Samstag, Oktober 28, 2006

Nur die Guten I - 11. November

Der Don will nur die guten Lieder spielen. Was das denn heißen soll, wurde er von der Dine gefragt. „Na ja“, antwortet der Don, „bestimmt was von Hot Chip, aber vorher ein Lied zum tanzen. Auf jeden Fall aber eine Platte von Larry Levan und schreib mal auf, dass ich die letzte Prince nicht vergessen soll, okay?“ Die Dine erwidert darauf duldsam: „Mach Du mal, derweil stecke ich was von Soffy O., Coloma und The Whitest Boy Alive ein. Ach, und kannst Du mir die Dapayk & Padberg leihen?“ Die Antwort auf diese und alle anderen Fragen gibt es am 11. November in der Goldkante.

Nur die Guten I: Heartswing, Mo(o)ve & Electronica
Mit dem Don und der Dine als speziellen Gast
Samstag, 11. November 2006
Ab 21 Uhr (nur Profis fangen später an)
Goldkante

Montag, Oktober 23, 2006

Pillow - Flowing Seasons

In letzter Zeit höre ich ja nur noch unmännliche Heulsusenmusik. Das muss am Wechsel der Jahreszeiten liegen. Na, wenn das jetzt keine spitzen Überleitung zu "Flowing Seasons“ von Pillow war, weiß ich auch nicht. "Pillow“ heißt das Solo-Projekt von Luca Di Mira, seinerseits Keyboarder bei Giardini Di Miró. Deren aktuelles Album ist zwar auch gut, es kleistert die Tränendrüsen aber immer mal wieder mit lauten Saitenhieben und nervösen Klang-Eskapaden zu. Luca Di Mira geht viel behutsamer vor, setzt auf spartanische Akzente, ein paar Gaststars (finn., Nitrada) und erlangt gerade dadurch eine wohlige, unkitschig-melodische Schwermut. Ob leiser Auftakt ("Song For Beginning“) oder finale Tragödie ("With The Passing Of The Season“): "Flowing Seasons“ bietet acht geschmackssicher drapierte Kissen, in die man ungeniert Rotz und Wasser heulen oder wahlweise auch zum eignen „Joy Of Grief“ beißen darf. Wenn ich dann mal zu ende geflennt habe, schreibe ich wieder was über Dicke-Eier-Hip-Hop, versprochen. Reinhören.

Mittwoch, Oktober 18, 2006

Helmut Krausser im TuT

Das TuT gefüllt mit etwa 70 Anwesenden. Die halbe Literarische Gesellschaft Bochums scheint da zu sein, dann noch zwei Deutsch-LKs mit flink mitschreibenden Jungrezensenten, der Rest deckt alle Facetten moderner wie überkommener Erscheinungsformen des Typs „Bücherfreund“ ab. Um kurz nach zwanzig Uhr tritt Helmut Krausser auf die Bühne. Seine Bewegungen wirken dabei unbeholfen, sobald er aber sitzt und liest, bekommen Vortrag und Gestik eine affektierte und doch faszinierende Eleganz. Welcher Film denn mit dem ersten Kapitel parodiert würde, fragt der Autor zu Beginn und klärt im weiteren Verlauf selber darüber auf, dass es sich hierbei um eine ironische Dracula-Reminiszenz handele. Es folgen lange Passagen aus „Eros“, in die sich Krausser unvermittelt, ja nach Belieben ein- und ausklingt und als Alleskönner präsentiert. Reportage, Autobiographie, Dialog und ein schier unerschöpfliches Repertoire an Geschichten und Gedankenströmen: Kaum eine literarische Textform, die ihm nicht leicht von der Hand ginge. Dass Kraussers neuer Roman groß angelegte Lebens- und Zeitgeschichte(n), die Strukturen von Macht und Kontrolle und nicht zuletzt die Geschichte einer Obsession umreißt, konnte man bereits in den zahlreichen (und wieder einmal polarisierenden) Rezensionen lesen. Vor allem aber ist „Eros“ ein pompöses Feuerwerk unerhörter Begebenheiten und sein Autor einer der letzten Unbehaglichen, von denen man doch nicht lassen kann und auch nicht sollte.

Dienstag, Oktober 10, 2006

Die Jungfrau am Berge

Du, der Maxi hat ne neue Platte gemacht. Weißt du, die klingt so ein bisschen wie die ersten drei, nur, dass da jetzt ein anderes Label draufsteht. Mit der Kitty-Yo mag er nicht mehr spielen, vielleicht war da der Onkel Goethe dran Schuld? Du, ich weiß nich, jedenfalls kommt der Maxi bald wieder ins Grend und gibt da ein Konzert. Kommst Du mit? Im Grend spielt der ja nicht zum ersten Mal. Du, damals hat Dir das doch so gut gefallen, hast Du gesagt! Da hören wir bestimmt auch Lieder von der neuen Platte. „I’ll Be A Virgin, I’ll Be A Mountain“ heißt die. Die ist voll süß! Du, der Maxi singt jetzt manchmal auch mit tiefer Stimme, muss man sich echt dran gewöhnen, aber die Lieder sind trotzdem ganz gut. Also die meisten jedenfalls. Die ersten beiden Lieder sind total schön! Hör mal die anderen drei Platten, da sind die ersten beiden Lieder immer voll schön! Ist mir jetzt das erste Mal total aufgefallen! Und die neue Platte kann man sogar so kaufen, dass da zwei CDs drin sind und auf der andren sind noch mal sechs Lieder drauf, so Bonus-Lieder sind das. Du, das letzte Bonus Lied ist totaaaaal lang und voll traurig und voll nicht schön. Ich mag das echt nich. Das hat der Maxi auch gar nicht geschrieben, sondern so ein alter Mann. Bob Dylan heißt der. Warum macht der Maxi so was? Singt auf einmal Lieder von alten Männern nach! Der Maxi wird bestimmt nie alt, sein Leben lang wird der nur gute Lieder schreiben. Denn der Maxi hat doch so schöne Zähne, wer so schöne Zähne hat, der wird nie alt...

Dienstag, Oktober 03, 2006

Anarchie auf Zelluloid – Science Of Sleep

Vor zwei Jahren hat er vom Paradies der Erinnerung erzählt, nun führt Michel Gondry sein Publikum in das glitzernde Reich der Träume. Science of Sleep taucht in die wundersame Welt von Stephane ein, einem liebenswert-modernen Taugenichts, der sich in seine Nachbarin und Namens-Verwandte Stephanie verliebt. Bevor die beiden am Ende auf ihrem Pony durch den Himmel der Verliebten reiten können, wird dem Zuschauer einiges abverlangt. Er muss durch einen Irrgarten von Traum und Wirklichkeit, in dem sich Stephane selber nur allzu gern verliert. Denn die Liebe und der Traum haben eins gemein: Sie folgen ihrer eigenen undurchsichtigen Logik und verweigern sich den analytischen Zugriffen von außen mit immer neuen phantastischen Wendungen. Seine große Stärke, seinen unschlagbaren Zauber schöpft dieser Film aber nicht nur aus der Anarchie des Erzählens, sondern auch und vor allem aus der „Anarchie in Zellophan“, wie es Charlotte Gainsbourg gegen Ende einmal explizit ausspricht: Die Tricks für die Traum-Sequenzen scheinen direkt aus der Augsburger Puppenkiste oder alten tschechischen Animationsfilmen entnommen. Mit unglaublicher Hingabe und Liebe zum Detail hat man hier Dächer aus Pappmaché, Wolken aus Watte oder eben Wasser aus hellblauem Zellophan gebastelt. Man kann einfach nicht anders, als sich von diesem Allerlei überquellender Kuriositäten hinreißen zu lassen. Einen guten Einblick in den Reichtum an Kreativität und Ideen bekommt man auch auf der ebenfalls liebevoll inszenierten offiziellen Webseite zum Film. Beide zu besuchen wird hiermit dringend empfohlen.