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Freitag, September 18, 2009

Die Herzen fallen weich - Fennesz vs. Sparklehorse

In schöner Regelmäßigkeit bringt der unabhängige Niederländische Musikvertrieb Konkurrent die Reihe „In the Fishtank“ heraus. Dabei werden Musiker unterschiedlichster Herkunft ins Aufnahmestudio eingeladen, wo sie für ihre Kollaboration zwei Tage absolute Narrenfreiheit bekommen. Für Ausgabe 15 könnte das Experiment kaum aufregender sein. Hier kommen zwei Klang-Konzeptionisten zusammen, deren musikalische Kräfte förmlich danach drängen, sich aneinander zu reiben und aufeinander zu wirken: Der österreichische Laptop-Gitarrist Christian Fennesz und der schrullige Lo-Fi-Popper Mark Linkous von Sparklehorse. Erste Begegnungen gab es bereits bei gemeinsamen Live-Auftritten. Dort deutete sich das an, was hier auf sieben Stücken ausgedehnten Freiraum bekommt: Das Ausbreiten großzügiger Klangteppiche, auf denen akustische Settings und elektronische Clicks und Cuts mal lange Spaziergänge unternehmen („Music Box Of Snakes“), mal nervös herumwuseln („Shai-Hulud“) oder sich im verzerrten Eskapismus gefallen („NC Bongo Buddy“). Meist wird auf Gesang verzichtet, doch wenn Mark Linkous seine Stimme zu wenig mehr als einem Flüstern erhebt, spürt man wieder dieses Ziehen in der Brust („If My Heart“). Keine Sorge, das Wasser im Fischtank ist warm, die Herzen fallen weich.

Donnerstag, Juli 02, 2009

Masha Qrella - Speak Low

Die Präsenz von Berliner Künstlern auf dem New Yorker Broadway war insbesondere in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts ausgesprochen stark. Zwei Exilanten deutscher Herkunft trugen mit ihrem Wirken maßgeblich zum seinerzeit vitalen Musical-Boom bei: Frederick Loewe und der unvergessene Kurt Weill. Ihre Kompositionen hat die Berliner Musikerin Masha Qrella neu interpretiert und damit für heutige Pop-Zirkel wieder anschlussfähig gemacht.

„Speak Low – Loewe And Weill in Exile“ heißt das Werk, auf dem Qrella sich den Stücken von einst mit den musikalischen Mitteln ihrer Bands Mina und Contriva nähert. Mag die Verbindung zwischen den bis zu 60 Jahre alten Swing- und Jazz-Melodien und Qrellas elektronisch-instrumentalem Frühwerk zunächst nicht unbedingt auf der Hand liegen, so gibt es doch einen gemeinsamen Nenner. Und der findet sich eindeutig in der Pop(ulär) Musik. „Broadway - Cradle of Popular Music“ lautete im Oktober 2007 das entsprechende Motto der Festlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des Berliner Haus der Kulturen der Welt, die von Qrella für einen Abend mitgestaltet wurden und die der vorliegenden Sammlung vorausgingen. „Die Songs von Weill und Loewe“, so Detlef Diederichsen, der Kurator der Veranstaltung, wurden „dahingehend überprüft, inwieweit sie rund ein halbes Jahrhundert später noch Relevanz besaßen“. Zudem sollte die Neubearbeitung der Stücke von jemandem übernommen werden, der einerseits eng mit der deutschen Hauptstadt verbunden ist, andererseits einen möglichst genrefremden und damit unbeschwerten Zugang zu den Originalen findet. Masha Qrella bringt diese Eigenschaften mit und setzt sie mit kluger Zurückhaltung ein. Mit Unterstützung einer exzellenten Band flößt sie den alten Kompositionen eine neue Energie ein, freilich eine Energie, die ihre Kraft aus aktuellen Pop-Pattern schöpft und ihre Richtung mit Bedacht, ja geradezu nachdenklich wählt.

Pathos und Überschwang der Originale werden auf „Speak Low“ auf eine nachvollziehbare Gefühlsebene herabgeholt. Diese Reduktion auf das Wesentliche geht einher mit einem Zugewinn an Lakonie und an etwas, das man mit „emotionale Behutsamkeit“ einfassen könnte. So wird Weills „Speak Low“, das die Four Freshmen einst mit trompetendem Gebalze vortrugen, zum filigranen Indiepop umgedeutet. Dann gibt es da noch den „Wandering Star“, dessen Geist durch den brummenden Lee Marvin endgültig in der Whiskey-Flasche gebannt schien, bei Qrella jedoch zu munter geschlagenen Akkorden als frische Herbstbrise davon sausen darf. Und erst die anmutige Aufarbeitung von „I Talk To The Trees“ offenbart, dass es sich hier um eine der schönsten Loewe-Melodien überhaupt handelt. Angesichts ihres originären Zaubers fällt es schwer zu glauben, dass diese Songs gecovert sein sollen. Oder wie Detlef Diederichsen die Wirkung dieser Sammlung beschreibt: „Wer nicht um ihre Herkunft weiß, wird Mashas neue Stücke womöglich einfach als neue Qrella-Originale annehmen.“


Montag, Mai 18, 2009

Black Dice - Repo

Machen wir uns nichts vor: Die Zentralstelle für amtlich beglaubigte Innovationen im Fachbereich Musik hat ihren Sitz nicht in Bergkamen, nicht in Bochum, ja nicht einmal in Berlin, nein, wirklich Aufregendes entsteht wie an kaum einen anderen Ort zurzeit in Brooklyn, New York. Selbst mit einem fünften Album kann man von hier aus die andernorts nachrückenden Myspace-Bands zur Verzweiflung bringen. Die werden vor dem Hochladen ihrer neuesten MP3 wohl noch mal in sich gehen, sobald sie hören, dass Eric und Bjorn Copeland sowie Aaron Warren von Black Dice auf ihrem neuen Werk Repo ein paar Klassen entdeckungsfreudiger und respektloser agiert haben. Es wäre nun töricht, für die Beschreibung dieser Musik Bandnamen mit ähnlicher Ausrichtung aufzuzählen oder die Titel der Stücke zu zitieren. Denn Black Dice interessieren sich weder für Vorbilder noch für Songs im traditionellen Sinne. Vielmehr geht es ihnen um die Erschaffung von Sounds jenseits altbekannter Strukturen, ja im Grunde bilden die 14 Einheiten eine zusammenhängende akustische Sequenz, die in alle Richtungen zischt, ruckelt und mäandert und die in ihren tieferen Schichten mit einer Art Frickel-Rave für Philosophen begeistert. Wer hier die Melodien zum Mitpfeifen vermisst, den soll der Klaus Meine holen.

Freitag, April 17, 2009

Lacrosse - Die Schweden-Häppchen

Da haben wir nun sechs junge und sehr hübsch anzuschauende Hipster aus Stockholm (ein Mädchen, fünf Jungen), die mit kesser Pop-Attitüde und energetischem Spiel angetreten sind, allen noch frühjahrsmüden Langschläfern frische Sounds durch die Boxen zu blasen. Die schwedische Band Lacrosse klingt, als spielten aufgeregt herumtrippelnde Kinder Musik für Erwachsene. Und das ist bitte als Kompliment zu verstehen.

Der erste Song der neuen Platte „Bandages For The Heart“ nennt sich denn auch passend dazu „We Are Kids“. Überhaupt stecken die Songtitel das musikalische und programmatische Terrain des zweiten Lacrosse-Albums präzise ab. „I see a Brightness“ ist dreist unromantischer Sonnenschein-Rock, daneben gibt „It’s Always Sunday Around Here“ eine unbefangen-schrammelige Hymne auf die Lazyness des Lebens ab. Wie auf ihrem Debut “This New Year Will Be For You and Me” hüpfen Lacrosse mit fröhlicher Zuversicht gen Zukunft, sind dabei aber nicht mehr so leichtsinnig und keinesfalls naiv. Vielleicht war es der Produzentenschliff von Jari Haapalainen (Moneybrother, The International Noise Conspiracy), der die Musik von Lacrosse noch kantiger gemacht hat. Sie zu hören ist jedenfalls ein wenig so, wie Unmengen leckeres Eis zu essen und dabei das Bauchweh am Abend in Kauf zu nehmen; oder im Freibad auf der Wiese zu liegen, und freudig darauf zu warten, dass man vom Nächsten, der aus dem Wasser steigt, nass gespritzt wird. So stehen auf „Bandages For The Heart“ die unbefangenen Momente gleichberechtigt neben den nachdenklichen; im Titelsong zum Beispiel oder im verzweifelten, aber entschlossenen „Excuses, Excuses”: But I’m sick of these excuses / It’s not that hard to say goodbye. Am Ende des Albums heißt die entscheidende Frage dennoch: What’s wrong with love? Ja was eigentlich? Der Frühling braucht nicht mehr kommen, er ist schon längst da.

Donnerstag, Februar 05, 2009

Sin Fang Bous - Clangour

Aus Island erreicht uns nicht nur Musik von drückender Traurigkeit. Die Insel beheimatet auch den wunderbar leichten Folkpop der Band Seabear. Ihr Sänger und kreativer Motor Sindri Mar Sigfusson fand auf der Suche nach einem Ventil für seine unzähligen musikalischen Ideen zum Solo-Projekt Sin Fang Bous.

Auf Clangour – so der Titel des ersten Longplayers – wird in ausgewogener Balance aus Experimentierfreude und Eingängigkeit ein schillerndes Mosaik aus findig ausgesuchten musikalischen Elementen zusammengewerkelt. Ob intuitive Songwriter-Miniaturen (Poirot), virtuose Indie-Etüden (Clangour And Flutes) oder durchdachte und variationsreiche Pop- und Folk-Ausarbeitungen (Catch The Light; Melt Down The Knives; Lies): Allen Liedern wohnt der Drang zur Weiterentwicklung inne und vor allem das Vergnügen am kreativen Spiel mit Instrumenten und Tönen. Dass Sigfusson ein großer Bastelfan ist, beweist zudem sowohl das Album-Cover als auch das Video zur ersten Single Advent In Ives Garden: Liebevoll in Szene gesetzte Figuren, mal gezeichnet, mal aus Pappmaché geschnitten und animiert, bestimmen das Geschehen und erinnern in ihrem Arrangement an die Traumsequenzen aus Michel Gondrys Film Science Of Sleep. Überhaupt gäbe Clangour den idealen Soundtrack für einen verspielten Animationsfilm ab. Den höchsten Anspruch stellte Sigfusson bei der Produktion des Albums übrigens an sich selbst, sicherlich auch, um das Profil des eigenen Projektes gegenüber seiner Band Seabear zu schärfen: „I wanted to try to do stuff with my voice I hadn’t done before so there's some singing above my range there and singing through lots of effect stuff.“ Auf Clangour wird die Herausforderung gesucht und zugleich Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gefunden. Damit öffnen sich kunterbunte Klangräume, die immer neue Eindrücke bieten, je öfter man sie aufsucht.

Montag, September 15, 2008

Jersey - Itinerary

Jersey nennen ihr Album Itinerary. Dazu steht im Wörterbuch: Route, Reise, Reiseverlauf. Den Beginn markiert ein Schild, auf dem steht: It’s the song, not the singer. Wo wurde man zuletzt von einem Instrumental wie Moondial derart eingefangen? Richtig, auf If You Had Stayed von Contriva. Überhaupt Contriva: Jersey stehen ihnen sehr nahe, nicht nur, weil der Gitarrist Max Punktezahl in beiden Bands spielt. Auch, weil dies Musik ist, die einem beisteht, die begleitet, den Weg weist. Musik als Freund, der einem die Tür öffnet, wenn man in verzweifelten Momenten nicht weiß wohin. Musik, die Energie freisetzt, Entschlossenheit zurückgibt und Grimassen schneiden lässt, weil alles doch nur halb so schlimm ist. Denn es gibt sie, Lieder wie Touch The Ground, Shoeshine oder Icebound, die in irgendwelchen Parallelwelten Riesenhits sein müssen, im Diesseits bei Radio Power Play jedoch niemals laufen werden. Macht nichts, man will sich ja auch nicht von jedem Hansel grüßen lassen. Zu guter Letzt ist man kurz versucht, pathetische Sätze über Jerseys Songwriting zu formulieren oder darauf hinzuweisen, dass zwischendurch auch gesungen wird. Doch belässt man es lieber bei einem Kalauer und gibt der Platte – Obacht! – die volle „Punktezahl“. Myspace

Dienstag, September 02, 2008

Das Mutterschiff hält Kurs! Die Türen - Booty

Reibt die Gesäße aneinander bis sie funky Funken schlagen: Die Türen lassen ihr Album Popo durch den Mixer jagen. Es zählt, was hinten rauskommt: Booty.

Sänger Maurice Summen: „Wir haben mit einer Rundmail Produzenten in unserem erweiterten Bekanntenkreis eingeladen, sich ein Stück unseres Albums ‚Popo’ auszusuchen und neu zu interpretieren.“ Im Verteiler standen illustre Gestalten aus dem Dreieck Hamburg, Münster, Berlin: Die dauergrinsende Kunstfigur Alexander Marcus feuert direkt aus dem Schlager-House ein "Tanz den Tanz"-Manifest gegen die Zwänge der Arbeitswelt. Malente, Ex-König des Pop, zerhackt "Sei Schlau, Bleib Dumm" zu minimalistischen Worthülsen aus der Kurznachrichtenhölle; Bobby Conn versetzt dem Disco-Tiger "Amore Mio" eine bluesige Betäubungsspritze und der als Bonus-Mp3 angehängte Erobique-Remix, gibt sich, wie auch das Plattencover, ganz als Reminiszenz an Trio, die NDW-Ahnen im Geiste. Weitere Remixe kommen u.a. von Viktor Marek, Mense Reents und Michael Mühlhaus.

Was von Popo übrig bleibt sind, trotz aller Filter, die stichelnden Verweise und überkandidelten Karikaturen zum Thema „Arbeit und Soziales“. Was das Ganze soll, wird gleich im ersten Stück gefragt: Alles nur „postmoderner Zitatenschnickschnack“ von füreinander schaffenden Irren? Ist das Satire? Ist es Politik? Beides? Es ist vor allem eins: Das Gegenteil von langweilig. Und die Türen zeigen Charakter, denn wer außer ihnen hat heutzutage noch die „Eier“, sich Disco-Slogans auf die Stirn zu ritzen und dem Gefühl zwischen Hoffnung und Verzweiflung beim Warten in der Job-Center-Schlange die passenden Grooves zu geben? Die CDU Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler mag das als „relativ abgefahren“ bewerten. Andere erleben es als alltägliche Prosa der Verhältnisse. Hut ab also vor den Westfalen aus Berlin. Ihr Mothership hält Kurs.

Dienstag, Mai 13, 2008

Woog Riots - Pasp

Die deutsch-italienische Freundschaft zwischen Silvana Battisti und Marc Herbert hat eine neue musikalische Wundertüte gebastelt: „pasp“ steht da drauf und mit jedem Stück, das man herausfischt, kommt mal mehr mal weniger kapriziöser Ulk zu den Themen people, animals, society und places zum Vorschein. Da muss sich ein Paul McCartney genauso Ratschläge gefallen lassen (Go! and write a song, don’t love your country) wie der Oktopus Indiskretionen über sein submarines Liebesleben. Über den Islam Punk wird auf Italienisch sinniert, bis der Night Bus einen schließlich zur falschen Seite der Stadt gebracht hat. Und überhaupt: everyone should move into a hotel room! Wie schon auf dem Vorgänger Strangelove TV changieren die Lo-Fi-Eskapaden der Woog Riots zwischen geistreichem Dancepunk und kurzweilig-bunter Gimmicks aus dem Kaugummiautomaten. Dabei haben die Unruhestifter hörbar viel Spaß gehabt. Auf Backstage Lemonade singt übrigens keine Geringere als Kimya Dawson mit. Bitte also nicht über Vergleiche mit den Moldy Peaches oder die immer wieder heraufbeschworene Nachbarschaft zum „Anti-Folk“ wundern. „Tweelectro“ hat das aber offensichtlich noch niemand genannt. Dies sei hiermit nachgereicht. Myspace.

Donnerstag, April 24, 2008

Juvelen

Schon klar, dieses Prince-Ding wird mich nie mehr loslassen. Aber das wird auch kaum jemand, der diese Seite regelmäßig besucht, wirklich erwartet haben, nicht wahr? Bereits vor ein paar Monaten stolperte ich über die Myspace-Seite von Juvelen, namentlich über "They Don't Love You", das mit hysterischem Falsett und spartanischem Arrangement einen Prince-Bastard der obersten Güteklasse abgab. Viel mehr bekam man seinerzeit nicht zu hören und was weitere Infos betraf, so erfuhr man gerade noch, dass Juvelen irgendein Typ aus Stockholm war, der halt Musik macht. In der überbordenden Masse an akustischen Angeboten geriet das Ganze jedenfalls bald in Vergessenheit, bis mir RRR gestern Abend Juvelens Album-Debüt "1", äh, zuspielte. Den Rest kann man sich vermutlich denken: Mit nacktem Oberkörper springe ich wie ein hyperventilierender Flummi durch mein Zimmer, übe zu "Don't Mess" komische Verrenkungen für die nächste Tanzflur-Performance oder versuche bei "Baby When You're Gone" den liebeskranken Crooner zu geben. Wen interessiert schon, ob das länger als ein paar Tage vorhält. Fun ist halt ein Kurbad. Myspace.

Sonntag, April 06, 2008

Elmore Judd - Insect Funk

Elmore Judd sind eine Bande funky little nerds aus London, die unter der Regie von Frontmann Jesse Hackett und mutmaßlich unter Drogeneinfluss die besten Platten von Sly Stone, George Clinton und Don Van Vliet in den Destillator gepresst haben, um die so gewonnenen Ingredienzien zu einem halluzinogenen Gebräu zu mixen. Auf Insect Funk wimmelt es von sinistren Gestalten, die elektronisches Akkordeon spielen (Pirate Song), während nervös herumkrabbelndes Getier sich die Hörner abstößt (Rats) oder drollige Teufelchen in schallendes Free-Jazz Gelächter ausbrechen (Evil Laughs). Das Füßejucken zwischendurch ist übrigens völlig normal, im Gegenteil, wessen Beine zu Disco In 4 Pieces oder dem Tron Song nicht zu zappeln anfangen, der sollte sich mal wieder gründlich durchchecken lassen. Für tiefe Verbeugungen vor großen Idolen sind Elmore Judd sich ebenfalls nicht zu schade, wobei man zum Snakefinger-Cover Don’t Lie ordentlich griechischen Wein gekippt hat. Und schließlich ist da noch die Single We Float In Time, die einem erbarmungslos ins Ohr kriecht und bereits für heißlaufende DJ-Teller sorgt. André 3000 und all die anderen Checker, cremt euch gut mit Autan ein. Hier kommen die neuen coolen Stecher. Myspace.

Mittwoch, März 12, 2008

Reich und Schön – The Miserable Rich


Da spielten also diese beiden hochtalentierten Musiker in Rom auf einer Hochzeit vor handverlesenem Publikum. Überall Aristokraten mit viel Geld. Irgendwie musste man sich ja seine Brötchen verdienen. An jenem Tag fand die Band zu ihrem Namen: The Miserable Rich.

Der Cellist Will Calderbank und Folk-Elektroniker James de Malplaquet hatten zuvor bereits in verschiedenen Projekten und Gefügen aus dem Brightoner „willkommen collective“ zusammengearbeitet, einem Netzwerk aus Bands (z.B. Shoreline), die untereinander im lebendigen (Musiker-)Austausch stehen. In diesem Umfeld erhielten sie die Anregungen und Kontakte, aus denen sich schließlich das musikalische und personelle Profil von The Miserable Rich formen sollte. Komplettiert wurde das Quintett durch Mike Siddell (Violine), Lindsey Oliver (Kontrabass) und Jim Briffett (Gitarre).

Mit ihrer Cover-Version von Hot Chips Over And Over konnten The Miserable Rich über die Wellen von BBC und FM4, also weit über die Kollektiv-Grenzen Brightons hinaus, erstmals auf sich aufmerksam machen. Ihre Interpretation reduziert den Tanzflächen-Hit auf ein intimes Kammerspiel aus grazil gezupften Saiten und entzückendem Gesang und gibt damit die Grundbausteine eines jeden Songs auf ihrem Album 12 Ways To Count vor. Sie selbst nennen das Ganze „The Sound Of One Lip Kissing“ und auch, wenn damit die Sanftmut der Musik adäquat beschrieben sein mag, so ist doch nichts über ihre frappante Wirkung gesagt: Auf Boat Song, Pisshead oder Muswell streichen die Musiker mit ihren Bögen direkt über die Nervenstränge der Wehmut und spielen Melodien, die sich, so reich wie schön, auf leisen Sohlen ins Bewusstsein schleichen. Und die nicht weniger abgeben als den auf ewig nachklingenden Soundtrack zu einer betörenden Liebesnacht. Myspace.

Mittwoch, Februar 20, 2008

Clara Luzia

Einst war FM4 für mich überlebenswichtig, das Radio aus einer anderen Welt, eine art Ersatzfamilie. Heute ist es mein geliebter Begleiter durch den Arbeitstag.

Seit einigen Wochen fällt dort immer wieder der Name Clara Luzia, es wird auf ein Radiokonzert (FM4 Soundpark Studio2 Session) zusammen mit Francis International Airport hingewiesen und es läuft immer wieder ein Song „Morning Light“, traurig, kraftvoll und wunderschön. Berichte und Interviews des Österreichischen Fernsehens zeigen mir die Person zu dieser Musik: eine zarte Elfe, ein bisschen exotisch mit kurzen dunklen Haaren und großen Augen. Und sie weiss was sie will und vor allem, was sie nicht will. Deshalb ist ihr 2. Album "The Long Memory" schon im letzten Jahr auf ihrem eigenen Label Asinella Records erschienen und wird in Deutschland über unterm durchschnitt vertrieben. Ich hoffe sie kommt bald wieder auf eine Deutschlandtour, die Erste habe ich schon verpasst.

PS: Ganz bezaubernd finde ich auch die Illustrationen von Sadi Güran auf Claras Homepage

Mittwoch, Februar 13, 2008

Keine Fragen offen: Why? – Alopecia

Ein junger Musiker mit ansehnlich voller Haarpracht nennt sein neustes Album "Alopecia"? Es ist wohl einfach nur vorauseilende Ironie, die sich Yoni Wolf, Mastermind von Why? und Mitbegründer des Anticon-Labels hier erlauben wollte. Why? kredenzen eine irre Mischung aus vollmundigen Reimen, die über einen flockigen Folk-Unterbau kollern oder in Zeitlupe gespielten Psycho-Rock, den Yoni Wolf selbst mal treffend als „Chill Metal“ bezeichnet hat. Und dazwischen gibt es immer wieder große Gesten des Pop. Dominantes Element auf Alopecia ist jedoch der Sprechgesang. Die Raps in "Good Friday", "Gnashville" oder "By Torpedo Or Crohn’s" hätten auch bei einem Mocky (dem Why? näher stehen, als man denken sollte) keinen überzeugenderen Flow gehabt. Es kommt also nicht von ungefähr, dass immer wieder gerne die „Indie-Hop“ oder „Folk-Hop“-Schublade aufgemacht wird, wenn von der hier kurzfristig zum Quintett gewachsenen Band aus Cincinatti, Ohio die Rede ist – zu den drei Jungs von Why? haben sich Andrew Broder und Mark Erickson von Fog gesellt. Diese Zusammenarbeit macht Sinn und scheint nur natürlich, denn die Nähe des Anticon-Kollektivs zu den innovativen und ihrerseits richtungweisenden Acts von Ninja Tune oder Big Dada ist auf "Alopecia" nur allzu offensichtlich.

Der Vorab-Download The Hollows hatte bereits bewiesen, dass Eigentümlichkeit und Eingängigkeit einander nicht ausschließen müssen. Ein weiterer Single-Anwärter ist "Fatalist Palmistry", in dem es fast schon programmatisch heißt: But God Put A Song On My Palm That You Can’t Read. Eine Aussage, die sich direkt auf die Musik von Why? beziehen lässt, welche sich überkommenen Grenzziehungen verweigert und etwas Eigenes schafft, das, frei von üblichen Styler-Posen, dem Hörer lässige Statements für die Zukunft in die Hand gibt.

Nach "Elephant Eyelash", dem viel gerühmten Vorgänger aus dem Jahre 2005, hatte man mittlerweile ungeduldig auf einen Nachfolger gehofft. Lange genug vertieb sich Yoni Wolf seine Tage mit Gastauftritten etwa beim Labelkollegen Odd Nosdam oder eben bei der Verwandtschaft von Fog. Die Zeit der kleinen Häppchen ist nun zum Glück vorbei. Das neue Album wird den großen Erwartungen gerecht und hat sie vielleicht sogar noch übertroffen. In jungen Jahren soll Yoni Wolf auf den Straßen und an den Häuserwänden seiner Heimatstadt ein vieldeutiges „Why?“ hinterlassen haben. Heute heißt die Antwort darauf "Alopecia".

Freitag, Januar 25, 2008

Hercules & Love Affair

Ich bin kein großer Label-Checker. Das mag daran liegen, dass bisher noch jedes Label auch jede Menge für mich uninteressantes Zeugs im Programm hatte. Nun macht sich DFA daran, mich eines besseren zu belehren, nicht nur wegen der über jeden Zweifel erhabenen Alben von LCD Soundsystem. Alles, was darauf erscheint, „gefällt“ mir nicht einfach, sondern haut mich in schöner Regelmäßigkeit aus dem feuchten Schlüpfer meiner Disco-Träume, zuletzt mit der Keule „Hold On“ von Holy Ghost. Und nun kommen Hercules & Love Affair, das ist zum einen der New Yorker Produzent Andrew Butler und zum anderen der von seiner Schlankheitsfarm zurück gekehrte Antony (welcher vor längerer Zeit hier auf der guten Seite bereits zu Ehren kam) sowie die Gastsängerin Kim Ann Foxman. Von den Songs, die zurzeit die Runde machen, klicke ich drei mit meinen zitternden, weil vom Entzug bedrohten Fingern immer wieder an: Das Baby Antony „Blind“, den LCD-Bastard „Hercules Theme“ und die Disco-Bellezza „Athene“. Namentlich „Athene“ ist legitime Hüterin eines mit süßlichem Tand dekorierten Raums, der all das in sich vereint, was ich an Disco liebe. Larry Levan hätte das sicherlich gemocht. Am Holz seines Sarges wurden bereits erste schwitzende Freudentränen gesichtet. Bitte Reinhören.

Donnerstag, Dezember 13, 2007

Lichtschutzfaktor Leidenschaft - Rykarda Parasol

Ein strenger Blick wie Faye in „Bonnie and Clyde“, eine Stimme, die dunkle Erinnerungen an Patti Smith weckt und ein Nachname, der so viel wie „Sonnenschirm“ bedeutet: Bei Rykarda Parasol wird das Dräuende, Abgründige und Dunkle zum Programm und zum wertvollen Pfand, mit dem sich die fille noire aus San Francisco in die Riege bemerkenswerter Debütantinnen gewuchert hat.

"Our Hearts First Meet" heißt ihr erstes Album, nachdem 2003 bereits die EP "Here She Comes" erschienen war. Fünfzehn rätselhafte Folk-Songs, die schwere Titel tragen, etwa "How Does A Woman Fall" oder "Lonesome Place"; in denen verzweifelte Sätze fallen wie "The sky has gone black on us / Don’t you weep" oder "I made a decision when nothing was good / And I knew I would lose". Worte also, die immer wieder auf das Abgründige unter der ansehnlichen Oberfläche verweisen, auf die dunklen Strähnen zwischen dem gefärbten Blond. Es geht um Hereinfälle, verschmähte Liebe und Einsamkeit. Nur selten dringt durch den Sonnenschutz Licht an diese Lyrik. Dennoch glimmt in Rykarda Parasols Musik die Leidenschaft, denn es sind gerade die obskuren Stellen, von denen eine eigentümliche Anziehungskraft ausgeht. So mancher Hörer wird sich im Geiste in jene verrauchte Bar sehnen, wo man zwischen Girls und Gangstern einen Gin nach dem anderen herunterkippt, während aus der Juke-Box abwechselnd „Hannah Leah“ und „Candy Gold“ quäken.

Natürlich hat dieses Setting düsterer Motive auch etwas Kalkuliertes, bleibt in seinem Charakter aber stets würdevoll und glänzt vor allem durch Stil. Und wenn die Musik den Hörer so erwischt wie auf "Our Hearts First Meet", ist Stil ein willkommener Attraktivitäts-Bonus. Das nächste Album von Rykarda Parasol hat hoffentlich einen ähnlich hohen Lichtschutzfaktor. Der blasse Teint steht ihr nämlich vorzüglich. (Foto Credits www.XavierGomez.com © 2007)

Sonntag, November 18, 2007

Portishead - Dummy (1994)

Halbzeit bei „Tied To The 90’s“: Irgendwann 1994 zu Besuch in fremden Wohnzimmern. Mein Gastgeber meinte es gut mit mir, als er mir „Dummy“ vorspielte. Kennst Du das noch nicht? Ist doch gerade in aller Munde. Ne, kannte ich noch nicht. Wie ein ungestümer Hund an der Leine zog die Musik sogleich an meiner Aufmerksamkeit. Unser Gespräch war unwichtig geworden, und ich empfand das Mitteilungssbedürfnis meines Gegenübers eher als lästig, weil es mich vom Hören ablenkte. Es hat etwas Beunruhigendes, aber auch Tröstliches, dass Musik mitunter mehr wiegt als ein Mensch.

Sampling ist eine nicht zu unterschätzende Kunst. Man mag meinen, jeder Trottel wäre dazu in der Lage, doch nur wenigen gelingt es, aus Schnipseln etwas zu erschaffen, das über die Summe der einzelnen Teile hinausweist. Portishead zeigen dieses Können ein ganzes Album lang. Jagen spukende Geister durch „Mysterons“, bauen Kulissen für Gangsterfilme in „Sour Times“ oder haben in „Wandering Star“ für die Vergänglichkeit der Liebe nur ein trauriges Scratchen übrig. Am deutlichsten zeigt sich die Stärke der Neuformulierungen im direkten Vergleich, und zwar in der Bearbeitung von „Ike’s Rap“: Tricky macht aus dem Sample nichts Zwingendes, spricht ein paar Lyrics drüber, lässt aber ansonsten alles wie er es vorfindet (auf „Maxinquaye“); Portishead setzen es dagegen als Fundament für Beth Gibbons' inständiges Pochen auf die Einlösung des Fraulichen ein („Glory Box“). Wenn man sich im Jahre 2007 also ein neues Album aus South West England wünscht, sollte man seine Hoffnungen in die richtige Stadt tragen.

Mein Lieblingsstück auf „Dummy“ ist übrigens „Roads“. Beth Gibbons in dem Live-Video dazu zu sehen, weckt Erinnerungen an das Portishead-Konzert in Düsseldorf Anno 98. Die halbe Million Klicks bei Youtube beweisen, dass ich nicht der einzige bin, dem es gefällt. Und das vorschnelle Grölen aus dem Publikum beweist, dass es am Ende immer jemanden geben wird, der nicht die Klappe halten kann, wenn andere lieber der Musik lauschen wollen.


Sonntag, Oktober 28, 2007

Johann Johannsson: Englabörn

Es gibt nicht viele Alben, die in gerade mal 5 Jahren bereits zum Klassiker gedeihen. Englabörn, dem 2002 erschienenen Debüt des isländischen Tonkünstlers Johann Johansson, ist dies ohne großen Promotionsrummel gelungen. Die Nachfrage nach diesem sehr schnell vergriffenen und ursprünglich als Vertonung eines gleichnamigen Films gedachten Werk war so beachtlich, dass es nun eine Neuauflage erfährt. Zu Recht, denn die schlafwandlerische Sicherheit, mit welcher Englabörn eine Richtwerte setzende Symbiose von Mensch und Maschine erschaffen hat, kann gar nicht genug gewürdigt werden. Hier kommt zusammen, was eigentlich nicht zusammen gehört: Computer-Voices und orchestrale Akustik formulieren eine Neu-Definition des Humanoiden. R2-D2 gesellt sich zu einem Streichquartett, vor dessen natürlichem Klangkörper er aus blecherner Brust ein lateinisches Gedicht anstimmt. Es sind starke Kontraste, mit denen die Musik ihre Zuhörerschaft in einen unausweichlichen Bann zieht. Derart sprachlose Gesichter dürfte man zuletzt bei Konzerten von Johannssons Landsmännern Sigur Rós aufgesetzt haben. Noch gehen uns diese Melodien viel zu nahe, doch in 15 Jahren wird man zurückschauen und in einem Stück wie „Odi et Amo“ das Wegweisende erkennen. Der Autor dieser Zeilen bittet übrigens mit Nachdruck, man möge ihn zu gegebener Zeit an seine Worte erinnern.

Donnerstag, September 20, 2007

In eigener Sache. Donna Regina - More

Wer zuletzt in einer mittelgroßen Stadt im Ruhrgebiet regelmäßig ins Kino ging, bekam in schöner Wiederkehr Donna Reginas How Beautiful zu hören. Ein lokaler Energieanbieter hatte offensichtlich Geschmack bewiesen und seine Werbebotschaft mit der hübschesten Musik, die man dafür hätte aussuchen können, unterlegt. Nicht zum ersten Mal war eine PR-Abteilung aufmerksam gewesen: Bereits vor Jahren hatte der Spot eines Autoherstellers den Klangwelten aus Köln große Popularität in Japan beschert.

Auch auf More, dem mittlerweile 10. Album von Donna Regina, finden sich einige Stücke, die wie geschaffen für die Untermalung von bewegten Bildern sind. Das liegt an den vielen offenen Andeutungen von musikalischen Motiven, die weiten Raum für Assoziationen lassen. Und an der sanften Verzagtheit der Stimme von Regina Janssen, die ihre Geschichten dagegen perspektivisch absteckt und die Welt stets nur in Ausschnitten besingt. Good Morning Day etwa bietet durch seine einminütige Prägnanz die ideal begrenzte Projektionsfläche für die eigene Erinnerung an verharschte Tage, auf denen man mal wieder ausgerutscht ist. Heart Oh Heart wiederum kartographiert in epischer Breite nie gesehene Traumlandschaften, während sich Dream On als heimlicher Hit des Albums empfiehlt. Und im Titelstück gleitet ein elektrisiertes Glockenspiel über sich nur gemächlich entwickelndes Schlagwerk – das musikalische Pendant zu der Einsicht, dass man vom Leben immer mehr erwartet als es zu geben bereit ist.

So liefern die zehn Stücke auf More Mini-Soundtracks zu ungefähren Ortschaften, die ihre aparte Schönheit erst im Auge des Betrachters vollends entfalten und deren Eigenart der Hörer durch seinen Besuch immer auch ein kleines bisschen mitgestaltet. More gibt einem die Eintrittskarte zum eigenen Kopfkino in die Hand. Es wäre demnach nicht verwunderlich, wenn sich die nächste große Kampagne wieder bei Donna Regina bedienen würde. Die beste Werbung hat das Duo jedenfalls in eigener Sache gemacht. More

Sonntag, September 09, 2007

Josh Rouse – Country Mouse, City House

„Country Mouse, City House“ ist das mittlerweile siebte Album des aus Nebraska stammenden und aktuell in Valencia lebenden Sängers – und wie jeder seiner Vorgänger hätte es auch in den 70ern erscheinen können. Denn das ist das Jahrzehnt, an dem Rouses Songwriting und Arrangements geschult sind. Vor allem am Pop wie man ihn vor 30 Jahren mochte. In einer besseren Welt wären Songs wie „Sweetie“, „Italian Dry Ice“ oder „London Bridge“ Vier-Minuten-Super-Novas am sonst spärlich beleuchteten Hitparaden-Himmel. Stattdessen verstecken sie sich als funkelnde Kleinode, nach denen sich zu suchen lohnt. Dabei bleibt die Musik auf „Country Mouse, City House“ überwiegend verhalten, ja bescheiden, und nur selten wird’s mal etwas flotter wie in „Nice To Fit In“. So bietet das Album neun kleine Abschiede vom Sommer, „something with more of a “wintry” feel“, wie Rouse selbst sagt. Musik also, die in eine alte Zeit zurück und in eine neue herüber trägt. Wann wird’s mal wieder richtig Winter? Reinhören.

Freitag, August 10, 2007

The Afghan Whigs – Gentlemen (1993)

Hier also, in dem Land, von dem Du glaubtest, es kenne keine gute Musik, liefen im TV, viel zu spät, immer wieder dieselben drei Videos. Eines hieß „Disarm“, das andere hast Du vergessen, das dritte war „Debonair“ von den Afghan Whigs. Wie oft hast Du ihr, in der Via Santa Maria, im Geiste diese Worte vorgesungen:

Hear me now and don't forget
I'm not the man my actions would suggest
A little boy, I'm tied to you
I fell apart
That's what I always do

Und Dich aber tatsächlich nie getraut. Du feiger Hund in love hast Dich lieber lächerlich gemacht und Dich im Dreck aus Selbstmitleid gewälzt. Aber immerhin, da war die Musik, wenn Du entlang der schiefen Schatten um den Turm gestreunt bist oder Deine verzweifelte Lache von der Brücke auf die Züge sprang. „'Cause it don't bleed and it don't breathe / It's locked its jaws and now it's swallowing / It's in our heart / It's in our head / It's in our love / Baby it's in our bed”. Die Seuche griff gnadenlos um sich, alles war von deinen kranken Gefühlen befallen. Aber, da war die Musik, das einzige, was noch etwas zählte und so sehr du sie auch bespucktest, sie war immun gegen jede Attacke, sie dröhnte groß und mächtig über die Piazze, über die Corsi, bis in die kleinsten Vicoli war sie zu hören und wenn dir auch sonst nichts von jenen Tagen geblieben ist, so doch die Erinnerung an deinen Daumen, wie er auf Play drückte, damit du den Text von „If I Were Going“ auswendig lerntest, damit dir was zu sagen blieb, wenn du dir selbst beim Gang zu den eignen Worten mal wieder im Wege stehen solltest. Und wenn auch das nichts half, dann skipptest du eben vor bis zum letzten Lied, dem Schlussgebet ohne Worte, das hatte keine Worte, das brauchte keine Worte. Es war nur Musik.