Samstag, Januar 26, 2008

Heimatmelodien



Heimatmelodien
Keine französischen Chansons, keinen amerikanischen Country, keinen Britpop, keine italienischen Schnulzen, sondern ihre Lieblingslieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz spielen Frl. W. und Susi an diesem Abend.
Heimatmelodien - durchaus tanzbar. Auch ohne Dirndl und Lederhose.
8.2.2008 // Goldkante // 21:00

Freitag, Januar 25, 2008

Hercules & Love Affair

Ich bin kein großer Label-Checker. Das mag daran liegen, dass bisher noch jedes Label auch jede Menge für mich uninteressantes Zeugs im Programm hatte. Nun macht sich DFA daran, mich eines besseren zu belehren, nicht nur wegen der über jeden Zweifel erhabenen Alben von LCD Soundsystem. Alles, was darauf erscheint, „gefällt“ mir nicht einfach, sondern haut mich in schöner Regelmäßigkeit aus dem feuchten Schlüpfer meiner Disco-Träume, zuletzt mit der Keule „Hold On“ von Holy Ghost. Und nun kommen Hercules & Love Affair, das ist zum einen der New Yorker Produzent Andrew Butler und zum anderen der von seiner Schlankheitsfarm zurück gekehrte Antony (welcher vor längerer Zeit hier auf der guten Seite bereits zu Ehren kam) sowie die Gastsängerin Kim Ann Foxman. Von den Songs, die zurzeit die Runde machen, klicke ich drei mit meinen zitternden, weil vom Entzug bedrohten Fingern immer wieder an: Das Baby Antony „Blind“, den LCD-Bastard „Hercules Theme“ und die Disco-Bellezza „Athene“. Namentlich „Athene“ ist legitime Hüterin eines mit süßlichem Tand dekorierten Raums, der all das in sich vereint, was ich an Disco liebe. Larry Levan hätte das sicherlich gemocht. Am Holz seines Sarges wurden bereits erste schwitzende Freudentränen gesichtet. Bitte Reinhören.

Montag, Januar 14, 2008

Control II

Ich wusste nicht viel über Joy Division, hatte nur die Hits gehört und mir irgendwann mal die CD der Hamburger Boy Division gekauft. Aber noch bevor der Film angelaufen war, sprachen so viele davon, voller Erwartungen und Geduld und machten ihn so zu einem popkulturellen Ereignis, zu einem MUSS.

Mein Bochumer Lieblingskino war letzten Freitag gut gefüllt, und ich war froh gedrängelt zu haben, um noch einen guten Platz zu erwischen. Der Fotograf Anton Corbijn hat seinen ersten Film in s/w gedreht. Ich weiß nicht, ob er damit die zahllosen Grauwerte zwischen weiß und schwarz, zwischen gut und böse verdeutlichen will, ich finde das sieht einfach gut aus und passt zu der Musik und dem Coolness-Faktor, den Ian Curtis ohne Zweifel hatte. Sam Riley spielt wirklich gut. Ganz wunderbar zeigt er Curtis’ Leidenschaft für Musik und Poesie und, zumindest als Teenager, für die Selbstdarstellung. Zunächst als Bowie-Fan, lasziv, mit Lidstrich und auch später immer mit einer Zigarette, die ihm unglaublich lässig, männlich im Mundwinkel hängt. Bei diesem Anblick möchte ich mir die Haare schneiden, denn zu großen Trench meines Vaters überziehen und mit dem Rauchen anfangen. Und dann diese Musik! Sein Tanzstil macht mich lächeln und seine Stimme geht durch bis in die Zehenspitzen. Die ganze Kinoreihe vibriert im Rhythmus der wippenden Füße.

Sehr gut und witzig finde ich die Darstellung der Band, des Managers, und die von Tony Wilson. Wenn auch die Figur der Frau von Ian Curtis, die er viel zu früh heiratet und mit der er schon kurze Zeit später eine Tochter bekommt, eher nervt, weil sie viel zu lieb und naiv wirkt, so ist sie doch gut gespielt.

Wirklich furchtbar dagegen finde ich Alexandra Maria Lara. Ihre Garderobe passt nicht in die Zeit. Sie haucht, als würde sie in einem David Hamilton Film mitspielen und will da einfach überhaupt nicht hineinpassen.

Weil ich weiß, wie der Film enden muss, fehlt mir zum Schluss ein wenig die Spannung, was aber nichts daran ändert, dass ich zufrieden das Kino verließ und mir vielleicht doch noch eine „echte“ Joy Divison Platte anhören werde (und dann daheim vor dem Spiegel im Trench die lustigen Tanzbewegungen von Ian Curtis imitiere).

Control I

Seine hypnotischsten Momente hat Anton Corbijns lang erwarteter Film „Control“ dann, wenn die Musik spielt. Mit geradezu beängstigender Mimikry fangen die Schauspieler die Gewalt der Band ein, um die es hier geht. Band? Nein, es geht in erster Linie um Ian Curtis und um die Frage, ob man dem Menschen hinter der Gestalt des schwermütig-charismatischen Frontmanns, den die Welt in ihm gesehen hat, mit einem Biopic näher kommen kann. Der Reiz solch eines Kopieversuchs des Lebens liegt ja gerade in der Aussicht, dem (vergöttern oder verhassten) Star etwas näher zu kommen, ihn „kennen zu lernen“. Der Zuschauer hofft, hinter das Geheimnis zu sehen, das ihn an sein Idol bindet. Corbijn ist zum Glück klug genug, eine gesunde Distanz zu seinem Studienobjekt zu halten, strickt mit seiner bewährten Schwarz-Weiß-Ästhetik am Mythos weiter und entzaubert ihn nicht. Alles andere wäre so fatal gewesen wie der deplazierte Einsatz des sinnleer vor sich her säuselnden Emo-Orakels Alexandra Maria Lara. Bei Corbijns altem Kumpel Grönemeyer fragt man sich dagegen, warum der so lange keine Filme und stattdessen so viel Musik gemacht hat. Wo er doch bekanntlich gar nicht tanzen kann. A propos: Hier noch Dance, Dance, Dance to the radio! Aber mit den echten.

Samstag, Januar 05, 2008

Die letzte Orangennetz-Party


„… macht doch lieber eine Orangennetz-Party …“

Zur Erinnerung an ihren verstorbenen Freund DJ a.XL aka interloop aka Axel Pawellek — den Webmaster des Orangennetzes — finden die Aktivisten und Freunde des Internet-Blogs noch einmal zusammen.

An den Plattenspielern: C_V · Frl. W. · Max · Sad Drowski · Sissdah · Stitch Jones · Susi

Goldkante
Sa., 19.01.2008
ab 2100 Uhr

Sonntag, Dezember 30, 2007

The Last Days Of Disco

Hier noch schnell ein Lebenszeichen, bevor das Jahr zuende geht. Zuletzt hat ja leider die Schreibfaulheit gesiegt, macht aber nix, hab ich wenigstens einen guten Vorsatz für 2008. Immerhin habe ich zwei halbe Texte im Kopf und das nächste Tied-To-The-90's-Album steht auch schon fest. Es wird also auch in Zukunft gute Gründe geben, um auf der Guten Seite zu sein. Ach so, zu Silvester lege ich in der Goldkante auf. Dabei werde ich zum allerletzten Mal alte Disco-Hits spielen, danach wird es Zeit für was Neues. So was in der Art hat Prince ja auch kurz vor seinen "21 Nights In London" erzählt, und er wird es ebenso wenig durchhalten wie ich. Außerdem an den Plattentellern: TP und N, TK aber leider nicht. Frl. W. wird auch kommen, ferner haben SF, LN, TT, SD, MK, DN, B, V und nicht zu vergessen A ihr Kommen zugesagt. Und wer weiß, möglicherweise kann ich noch SMR und ihre Party-Bagage dazu überreden, die ersten Stunden des Jahres im hübschesten Ambiente der Stadt zu verbringen. Wer gerne zu "I Got A Man" von Positive K tanzt, sollte sich das nicht entgehen lassen.

Sonntag, Dezember 23, 2007

The Beginning Before The End

Zu Weihnachten gibt es bekanntlich viele Überraschungen. Und weil das so ist, wollen sich Frl. W. und der Don bei Ihrer Musikauswahl noch nicht festlegen. Besinnlich bis tanzbar, verschmust und popo-wackelig, mitsingend oder melancholisch: alles scheint möglich. Fest steht aber: Sie bringen doppelt geschenkte oder zu gut gemeinte Gaben mit und packen diese in die große Tauschkiste. Wer mag, tauscht mit. Publikumsbescherung!

Mittwoch, 26. Dezember 2007. Goldkante. Bochum, Herner Str. 13, Ab 21 Uhr.

Donnerstag, Dezember 13, 2007

Lichtschutzfaktor Leidenschaft - Rykarda Parasol

Ein strenger Blick wie Faye in „Bonnie and Clyde“, eine Stimme, die dunkle Erinnerungen an Patti Smith weckt und ein Nachname, der so viel wie „Sonnenschirm“ bedeutet: Bei Rykarda Parasol wird das Dräuende, Abgründige und Dunkle zum Programm und zum wertvollen Pfand, mit dem sich die fille noire aus San Francisco in die Riege bemerkenswerter Debütantinnen gewuchert hat.

"Our Hearts First Meet" heißt ihr erstes Album, nachdem 2003 bereits die EP "Here She Comes" erschienen war. Fünfzehn rätselhafte Folk-Songs, die schwere Titel tragen, etwa "How Does A Woman Fall" oder "Lonesome Place"; in denen verzweifelte Sätze fallen wie "The sky has gone black on us / Don’t you weep" oder "I made a decision when nothing was good / And I knew I would lose". Worte also, die immer wieder auf das Abgründige unter der ansehnlichen Oberfläche verweisen, auf die dunklen Strähnen zwischen dem gefärbten Blond. Es geht um Hereinfälle, verschmähte Liebe und Einsamkeit. Nur selten dringt durch den Sonnenschutz Licht an diese Lyrik. Dennoch glimmt in Rykarda Parasols Musik die Leidenschaft, denn es sind gerade die obskuren Stellen, von denen eine eigentümliche Anziehungskraft ausgeht. So mancher Hörer wird sich im Geiste in jene verrauchte Bar sehnen, wo man zwischen Girls und Gangstern einen Gin nach dem anderen herunterkippt, während aus der Juke-Box abwechselnd „Hannah Leah“ und „Candy Gold“ quäken.

Natürlich hat dieses Setting düsterer Motive auch etwas Kalkuliertes, bleibt in seinem Charakter aber stets würdevoll und glänzt vor allem durch Stil. Und wenn die Musik den Hörer so erwischt wie auf "Our Hearts First Meet", ist Stil ein willkommener Attraktivitäts-Bonus. Das nächste Album von Rykarda Parasol hat hoffentlich einen ähnlich hohen Lichtschutzfaktor. Der blasse Teint steht ihr nämlich vorzüglich. (Foto Credits www.XavierGomez.com © 2007)

Dienstag, November 27, 2007

Mittwoch, November 21, 2007

Sonntag, November 18, 2007

Portishead - Dummy (1994)

Halbzeit bei „Tied To The 90’s“: Irgendwann 1994 zu Besuch in fremden Wohnzimmern. Mein Gastgeber meinte es gut mit mir, als er mir „Dummy“ vorspielte. Kennst Du das noch nicht? Ist doch gerade in aller Munde. Ne, kannte ich noch nicht. Wie ein ungestümer Hund an der Leine zog die Musik sogleich an meiner Aufmerksamkeit. Unser Gespräch war unwichtig geworden, und ich empfand das Mitteilungssbedürfnis meines Gegenübers eher als lästig, weil es mich vom Hören ablenkte. Es hat etwas Beunruhigendes, aber auch Tröstliches, dass Musik mitunter mehr wiegt als ein Mensch.

Sampling ist eine nicht zu unterschätzende Kunst. Man mag meinen, jeder Trottel wäre dazu in der Lage, doch nur wenigen gelingt es, aus Schnipseln etwas zu erschaffen, das über die Summe der einzelnen Teile hinausweist. Portishead zeigen dieses Können ein ganzes Album lang. Jagen spukende Geister durch „Mysterons“, bauen Kulissen für Gangsterfilme in „Sour Times“ oder haben in „Wandering Star“ für die Vergänglichkeit der Liebe nur ein trauriges Scratchen übrig. Am deutlichsten zeigt sich die Stärke der Neuformulierungen im direkten Vergleich, und zwar in der Bearbeitung von „Ike’s Rap“: Tricky macht aus dem Sample nichts Zwingendes, spricht ein paar Lyrics drüber, lässt aber ansonsten alles wie er es vorfindet (auf „Maxinquaye“); Portishead setzen es dagegen als Fundament für Beth Gibbons' inständiges Pochen auf die Einlösung des Fraulichen ein („Glory Box“). Wenn man sich im Jahre 2007 also ein neues Album aus South West England wünscht, sollte man seine Hoffnungen in die richtige Stadt tragen.

Mein Lieblingsstück auf „Dummy“ ist übrigens „Roads“. Beth Gibbons in dem Live-Video dazu zu sehen, weckt Erinnerungen an das Portishead-Konzert in Düsseldorf Anno 98. Die halbe Million Klicks bei Youtube beweisen, dass ich nicht der einzige bin, dem es gefällt. Und das vorschnelle Grölen aus dem Publikum beweist, dass es am Ende immer jemanden geben wird, der nicht die Klappe halten kann, wenn andere lieber der Musik lauschen wollen.


Montag, November 12, 2007

Bran Van 3000 - Call Me

Die 90er waren fast vorbei, ich dachte schon, da käme nichts mehr, doch dann kamen Bran Van 3000 und retteten, was es noch zu retten gab. Aber dazu bei anderer Gelegenheit mehr. Ich habe noch gar nichts zu "Call Me" geschrieben, dem ersten Lebenszeichen vom mehr oder weniger losen kanadisachen Musikerkollektiv um James Di Salvio seit gut sechs Jahren. Dabei ist diese Neuigkeit inwzischen bereits keine mehr. Das Stück hat den schönsten Anfang, den Bran Van bisher vollbracht haben, noch schöner als der von "Astounded", wo man in punkto Spannungssteigerung bereits konkurrenzlos gut war. Tja, und dann...dann kommt ein Refrain, der vielleicht einen Tick zu gefällig agiert und zuletzt eine Art Reggae-Break, das mich nach dem ersten Hören sehr empört hat, weil er so gar nicht zu der zuvor aufgebauten Stimmung passen wollte. Inzwischen bin ich etwas versöhnlicher gestimmt, schließlich haben Bran Van 3000 schon immer großen Spaß am Aufbrechen von Gewohnheiten gehabt. Vielleicht kriegen sie mich auf meine alten Tage sogar noch zum Kiffen. Ich freue mich auf Rosé.