Mittwoch, Mai 14, 2008

Cruel Summer

Der Sommer beginnt laut Kalender erst im Juni. In der Herner Straße ist es aber jetzt schon sehr sommerlich. Und bei wohligen Temperaturen verliert endlich auch die Musik an Geschwindigkeit. Zärtliche Basstöne schweben im einladenden Raum und etwas später spinnt sich ein erquickender Rhythmus seine Melodie. Der hitzige Lärm der Ausgehzone, wo gerade wieder eine Flasche an einer Mauer zerbirst, scheint fern. In der Goldkante haben die Cocktails eine angenehmere Temperatur! Wir winken rüber zu den freundlichen Nachbarn. Ein geselliger Groove weht heiter durch die Nacht...(Text und Flyer von Tobias K.)

Goldkante
Fr., 16.05.2008
ab 2100 Uhr

Dienstag, Mai 13, 2008

Woog Riots - Pasp

Die deutsch-italienische Freundschaft zwischen Silvana Battisti und Marc Herbert hat eine neue musikalische Wundertüte gebastelt: „pasp“ steht da drauf und mit jedem Stück, das man herausfischt, kommt mal mehr mal weniger kapriziöser Ulk zu den Themen people, animals, society und places zum Vorschein. Da muss sich ein Paul McCartney genauso Ratschläge gefallen lassen (Go! and write a song, don’t love your country) wie der Oktopus Indiskretionen über sein submarines Liebesleben. Über den Islam Punk wird auf Italienisch sinniert, bis der Night Bus einen schließlich zur falschen Seite der Stadt gebracht hat. Und überhaupt: everyone should move into a hotel room! Wie schon auf dem Vorgänger Strangelove TV changieren die Lo-Fi-Eskapaden der Woog Riots zwischen geistreichem Dancepunk und kurzweilig-bunter Gimmicks aus dem Kaugummiautomaten. Dabei haben die Unruhestifter hörbar viel Spaß gehabt. Auf Backstage Lemonade singt übrigens keine Geringere als Kimya Dawson mit. Bitte also nicht über Vergleiche mit den Moldy Peaches oder die immer wieder heraufbeschworene Nachbarschaft zum „Anti-Folk“ wundern. „Tweelectro“ hat das aber offensichtlich noch niemand genannt. Dies sei hiermit nachgereicht. Myspace.

Donnerstag, April 24, 2008

Juvelen

Schon klar, dieses Prince-Ding wird mich nie mehr loslassen. Aber das wird auch kaum jemand, der diese Seite regelmäßig besucht, wirklich erwartet haben, nicht wahr? Bereits vor ein paar Monaten stolperte ich über die Myspace-Seite von Juvelen, namentlich über "They Don't Love You", das mit hysterischem Falsett und spartanischem Arrangement einen Prince-Bastard der obersten Güteklasse abgab. Viel mehr bekam man seinerzeit nicht zu hören und was weitere Infos betraf, so erfuhr man gerade noch, dass Juvelen irgendein Typ aus Stockholm war, der halt Musik macht. In der überbordenden Masse an akustischen Angeboten geriet das Ganze jedenfalls bald in Vergessenheit, bis mir RRR gestern Abend Juvelens Album-Debüt "1", äh, zuspielte. Den Rest kann man sich vermutlich denken: Mit nacktem Oberkörper springe ich wie ein hyperventilierender Flummi durch mein Zimmer, übe zu "Don't Mess" komische Verrenkungen für die nächste Tanzflur-Performance oder versuche bei "Baby When You're Gone" den liebeskranken Crooner zu geben. Wen interessiert schon, ob das länger als ein paar Tage vorhält. Fun ist halt ein Kurbad. Myspace.

Dienstag, April 15, 2008

Prince - A Celebration - Die Flyer




In der Goldkkante hängen sie als Poster, auf meiner Myspace-Seite sind sie auch schon hinterlegt, nur auf der Guten-Seite weiß man von nichts. Das kann natürlich nicht angehen. Hier also die letzten beiden Flyer zur Prince-Party am 7. Juni. Soll mir hinterher niemand vorwerfen, ich hätte nicht vollsten Körpereinsatz gezeigt. Flyer-Design by RRR.

Sonntag, April 06, 2008

Elmore Judd - Insect Funk

Elmore Judd sind eine Bande funky little nerds aus London, die unter der Regie von Frontmann Jesse Hackett und mutmaßlich unter Drogeneinfluss die besten Platten von Sly Stone, George Clinton und Don Van Vliet in den Destillator gepresst haben, um die so gewonnenen Ingredienzien zu einem halluzinogenen Gebräu zu mixen. Auf Insect Funk wimmelt es von sinistren Gestalten, die elektronisches Akkordeon spielen (Pirate Song), während nervös herumkrabbelndes Getier sich die Hörner abstößt (Rats) oder drollige Teufelchen in schallendes Free-Jazz Gelächter ausbrechen (Evil Laughs). Das Füßejucken zwischendurch ist übrigens völlig normal, im Gegenteil, wessen Beine zu Disco In 4 Pieces oder dem Tron Song nicht zu zappeln anfangen, der sollte sich mal wieder gründlich durchchecken lassen. Für tiefe Verbeugungen vor großen Idolen sind Elmore Judd sich ebenfalls nicht zu schade, wobei man zum Snakefinger-Cover Don’t Lie ordentlich griechischen Wein gekippt hat. Und schließlich ist da noch die Single We Float In Time, die einem erbarmungslos ins Ohr kriecht und bereits für heißlaufende DJ-Teller sorgt. André 3000 und all die anderen Checker, cremt euch gut mit Autan ein. Hier kommen die neuen coolen Stecher. Myspace.

Mittwoch, April 02, 2008

Peter & The Wolf - Goldkante - 13.04.08


Keiner Geringeren als Robin Ruth Rauschenberg hat es die Welt (oder zumindest dieses Land) zu verdanken, dass Red Hunter aka Peter & The Wolf sein erstes Deutschland-Konzert in der Bochumer Goldkante geben wird. So kommet zu Hauf, damit ihr irgendwann mal euren Enkelkindern erzählen könnt, ihr habt Peter schon gesehen, als es ihn noch nicht bei Saturn zu kaufen gab.

Mittwoch, März 26, 2008

Tied To The 90's

Ein Zeitalter wird besichtigt: Jenes Jahrzehnt, in dem ein Großteil der die Goldkante regelmäßig Besuchenden noch nicht zu alt für Rave-Partys war, erfährt seine längst überfällige Würdigung. DJ Zisco wirft den Blick zurück und stellt den Filter seiner Brille auf „Pop“: Dabei kommt dann Naheliegendes ins Sichtfeld, etwa Travis, Portishead oder Everything But The Girl, aber auch weiter Entferntes, wie Ani DiFranco oder Smoke City. Man darf mit nostalgisch verklärten Gesichtern rechnen, nicht jedoch mit Holzfäller-Grunge oder Titten-Techno. Auch die Freunde der Musik von Damon Albarn könnten an dem Abend eine Enttäuschung erleben. In den 90ern gab es nun mal musikalische Phänomene, deren Erkundung anderen Veranstaltungen und in der Materie beschlagenen Kompilatoren vorbehalten bleiben sollte. Ansonsten gilt aber das Motto der Love Parade 1994: „The Spirit Makes You Move“.

Freitag, 11. April 2008
Goldkante
Herner Str.13, Bochum
Ab 21:30 Uhr

Mittwoch, März 12, 2008

Reich und Schön – The Miserable Rich


Da spielten also diese beiden hochtalentierten Musiker in Rom auf einer Hochzeit vor handverlesenem Publikum. Überall Aristokraten mit viel Geld. Irgendwie musste man sich ja seine Brötchen verdienen. An jenem Tag fand die Band zu ihrem Namen: The Miserable Rich.

Der Cellist Will Calderbank und Folk-Elektroniker James de Malplaquet hatten zuvor bereits in verschiedenen Projekten und Gefügen aus dem Brightoner „willkommen collective“ zusammengearbeitet, einem Netzwerk aus Bands (z.B. Shoreline), die untereinander im lebendigen (Musiker-)Austausch stehen. In diesem Umfeld erhielten sie die Anregungen und Kontakte, aus denen sich schließlich das musikalische und personelle Profil von The Miserable Rich formen sollte. Komplettiert wurde das Quintett durch Mike Siddell (Violine), Lindsey Oliver (Kontrabass) und Jim Briffett (Gitarre).

Mit ihrer Cover-Version von Hot Chips Over And Over konnten The Miserable Rich über die Wellen von BBC und FM4, also weit über die Kollektiv-Grenzen Brightons hinaus, erstmals auf sich aufmerksam machen. Ihre Interpretation reduziert den Tanzflächen-Hit auf ein intimes Kammerspiel aus grazil gezupften Saiten und entzückendem Gesang und gibt damit die Grundbausteine eines jeden Songs auf ihrem Album 12 Ways To Count vor. Sie selbst nennen das Ganze „The Sound Of One Lip Kissing“ und auch, wenn damit die Sanftmut der Musik adäquat beschrieben sein mag, so ist doch nichts über ihre frappante Wirkung gesagt: Auf Boat Song, Pisshead oder Muswell streichen die Musiker mit ihren Bögen direkt über die Nervenstränge der Wehmut und spielen Melodien, die sich, so reich wie schön, auf leisen Sohlen ins Bewusstsein schleichen. Und die nicht weniger abgeben als den auf ewig nachklingenden Soundtrack zu einer betörenden Liebesnacht. Myspace.

Dienstag, März 04, 2008

Vier gewinnt


Der Bochumer an sich ist ja über die Landesgrenzen hinweg für seine Gastfreundlichkeit berühmt. So laden sich Frl. W. und ihr kinky-sidekick Don Van Zisco für den heutigen Tanzabend gleich zwei Gäste ein: Ihren post-juvenilen Freund und langjährigen stillen Verehrer Christian (aka. DJ Amateurfunk) sowie als special introducing RRRauschenberg, die an ihrem volljuvenilen Einstand in der Goldkante einige famose Platten auf die Teller zaubern wird.

La musique wird abwechslungsreich bis eklektisch, von A wie äthiopischem Jazz über Soul, Funk, Indie und Elektronischem bis zu irgendeiner Musikrichtung, die mit Z anfängt. Wenn’s die gibt, werden wir sie am Start haben. Und wer Musikschubladen ziemlich doof findet, dem sei gesagt: Es wird schöne Musik geben, attraktive Menschen, tolle Gespräche, leckere Drinks und die Ruhrmetropole Bochum wird in ihrem mondänsten Glanz erscheinen. Der Eintritt ist natürlich frei. (Text von DJ Amateurfunk)

8.3.2008 Bochum, Goldkante, 21:00

Mittwoch, Februar 20, 2008

Clara Luzia

Einst war FM4 für mich überlebenswichtig, das Radio aus einer anderen Welt, eine art Ersatzfamilie. Heute ist es mein geliebter Begleiter durch den Arbeitstag.

Seit einigen Wochen fällt dort immer wieder der Name Clara Luzia, es wird auf ein Radiokonzert (FM4 Soundpark Studio2 Session) zusammen mit Francis International Airport hingewiesen und es läuft immer wieder ein Song „Morning Light“, traurig, kraftvoll und wunderschön. Berichte und Interviews des Österreichischen Fernsehens zeigen mir die Person zu dieser Musik: eine zarte Elfe, ein bisschen exotisch mit kurzen dunklen Haaren und großen Augen. Und sie weiss was sie will und vor allem, was sie nicht will. Deshalb ist ihr 2. Album "The Long Memory" schon im letzten Jahr auf ihrem eigenen Label Asinella Records erschienen und wird in Deutschland über unterm durchschnitt vertrieben. Ich hoffe sie kommt bald wieder auf eine Deutschlandtour, die Erste habe ich schon verpasst.

PS: Ganz bezaubernd finde ich auch die Illustrationen von Sadi Güran auf Claras Homepage

Freitag, Februar 15, 2008

Odyssey - Inside Out (1982)

Maybe The Most Beautiful Disco-Song Ever...

Mittwoch, Februar 13, 2008

Keine Fragen offen: Why? – Alopecia

Ein junger Musiker mit ansehnlich voller Haarpracht nennt sein neustes Album "Alopecia"? Es ist wohl einfach nur vorauseilende Ironie, die sich Yoni Wolf, Mastermind von Why? und Mitbegründer des Anticon-Labels hier erlauben wollte. Why? kredenzen eine irre Mischung aus vollmundigen Reimen, die über einen flockigen Folk-Unterbau kollern oder in Zeitlupe gespielten Psycho-Rock, den Yoni Wolf selbst mal treffend als „Chill Metal“ bezeichnet hat. Und dazwischen gibt es immer wieder große Gesten des Pop. Dominantes Element auf Alopecia ist jedoch der Sprechgesang. Die Raps in "Good Friday", "Gnashville" oder "By Torpedo Or Crohn’s" hätten auch bei einem Mocky (dem Why? näher stehen, als man denken sollte) keinen überzeugenderen Flow gehabt. Es kommt also nicht von ungefähr, dass immer wieder gerne die „Indie-Hop“ oder „Folk-Hop“-Schublade aufgemacht wird, wenn von der hier kurzfristig zum Quintett gewachsenen Band aus Cincinatti, Ohio die Rede ist – zu den drei Jungs von Why? haben sich Andrew Broder und Mark Erickson von Fog gesellt. Diese Zusammenarbeit macht Sinn und scheint nur natürlich, denn die Nähe des Anticon-Kollektivs zu den innovativen und ihrerseits richtungweisenden Acts von Ninja Tune oder Big Dada ist auf "Alopecia" nur allzu offensichtlich.

Der Vorab-Download The Hollows hatte bereits bewiesen, dass Eigentümlichkeit und Eingängigkeit einander nicht ausschließen müssen. Ein weiterer Single-Anwärter ist "Fatalist Palmistry", in dem es fast schon programmatisch heißt: But God Put A Song On My Palm That You Can’t Read. Eine Aussage, die sich direkt auf die Musik von Why? beziehen lässt, welche sich überkommenen Grenzziehungen verweigert und etwas Eigenes schafft, das, frei von üblichen Styler-Posen, dem Hörer lässige Statements für die Zukunft in die Hand gibt.

Nach "Elephant Eyelash", dem viel gerühmten Vorgänger aus dem Jahre 2005, hatte man mittlerweile ungeduldig auf einen Nachfolger gehofft. Lange genug vertieb sich Yoni Wolf seine Tage mit Gastauftritten etwa beim Labelkollegen Odd Nosdam oder eben bei der Verwandtschaft von Fog. Die Zeit der kleinen Häppchen ist nun zum Glück vorbei. Das neue Album wird den großen Erwartungen gerecht und hat sie vielleicht sogar noch übertroffen. In jungen Jahren soll Yoni Wolf auf den Straßen und an den Häuserwänden seiner Heimatstadt ein vieldeutiges „Why?“ hinterlassen haben. Heute heißt die Antwort darauf "Alopecia".