Mittwoch, Juli 07, 2010

Prince live - Waldbühne Berlin - 05.07.2010

Ich wollte ja erst gar nicht hin. Zu teuer erschien mir die ganze Unternehmung (Ticket, Anreise, usw.), zudem hatte sich meine Leidenschaft für die Musik des Prinzen aufgrund seiner zuletzt mediokren Platten mit unansehnlicher Cover-Gestaltung und meiner immer größeren Abstand aufbauenden musikalischen Fortbewegung in andere Richtungen deutlich abgekühlt. Doch dann wurde mir über ein paar Ecken eine Karte zu einem guten Kurs angeboten – und da stand ich also am 05. Juli 2010 im Block H der Berliner Waldbühne. „Adolfs Amphitheater“ kam mir in den Sinn, und trotz der Ankündigung als einziges Konzert in Deutschland waren einige Reihen licht. Immerhin hatte man von wirklich jedem Platz aus gute Sicht. Kurz vor 20 Uhr ging es los. Ich habe mittlerweile aufgehört mich dafür zu interessieren, mit welchen Musikern Prince sich gerade umgibt, also kann ich den lustigen Lakeien mit der Mundharmonika, welcher eine skurrile Konzerteröffnung abgab, nicht namentlich benennen. Der erste eigentliche Prince-Song war jedenfalls „Venus De Milo“, eine große Überraschung, auf die leider erst mal keine mehr folgen sollte: Let's Go Crazy, 1999, Little Red Corvette, hier war nun mal mit vielen Hits zu rechnen, aber ich mag das alles live nicht mehr hören. Nachdem die ersten Party-Raketen abgefeuert waren, geschah etwas Unerwartetes: Die rigide Platzzuweisung wurde aufgehoben, die Massen strömten nach unten, also nutzte auch ich die Gunst des Augenblicks, ein Sprung über die Mauer, ein paar Sätze die Treppe runter und schon stand ich wenige Reihen von der Bühne entfernt. So nah am Geschehen wurde ich gleich besser mitgenommen: die großen Gesten, das kalkulierte Entertainment, sie packten mich und ließen auch meine Arme in die Luft fliegen. Prince ist und bleibt nun mal einer der besten und mitreißendsten Live-Entertainer des Planeten – und nach Michael Jacksons Ableben ist er wohl der einzige, der pure Selbstreferenz zelebrieren kann, ohne dass es peinlich wirkt. Spätestens ab „Ol’Skool Company“ gab es für mich jedenfalls kein Halten mehr, ich hüpfte wie Prince und Sheila E. auf imaginären Bettenburgen und freute mich besonders über einen aufgepimpten Klassiker: Kiss! Ein Song, der live schwierig umzusetzen ist, dabei nie so richtig funktionierte, an diesem Abend aber dank Frischzellenkur im Arrangement neu erstarkte. Mit solch schönen neuen Kleidern lass ich mich auch von den alten Schabracken gerne verführen. Dass Sprechchöre aus dem Publikum dann „Purple Rain“ einforderten und Prince es auch noch spielte, ach, das war okay, er hatte mich zuvor mit der Wiederentdeckung einer alten Liebe milde gestimmt: Forever In My Life. Mein Blick auf dieses wunderschöne Liebeslied habe ich hier mal reingestellt (Anm. der Redaktion: Geduld bitte, ich muss das Video noch bearbeiten). Wenn ich ein Fazit ziehen soll: Ein sehr schöner Konzertabend, nicht so überwältigend wie die ONA-Auftritte vor 8 Jahren, dennoch voller Glückshormone aktivierender Impressionen. Ich bin nun auf das neue Album gespannt. Und hey Prince, wenn Du mal für Deine Platten ein cooles Cover statt dieser hässlichen Air-Brush-Bumsbuden-Zeichnungen, die wohl leider auch „20ten“ verschandeln wird, verwenden möchtest, dann sprich mich doch einfach an. Ich könnte da durchaus jemanden vermitteln.

Donnerstag, Juni 10, 2010

The Greatest Dancers #2 - Seventh Heaven

Dieses Stück habe ich bestimmt schon sechsmal aufgelegt und nie hat es jemand gemerkt. Es ist das Werk einer heiligen Trinität, bestehend aus Gwen Guthrie (singt), Sly & Robbie(produzieren) und dem keiner weiteren Erläuterung bedürftigen Mixfather Larry Levan. Von eher sperrigem Arrangement eignet es sich nicht unbedingt für die Nummer-Sicher-Kiste. Dieser Bass braucht ein bisschen Geduld und ein aufgeschlossenes Publikum. Hier also "Seventh Heaven", die Siebte:

Montag, Juni 07, 2010

Happy Birthday, Prince!

So wie's aussieht, werde ich wohl nicht nach Berlin fahren. Über 150 € für ein Prince-Konzert auszugeben, dazu sehe ich mich gerade nicht in der Lage. Es sei denn, es findet sich noch ein Gönner oder Mäzen für nur-die-guten. However, allen, die schon eine Karte haben, wünsche ich viel Spaß und Roger Nelson natürlich alles Gute zum 52.

Samstag, Mai 29, 2010

Prince in Berlin - 05.07.2010

Fast acht Jahre ist es her, dass ich zuletzt auf einem Prince-Konzert war (für die Komplettisten: 27.10.2002, Arena Oberhausen). Nachdem ich schon versucht war, mir ein Ticket für Werchter zu kaufen, kam diese Meldung rein: "Prince kommt für ein einziges Deutschlandkonzert nach Berlin. Der exklusive Vorverkauf startet am morgigen Sonntag, 30.05., um 10 Uhr." Na ja, dass Prince nur für ein einziges Konzert nach Deutschland käme, hatte man schon 1988 behauptet, um möglichst viele Besucher ins Frankfurter Waldstadion zu locken. Ich bin seinerzeit drauf reingefallen, nur, um mir dann noch ein weiteres Ticket für Dortmund besorgen zu müssen. Auch diesmal werde ich sehenden Auges meine Risikobereitschaft in finanziellen Transaktionen unter Beweis stellen, wenn ich morgen früh wieder vor der Kiste sitze, um mir eine Karte zu sichern. Wer Lust darauf hat, schneller zu sein als ich, kann das hier probieren.

Mittwoch, April 14, 2010

Rundlauf Bochum – 30.04. und 01.05.2010

In der Vergangenheit hat nur-die-guten Veranstaltungshinweise immer nur in eigener Sache gegeben. Damit ist von heute an Schluss, auch deswegen, weil die guten-Macher, nun, sagen wir aus familiären Gründen, selbst in Zukunft etwas kürzer treten müssen. Umso mehr sei eine Veranstaltung ans Herz gelegt, die mit der „Vereinigung unterschiedlichster Kunstformen und […] ungewöhnlicher Veranstaltungsorte“ und einem facettenreichen Programm aufwarten kann: Theater, Musik, Lesung, Vernissage – alles dabei! An dieser Stelle sein willkürlich der Funkloch-Abend mit Hans Nieswandt und die Ausstellung der Bochumer Künstlerin Marion Stephan hervorgehoben. Zu letzterer fahre ich dann mal mit dem Kinderwagen vor. Alle weiteren Infos bitte nachlesen unter: www.rundlauf-bochum.de

Samstag, April 10, 2010

Maximilian Hecker: Essen – Grend – 09.04.2010

Wie oft habe ich Maximilian Hecker im Grend gesehen? Ich habe aufgehört zu zählen. Wieso gehe ich immer wieder zu seinen Konzerten? Ich habe aufgehört, mich das zu fragen. Eine mögliche Erklärung wäre: Hecker macht die schönste Mädchenmusik der Welt. Eine andere, weniger plausible, könnte sein: Der „neue Hecker“ trägt, wie er selbst sagt, Hugo-Boss-Unterhosen und rezitiert über den Beckmannschen Wichsfleck, gibt also keine schlechte Referenz für die eigene, altersbedingte Kauzigkeit ab. Zu seinem neuen Album (mit dem hochmütigen Titel „I Am Nothing But Emotion, No Human Being, No Son, Never Again Son“) habe ihn jedenfalls die Begegnung mit einer Tokioter Prostituierten inspiriert (ich sollte mal ausprobieren, ob ein Besuch in der hauseigenen Massagepraxis einen ähnlichen Kreativschub für die zuletzt nur noch vor sich hin vegetierende guten-Seite hätte). Ihr widmet der wunderliche Waldschrat die meisten Titel, singt mal mit Kopf- mal mit Bruststimme unendliche Variationen von Isolation, Einsamkeit, Verzweiflung und unerwiderter Liebe. Der neue Hecker ist also ganz der alte. Das Sinnstiftende dieser Konzerte im Grend besteht ohnehin darin, sich an lieb gewonnenen Ritualen zu erfreuen; hat doch ein Seufzer im Kollektiv weniger Widerhall als in den eigenen vier Wänden. Nach kaum einer Stunde geht Hecker von der Bühne. Er kennt die rechte Zeit. Junge, komm bald wieder.

Donnerstag, November 05, 2009

Flyte Tymes

Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die romantischen Versprechen des R’n’B und die harten Taktungen des HipHop zu einer aufschäumenden Melange zusammengerührt: New Jack Swing hieß dieser eigenwillige Hybrid aus Plastik-Rhythmen, Street-Styles und Crooner-Attitüde, der von Produzenten wie Babyface oder Bands wie Guy so erfolgreich wie kurzweilig zum Leben erweckt wurde. DJ Steven From Bascom möchte an prominente, peinliche und unbekannte Momente des Genres erinnern und dabei (weil man keinem Menschen einen ganzen Abend lang nur Platten von Keith Sweat zumuten kann) weder die Wegbereiter noch Weiterdenker vergessen. Vor allem aber gilt es, jenem Duo zu huldigen, dessen Produktionen New Jack Swing zu eigenständiger Physiognomie verholfen haben: Jimmy Jam und Terry Lewis. So come on and have a Flyte Tyme.

06.11.2009
Goldkante, Bochum
21.30 Uhr

Freitag, September 18, 2009

Die Herzen fallen weich - Fennesz vs. Sparklehorse

In schöner Regelmäßigkeit bringt der unabhängige Niederländische Musikvertrieb Konkurrent die Reihe „In the Fishtank“ heraus. Dabei werden Musiker unterschiedlichster Herkunft ins Aufnahmestudio eingeladen, wo sie für ihre Kollaboration zwei Tage absolute Narrenfreiheit bekommen. Für Ausgabe 15 könnte das Experiment kaum aufregender sein. Hier kommen zwei Klang-Konzeptionisten zusammen, deren musikalische Kräfte förmlich danach drängen, sich aneinander zu reiben und aufeinander zu wirken: Der österreichische Laptop-Gitarrist Christian Fennesz und der schrullige Lo-Fi-Popper Mark Linkous von Sparklehorse. Erste Begegnungen gab es bereits bei gemeinsamen Live-Auftritten. Dort deutete sich das an, was hier auf sieben Stücken ausgedehnten Freiraum bekommt: Das Ausbreiten großzügiger Klangteppiche, auf denen akustische Settings und elektronische Clicks und Cuts mal lange Spaziergänge unternehmen („Music Box Of Snakes“), mal nervös herumwuseln („Shai-Hulud“) oder sich im verzerrten Eskapismus gefallen („NC Bongo Buddy“). Meist wird auf Gesang verzichtet, doch wenn Mark Linkous seine Stimme zu wenig mehr als einem Flüstern erhebt, spürt man wieder dieses Ziehen in der Brust („If My Heart“). Keine Sorge, das Wasser im Fischtank ist warm, die Herzen fallen weich.

Montag, September 07, 2009

Don't Call Us Whiteys, Digga!

Neulich trafen sich Grandmasta Makko & The Curious Don zwecks Sezierung ihrer Hip-Hop-Platten. Sie waren selbst gespannt darauf, welche Elemente übrig bleiben würden und auf welche man keinesfalls verzichten durfte, um am Ende einen guten Track zu behalten. Schnell wurde klar: Sie waren hoffnungslose Old-School-Romantiker! Ein couragierter Beat, ein rastloser Rap und ein irres, Horizont erweiterndes und die Stimmung des Stücks zwingendes Sample genügten, um ihre Glückshormone in Wallung zu bringen. Sie mögen keine Ahnung haben, welche Baggy Pants man in den letzten 5 Jahren zu tragen hatte, aber niemand macht ihnen was vor, wenn es um die Benennung der Quellen geht, die ihre Helden (A Tribe Called Quest, De La Soul, The Roots und viele mehr) einst zitierten. Wer nun denkt, Grandmasta Makko & The Curious Don hielten an dem Abend lediglich eine Geschichtsstunde ab, der bekommt eine Extraladung Lushlife und Mos Def vor den Latz geknallt. Und schließlich dürfen auch ein paar deutsche Maulhelden noch einmal ihre Klappe aufreißen. Fly Girls und B-Boys, checkt das mal aus, ne?

Fr., 11.09.2009 | 22:00 Uhr | Goldkante, Bochum

Donnerstag, August 13, 2009

nur die guten vs. Wendy & Lisa

Ich komme so langsam in ein Alter, wo man zu jenen Worthülsen neigt, vor denen man sich in jungen Jahren gefürchtet hat. Wie etwa "Dass ich das noch erleben darf" oder "So jung kommen wir nicht mehr zusammen". Irgend einer dieser Sätze schoss durch meine Gedankenstube, als ich erfuhr, dass meine in doch mühevoller Kleinstarbeit aufgenommene Tanzperformance ins neue Wendy & Lisa-Video "Salt & Cherries" eingebunden wurde. Nähere Infos zur Vorgeschichte finden sich hier. Man wird mir ollem Muffelpeter an dieser Stelle eine kleine Träne des Glücks im Knopfloch hoffentlich zugestehen wollen. Und wenn nicht, eat this!

Donnerstag, Juli 02, 2009

Masha Qrella - Speak Low

Die Präsenz von Berliner Künstlern auf dem New Yorker Broadway war insbesondere in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts ausgesprochen stark. Zwei Exilanten deutscher Herkunft trugen mit ihrem Wirken maßgeblich zum seinerzeit vitalen Musical-Boom bei: Frederick Loewe und der unvergessene Kurt Weill. Ihre Kompositionen hat die Berliner Musikerin Masha Qrella neu interpretiert und damit für heutige Pop-Zirkel wieder anschlussfähig gemacht.

„Speak Low – Loewe And Weill in Exile“ heißt das Werk, auf dem Qrella sich den Stücken von einst mit den musikalischen Mitteln ihrer Bands Mina und Contriva nähert. Mag die Verbindung zwischen den bis zu 60 Jahre alten Swing- und Jazz-Melodien und Qrellas elektronisch-instrumentalem Frühwerk zunächst nicht unbedingt auf der Hand liegen, so gibt es doch einen gemeinsamen Nenner. Und der findet sich eindeutig in der Pop(ulär) Musik. „Broadway - Cradle of Popular Music“ lautete im Oktober 2007 das entsprechende Motto der Festlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des Berliner Haus der Kulturen der Welt, die von Qrella für einen Abend mitgestaltet wurden und die der vorliegenden Sammlung vorausgingen. „Die Songs von Weill und Loewe“, so Detlef Diederichsen, der Kurator der Veranstaltung, wurden „dahingehend überprüft, inwieweit sie rund ein halbes Jahrhundert später noch Relevanz besaßen“. Zudem sollte die Neubearbeitung der Stücke von jemandem übernommen werden, der einerseits eng mit der deutschen Hauptstadt verbunden ist, andererseits einen möglichst genrefremden und damit unbeschwerten Zugang zu den Originalen findet. Masha Qrella bringt diese Eigenschaften mit und setzt sie mit kluger Zurückhaltung ein. Mit Unterstützung einer exzellenten Band flößt sie den alten Kompositionen eine neue Energie ein, freilich eine Energie, die ihre Kraft aus aktuellen Pop-Pattern schöpft und ihre Richtung mit Bedacht, ja geradezu nachdenklich wählt.

Pathos und Überschwang der Originale werden auf „Speak Low“ auf eine nachvollziehbare Gefühlsebene herabgeholt. Diese Reduktion auf das Wesentliche geht einher mit einem Zugewinn an Lakonie und an etwas, das man mit „emotionale Behutsamkeit“ einfassen könnte. So wird Weills „Speak Low“, das die Four Freshmen einst mit trompetendem Gebalze vortrugen, zum filigranen Indiepop umgedeutet. Dann gibt es da noch den „Wandering Star“, dessen Geist durch den brummenden Lee Marvin endgültig in der Whiskey-Flasche gebannt schien, bei Qrella jedoch zu munter geschlagenen Akkorden als frische Herbstbrise davon sausen darf. Und erst die anmutige Aufarbeitung von „I Talk To The Trees“ offenbart, dass es sich hier um eine der schönsten Loewe-Melodien überhaupt handelt. Angesichts ihres originären Zaubers fällt es schwer zu glauben, dass diese Songs gecovert sein sollen. Oder wie Detlef Diederichsen die Wirkung dieser Sammlung beschreibt: „Wer nicht um ihre Herkunft weiß, wird Mashas neue Stücke womöglich einfach als neue Qrella-Originale annehmen.“


Freitag, Juni 26, 2009

R.I.P. MJ

Erste Begegnung mit 12 oder so. Video von Billie Jean. Ist das ein Mann oder eine Frau? Achtundachtzig das mein endpubertäres Gemüt schwer beeindruckende Konzert im Müngersdorfer Stadion. Anfang der 90er die irre New Jack Swing-Scheibe Dangerous. Irgendwann Mitte der 90er die Wiederentdeckung von Thriller, Anfang der "Nuller" dann die von Off The Wall. Nicht zu vergessen die vielen Standards, welche man beim Auflegen stets dabei hatte. Denn Billie Jean ging zur Not ja immer. Dies also die Berührungspunkte mit dem King Of Pop im Laufe meiner muskalischen Sozialisation. Und jetzt? Möge er in Frieden moonwalken.