Sonntag, Dezember 23, 2007

The Beginning Before The End

Zu Weihnachten gibt es bekanntlich viele Überraschungen. Und weil das so ist, wollen sich Frl. W. und der Don bei Ihrer Musikauswahl noch nicht festlegen. Besinnlich bis tanzbar, verschmust und popo-wackelig, mitsingend oder melancholisch: alles scheint möglich. Fest steht aber: Sie bringen doppelt geschenkte oder zu gut gemeinte Gaben mit und packen diese in die große Tauschkiste. Wer mag, tauscht mit. Publikumsbescherung!

Mittwoch, 26. Dezember 2007. Goldkante. Bochum, Herner Str. 13, Ab 21 Uhr.

Donnerstag, Dezember 13, 2007

Lichtschutzfaktor Leidenschaft - Rykarda Parasol

Ein strenger Blick wie Faye in „Bonnie and Clyde“, eine Stimme, die dunkle Erinnerungen an Patti Smith weckt und ein Nachname, der so viel wie „Sonnenschirm“ bedeutet: Bei Rykarda Parasol wird das Dräuende, Abgründige und Dunkle zum Programm und zum wertvollen Pfand, mit dem sich die fille noire aus San Francisco in die Riege bemerkenswerter Debütantinnen gewuchert hat.

"Our Hearts First Meet" heißt ihr erstes Album, nachdem 2003 bereits die EP "Here She Comes" erschienen war. Fünfzehn rätselhafte Folk-Songs, die schwere Titel tragen, etwa "How Does A Woman Fall" oder "Lonesome Place"; in denen verzweifelte Sätze fallen wie "The sky has gone black on us / Don’t you weep" oder "I made a decision when nothing was good / And I knew I would lose". Worte also, die immer wieder auf das Abgründige unter der ansehnlichen Oberfläche verweisen, auf die dunklen Strähnen zwischen dem gefärbten Blond. Es geht um Hereinfälle, verschmähte Liebe und Einsamkeit. Nur selten dringt durch den Sonnenschutz Licht an diese Lyrik. Dennoch glimmt in Rykarda Parasols Musik die Leidenschaft, denn es sind gerade die obskuren Stellen, von denen eine eigentümliche Anziehungskraft ausgeht. So mancher Hörer wird sich im Geiste in jene verrauchte Bar sehnen, wo man zwischen Girls und Gangstern einen Gin nach dem anderen herunterkippt, während aus der Juke-Box abwechselnd „Hannah Leah“ und „Candy Gold“ quäken.

Natürlich hat dieses Setting düsterer Motive auch etwas Kalkuliertes, bleibt in seinem Charakter aber stets würdevoll und glänzt vor allem durch Stil. Und wenn die Musik den Hörer so erwischt wie auf "Our Hearts First Meet", ist Stil ein willkommener Attraktivitäts-Bonus. Das nächste Album von Rykarda Parasol hat hoffentlich einen ähnlich hohen Lichtschutzfaktor. Der blasse Teint steht ihr nämlich vorzüglich. (Foto Credits www.XavierGomez.com © 2007)

Dienstag, November 27, 2007

Mittwoch, November 21, 2007

Sonntag, November 18, 2007

Portishead - Dummy (1994)

Halbzeit bei „Tied To The 90’s“: Irgendwann 1994 zu Besuch in fremden Wohnzimmern. Mein Gastgeber meinte es gut mit mir, als er mir „Dummy“ vorspielte. Kennst Du das noch nicht? Ist doch gerade in aller Munde. Ne, kannte ich noch nicht. Wie ein ungestümer Hund an der Leine zog die Musik sogleich an meiner Aufmerksamkeit. Unser Gespräch war unwichtig geworden, und ich empfand das Mitteilungssbedürfnis meines Gegenübers eher als lästig, weil es mich vom Hören ablenkte. Es hat etwas Beunruhigendes, aber auch Tröstliches, dass Musik mitunter mehr wiegt als ein Mensch.

Sampling ist eine nicht zu unterschätzende Kunst. Man mag meinen, jeder Trottel wäre dazu in der Lage, doch nur wenigen gelingt es, aus Schnipseln etwas zu erschaffen, das über die Summe der einzelnen Teile hinausweist. Portishead zeigen dieses Können ein ganzes Album lang. Jagen spukende Geister durch „Mysterons“, bauen Kulissen für Gangsterfilme in „Sour Times“ oder haben in „Wandering Star“ für die Vergänglichkeit der Liebe nur ein trauriges Scratchen übrig. Am deutlichsten zeigt sich die Stärke der Neuformulierungen im direkten Vergleich, und zwar in der Bearbeitung von „Ike’s Rap“: Tricky macht aus dem Sample nichts Zwingendes, spricht ein paar Lyrics drüber, lässt aber ansonsten alles wie er es vorfindet (auf „Maxinquaye“); Portishead setzen es dagegen als Fundament für Beth Gibbons' inständiges Pochen auf die Einlösung des Fraulichen ein („Glory Box“). Wenn man sich im Jahre 2007 also ein neues Album aus South West England wünscht, sollte man seine Hoffnungen in die richtige Stadt tragen.

Mein Lieblingsstück auf „Dummy“ ist übrigens „Roads“. Beth Gibbons in dem Live-Video dazu zu sehen, weckt Erinnerungen an das Portishead-Konzert in Düsseldorf Anno 98. Die halbe Million Klicks bei Youtube beweisen, dass ich nicht der einzige bin, dem es gefällt. Und das vorschnelle Grölen aus dem Publikum beweist, dass es am Ende immer jemanden geben wird, der nicht die Klappe halten kann, wenn andere lieber der Musik lauschen wollen.


Montag, November 12, 2007

Bran Van 3000 - Call Me

Die 90er waren fast vorbei, ich dachte schon, da käme nichts mehr, doch dann kamen Bran Van 3000 und retteten, was es noch zu retten gab. Aber dazu bei anderer Gelegenheit mehr. Ich habe noch gar nichts zu "Call Me" geschrieben, dem ersten Lebenszeichen vom mehr oder weniger losen kanadisachen Musikerkollektiv um James Di Salvio seit gut sechs Jahren. Dabei ist diese Neuigkeit inwzischen bereits keine mehr. Das Stück hat den schönsten Anfang, den Bran Van bisher vollbracht haben, noch schöner als der von "Astounded", wo man in punkto Spannungssteigerung bereits konkurrenzlos gut war. Tja, und dann...dann kommt ein Refrain, der vielleicht einen Tick zu gefällig agiert und zuletzt eine Art Reggae-Break, das mich nach dem ersten Hören sehr empört hat, weil er so gar nicht zu der zuvor aufgebauten Stimmung passen wollte. Inzwischen bin ich etwas versöhnlicher gestimmt, schließlich haben Bran Van 3000 schon immer großen Spaß am Aufbrechen von Gewohnheiten gehabt. Vielleicht kriegen sie mich auf meine alten Tage sogar noch zum Kiffen. Ich freue mich auf Rosé.


Dienstag, November 06, 2007

Prince Fans United


via

PRESS RELEASE - FOR IMMEDIATE RELEASE

November 5, 2007

PRINCE FANS FIGHT BACK AGAINST ATTACKS

In an extraordinary, but not unfamiliar move, the rock legend Prince is using an army of lawyers to launch attacks on his own fans.

Several of the largest web communities dedicated to the artist have received notices to cease and desist all use of photographs, images, lyrics, album covers and anything linked to Prince's likeness.

It is our opnion that these threats are not made in an attempt to enforce valid copyright as Prince alleges in his threats, rather we believe they are attempts to stifle all critical commentary about Prince. We strongly believe that such actions are in violation of the freedom of speech and should not be allowed. Prince claims that fansites are not allowed to present any artwork with Prince's likeness, to the extreme that he has demanded removal of fan's own photographs of their Prince inspired tattoos and their vehicles displaying Prince inspired license plates.

Prince's representatives have requested that the fansites provide them with "substantive details of the means by which you [the fansites] propose to compensate our clients [Paisley Park Enterprises, NPG Records and Anschutz Entertainment Group (AEG)] for damages..."

The owners of the three largest fansites supporting Prince: www.housequake.com, www.princefams.com and www.prince.org have come together to fight back to what amounts to an injustice to the fansites and the very fans who have supported Prince's career, many since the very beginning nearly thirty years ago.

It is their hope that Prince will reconsider his position and allow these fansites to continue their existence without constant threats from Prince and his attorneys. Should this not be possible, the fansites are fully prepared to defend their position in the proper court of law, as well as fully prosecute any claims to which they are justly entitled.

The owners of housequake.com, princefams.com and prince.org acknowledge that, while Prince is entitled to control of his copyrights, it should be within the law. The law clearly provides for displaying of images of a celebrity's likeness for newsworthy events or matters that are considered to be public interest. All three websites feel that the photographs and/or likeness displayed on their websites clearly fall within the public interest category. Additionally, the use of photographs is legal based on the fair use doctrine, i.e. the displaying of album cover art, or the collage headers created by website members using a variety of different photographs.

For housequake.com: Aaron A. Sikkink and Karyn Avera
For princefams.com: Endre Adolfsen and Jonathan Nice
For prince.org: Ben Margolin

For more information, please contact the Prince Fans United Group spokesperson:
Karyn Avera at:pfu@housequake.com.

Sonntag, November 04, 2007

When Someone Great Is Gone

Sonntag, Oktober 28, 2007

Johann Johannsson: Englabörn

Es gibt nicht viele Alben, die in gerade mal 5 Jahren bereits zum Klassiker gedeihen. Englabörn, dem 2002 erschienenen Debüt des isländischen Tonkünstlers Johann Johansson, ist dies ohne großen Promotionsrummel gelungen. Die Nachfrage nach diesem sehr schnell vergriffenen und ursprünglich als Vertonung eines gleichnamigen Films gedachten Werk war so beachtlich, dass es nun eine Neuauflage erfährt. Zu Recht, denn die schlafwandlerische Sicherheit, mit welcher Englabörn eine Richtwerte setzende Symbiose von Mensch und Maschine erschaffen hat, kann gar nicht genug gewürdigt werden. Hier kommt zusammen, was eigentlich nicht zusammen gehört: Computer-Voices und orchestrale Akustik formulieren eine Neu-Definition des Humanoiden. R2-D2 gesellt sich zu einem Streichquartett, vor dessen natürlichem Klangkörper er aus blecherner Brust ein lateinisches Gedicht anstimmt. Es sind starke Kontraste, mit denen die Musik ihre Zuhörerschaft in einen unausweichlichen Bann zieht. Derart sprachlose Gesichter dürfte man zuletzt bei Konzerten von Johannssons Landsmännern Sigur Rós aufgesetzt haben. Noch gehen uns diese Melodien viel zu nahe, doch in 15 Jahren wird man zurückschauen und in einem Stück wie „Odi et Amo“ das Wegweisende erkennen. Der Autor dieser Zeilen bittet übrigens mit Nachdruck, man möge ihn zu gegebener Zeit an seine Worte erinnern.

Freitag, Oktober 19, 2007

Die Universal Tellerwender...in der Speisekammer

"Wir alle spielen Theater“. Das wusste bekanntlich schon Erving Goffman. „Und wir spielen alle guten Lieder“, so die Antwort vom Frl. W. und meiner Wenigkeit. Soll heißen: Im Anschluss an die Uraufführung des Theaterstücks „Trotzdem“ (zu sehen in den Bochumer Kammerspielen) findet morgen in der Speisekammer eine Premieren-Party statt, zu der wir den musikalischen Überbau liefern. „Wir drehen wirklich Teller, wir tun nicht so“ (frei nach den Sternen). Irgendwie muss man sich ja sein Abendessen verdienen. Sehr attraktive Schauspielerinnen und Schauspieler sollen auch kommen. Wurde uns jedenfalls so gesagt. Und wenn nicht, dann könnt ihr ja kommen. Die Premieren-Party ist nämlich offen für alle und der Eintritt ist frei. Die Party, also, für alle Starlets und solche, die es werden wollen. Here we go:


Die Universal Tellerwender
Speisekammer Bochum (Kammerspiele / Schauspielhaus)
Königsallee 15
44789 Bochum
Samstag, 20. Oktober 2007
So ab 22 Uhr (das wissen wir selber nicht so genau)
Ihr wisst bescheid!

Donnerstag, Oktober 18, 2007

Travis – E-Werk Köln – 17. Oktober 2007

Travis waren mal wichtig. Mit „The Man Who“ hatten Sie 1999 eine Platte allein für mich und mein Leben gemacht. So schien es mir zu jener Zeit zumindest, denn jedes Wort und jeder Ton in Liedern wie „Writing To Reach You“ oder „Driftwood“ traf einen Nerv in meiner damals unruhig vor sich her stolpernden Gemütslage. „The Invisible Band“ fand ich 2001 noch ganz hübsch, mit „12 Memories“ konnte ich jedoch gar nichts mehr anfangen und vom aktuellen Album wusste ich bis vor kurzem nicht einmal, dass es überhaupt erschienen war. Travis waren im Laufe der Zeit irgendwie egal geworden, viel zu sehr „Tied To The 90’s“ (ja, ich weiß, dass ich an der Rubrik mal weiterschreiben muss) und viel zu stark an Erlebnissen gebunden, mit denen ich längst abgeschlossen hatte, als dass sie noch aktuelle Relevanz für sich hätten beanspruchen können. Meine Erwartungen waren also nicht besonders hoch als mich ein Freund anrief und mir eine Karte fürs Travis-Konzert im E-Werk anbot, die er noch übrig hatte.

Ich wurde äußerst positiv überrascht. Nicht weil die neuen Songs mich überrollt hätten, sondern weil es einfach unmöglich ist, Travis schlecht zu finden: Selten so im allerbesten Sinne sympathische, spielfreudige und humorvolle Musiker gesehen. Gerade die Kategorie „Humor“ ist ja eine große Unbekannte bei den ansonsten bedeutungsschweren Gesten der The-Bands dieser Welt. Und ich würde freiwillig für den Rest meines Lebens Fran Healys spitze Kopfstimme in „Closer“ über mich ergehen lassen, wenn ich dafür nie wieder die Schwiegermutter-Beschwörungen von James Blunt hören müsste (an dieser Stelle gebe ich gerne zu, dass meine James-Blunt-Abneigung immer absurdere Züge annimmt). Außerdem hatten Travis einen lustigen schwedischen Gast-Pianisten namens Claus dabei, der von den noch lustigeren Fans frenetisch abgefeiert wurde. Scheint so ne Art Running-Gag auf Travis-Konzerten zu sein. Das Stadion-Geklatsche zwischendurch braucht natürlich kein Mensch und Travis sind jetzt auch nicht urplötzlich wieder Gott weiß wie wichtig geworden. Aber sie sind nicht mehr egal. In „The Boy With No Name“ werde ich jedenfalls mal reinhören.

Dienstag, Oktober 09, 2007

The World Is Everything: David Sylvian - Köln - 8. Oktober 2007

November 1993 – Il duomo di Firenze. Oktober 2007 – Der Kölner Dom. Fast 14 Jahre zwischen zwei Konzerten, zwischen zwei sich aus dem Phlegma des Daseins erhebenden Monolithen. Zwei mal einfach losgefahren, ohne zu wissen, ob die Richtung stimmt. Beide Male sicher angekommen. Das Andenken daran für die Memoiren eines Herzblutenden aufbewahrt. Im Theater am Tanzbrunnen gediegenes Sitzen in zweiter Reihe. „What A Wonderful World“ zum pünktlichen Auftakt. Von der Bühne kommt kaum eine Begrüßung. Statt dessen Distanz elegant. Das Außen kehrt sich nach Innen. Was zählt sind kleine Gesten und sparsame Mimik, die erst nach und nach immer großzügigere Lächeln austeilt. Keine Faust, die sich reckt, keine Hand, die beschwört; dennoch wird jeder hier im Saal im Innersten berührt. Sylvians Stimme dringt an Orte vor, die selten zuvor ein Mensch gezeigt bekam. Unbeirrbar rüttelt sie am Ich, tritt Erschütterungen los und strömt als gleißendes Glück zurück an die brüchig gewordene Oberfläche. Es gibt noch Hoffnung, so lange ein einziges Musikstück ein halbes Leben in Frage stellen kann. There's a fire in the forest / It's taking down some trees / When things are overwhelming / I let them be / […] There is always sunshine / Far above the grey sky / I know that I will find it / Yes, I will try. Die Musiker, darunter Steve Jansen, spielen in punktgenauer Erhabenheit und unantastbarer Traurigkeit: Brilliant Trees, Ghosts, Every Colour You Are – die alten Bekannten von einst ins neue Licht gerückt, nur anhand der Worte wieder erkannt, während die neueren Nine-Horses-Stücke längst zu vertrauten Weggefährten geworden sind. Noch zwei stille Zugaben und ein ruhiges Lächeln. Wanderlust zum Schluss: And deliverance has many faces / But grace is an acquaintance of mine. Das ist die Freiheit, die! Ich! Meine!