990 nur wenige gute Momente zu bieten, aber das würde ich öffentlich niemals zugeben wollen). Läge meine Motivation zum Besuch des Konzertes also bloß in einem nostalgischen Festhalten an längst vergangene und seither tausendmal verklärte Glücksmomente? Oder darin, dass man als „Fan“ da einfach hinzugehen hat? Oder vielleicht in der Furcht, dass man sich im Nachhinein ärgert, wenn man es nicht tut? Ist es nicht ratsamer, das Geld zurückzuhalten und darauf zu hoffen, dass Prince himself seinen immer dürrer werdenden Hintern in diesem Leben doch noch mal aus Las Vegas rausbekommt und endlich wieder durch Europa tourt? Und sollte ich hier nicht lieber über Musik schreiben, die mich aktuell viel mehr interessiert und berührt?